Lehrer Adam Wilson beaufsichtigt die jüngeren Kinder, die aus verschiedenen Klassen an ihren Online-Kursen teilnehmen. Aktuell sind etwa 60 bis 70 Kinder in der Schule, da sie aus verschiedenen Gründen nicht von zu Hause aus arbeiten können, sagt Schulleiter Tom Zijlstra. FOTOS: NIKLAS MAG
+
Lehrer Adam Wilson beaufsichtigt die jüngeren Kinder, die aus verschiedenen Klassen an ihren Online-Kursen teilnehmen. Aktuell sind etwa 60 bis 70 Kinder in der Schule, da sie aus verschiedenen Gründen nicht von zu Hause aus arbeiten können, sagt Schulleiter Tom Zijlstra. FOTOS: NIKLAS MAG

Fernunterricht

Grundschüler der Europaschule in Bad Vilbel sind schon Experten für Lernplattformen

  • vonNiklas Mag
    schließen

Die Europäische Schule Rhein-Main ist wieder in den Unterrichtsbetrieb nach den Ferien gestartet - ohne Schüler. Die meisten Kinder lernen von zu Hause aus. Und das scheint gut zu funktionieren.

Schulleiter Tom Zijlstra bedauert, wie still es in den breiten und hellen Gängen der ESRM in Dortelweil ist. "Sie sehen hier heute eine nahezu leere Schule. Ich finde das schrecklich", sagt er. Doch die Pandemie lasse momentan kein anderes Bild zu. Normalerweise füllen rund 1600 Schüler die Räume mit Leben, hinzukommen 200 Mitarbeiter. "Aktuell sind nur etwa 60 bis 70 Personen hier", sagt der Schulleiter. Rund 60 Kinder und Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen nicht von zu Hause aus arbeiten können, sind in der Schule.

Bis zum 15. Dezember lief der Unterricht vor Ort, berichtet Zijlstra, die Schule habe alles im Griff gehabt. "Das hat super funktioniert. Jeden Morgen wurde Fieber gemessen und das machen wir auch weiter so." Lehrer und Schüler hätten mittlerweile große Kompetenzen in Sachen Online-Unterricht.

Daumen-hoch für "mir geht’s gut"

Primarstufenleiter Marcus Adams ist glücklich, wie die jüngeren Kinder und ihre Lehrer mit der Situation umgehen. "Jeder hat einen eigenen Account für ›Microsoft-Teams‹", erläutert er. Die Klassenlehrer erstellen jeweils die Unterrichtspläne für ihre in Gruppen aufgeteilte Klasse.

Yvette Müller hat gerade eine Gruppe aus dem virtuellen Unterrichtsraum entlassen. Sie sitzt alleine in ihrem Klassenzimmer, die Kinder verabschieden sich mit einem Winken und verschwinden nach und nach vom Bildschirm. "Ich versuche, kreative Ideen in den Unterricht einzubringen", sagt die Lehrerin. Mit ihren Zweitklässlern behandle sie gerade das Thema Maße. "Da bietet der Online-Unterricht auch ganz eigene Möglichkeiten, zum Beispiel können die Kinder ihr Zimmer zu Hause ausmessen."

22 Kinder in zwei Gruppen

In zwei Gruppen hat sie ihre 22 Kinder aufgeteilt und unterrichtet diese abwechselnd. Der Aufwand für die Lehrerin ist damit zwar recht hoch, doch müssen sich die Sieben- und Achtjährigen damit nicht ganz so lange auf den Bildschirm konzentrieren, sondern haben immer wieder Pausen. Lediglich der persönliche Kontakt zu den Schülern bleibt etwas auf der Strecke. "Morgens begrüße ich alle. Wir haben ausgemacht, dass die Kinder im Programm ein Daumen-hoch-Symbol an mich senden, wenn es ihnen gut geht." Die Unterrichtsform sei für alle ungewohnt gewesen, funktioniere aber gut, wenn es auch anstrengend sei.

Gefordert, sich weiterzuentwickeln

Musiklehrer Adam Wilson betreut in einem Computerraum mehrere Drittklässler. Diese gehören zu den wenigen Schülern, die sich derzeit in der Schule aufhalten. Sie sitzen vor ihren Rechnern, tragen Headset und natürlich Maske. Einige lernen selbstständig, andere sehen die Gesichter ihrer Mitschüler vor sich auf dem Bildschirm und befinden sich mitten im Online-Unterricht.

Der achtjährige Samuel ist wie alle seine Mitschüler mittlerweile echter Experte, was Office- und Lernprogramme angeht. Auf seinem Laptop zeigt er "Teams", dort hat jeder Schüler einen Account. "Ich kann hier meine Dateien abspeichern oder auch teilen, damit Lehrer oder die Klasse es sehen können", erklärt er. Auch die Unterrichts-Videokonferenzen laufen über das Microsoft-Programm. Oscar (9) blättert währenddessen auf einem Tablet in einer digitalen Bibliothek nach Büchern. Und auch ein Mathe-Lernprogramm zeigen die beiden Schüler. "Online lernen ist okay", sind sie sich einig. "Man hält Abstand, aber kann sich sehen. Das ist besser, als wenn das gar nicht geht."

Positive Rückmeldungen der Eltern

Auch die Rückmeldungen seitens der Eltern seien durchweg positiv, sagt Sekundarstufenleiter Simon Hanheiser. Die Schule sei stolz darauf, wie die gesamte Schulgemeinschaft mit der Pandemie umgehe, online und auch vor Ort. Sogar einige positive Aspekte kann Hanheiser aus den Auswirkungen der Pandemie ziehen: "Man entwickelt Kompetenzen im EDV-Bereich und ist gefordert, sich immer weiter zu verbessern, damit das alles funktioniert", findet er.

Zudem sei die Schulgemeinschaft an den gemeinsamen Herausforderungen gewachsen. Das betreffe Schüler, Eltern, Lehrer und alle anderen Mitarbeiter. Tom Zijlstra ergänzt: "Der Unterrichtsfokus ist durch die Notwendigkeit des Online-Lernens auch deutlich mehr auf das gemeinsame Arbeiten und das gemeinschaftliche Lernen gerutscht und eher weg von ständigen Leistungsüberprüfungen und Benotungen." Das sei der Idee moderner Pädagogik durchaus zuträglich, auch wenn er sich darauf freue, dass hoffentlich bald die Schule wieder voller Leben ist.

Neben dem Online-Unterricht stellen auch die anstehenden Examensprüfungen die Schule vor eine Herausforderung. Damit die Prüfungswoche sicher für alle Beteiligten über die Bühne gehen kann, hat Prüfungsorganisatorin Ute Hartmann mit ihren Kolleginnen die Sporthalle der ESRM mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Schulleiter Tom Zijlstra möchte zudem Ämtern, Kreis- und Landesregierung ein Lob aussprechen: "Egal welche Probleme wir hatten, man war immer für uns da und immer proaktiv. Diese Zusammenarbeit gefällt mir sehr." nma

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare