Keine Luftnummer: Bad Vilbeler Gastronomen setzen am Gründonnerstag in ihren Bars, Cafés und Restaurants lauter grüne Zeichen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
+
Keine Luftnummer: Bad Vilbeler Gastronomen setzen am Gründonnerstag in ihren Bars, Cafés und Restaurants lauter grüne Zeichen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Gastronomie in der Notlage

»Grünes Licht« für die Gastronomie gefordert – Protestaktion in Bad Vilbel

  • VonNiklas Mag
    schließen

Die Vilbeler Gastronomen wollen ein Zeichen setzen und erleuchteten die Stadt am Gründonnerstag grün. Damit fordern diese »Grünes Licht« für ihre Lokale, denn die Zeit wird immer knapper.

Am Morgen des Gründonnerstag verteilt sich das Grün vom Südbahnhof aus über die gesamte Quellenstadt. Thorsten Heimerl, Besitzer der Pilsstube am Südbahnhof, nutzt seinen Hof und die Innenräume als Basislager. Nach und nach tauchen hier die vielen Gesichter der Vilbeler Gastronomie auf, rüsten sich mit Luftballons und Scheinwerfern. »Die Scheinwerfer hat uns freundlicherweise Daniel Schneider mit seinem Eventservice zur Verfügung gestellt, der es in der aktuellen Situation ja auch sehr schwer hat«, erläutert Tim Wegge, Besitzer der Genusserie und des Genüsschens in der Frankfurter Straße und Mitorganisator des stillen Protests.

»Das wird keine Querdenker-Aktion heute«, stellt er klar. »Wir halten uns alle grundsätzlich an alle Maßnahmen und keiner leugnet das Virus. Aber wir halten den Umgang mit der Gastronomie für nicht mehr verhältnismäßig.« Schließlich sei mittlerweile vom Robert-Koch-Insitut belegt, dass sich dank Hygiene- und Schutzmaßnahmen nur wenige Menschen in Restaurants und Bars anstecken würden. »Wenn es dann heißt, Gastronomie wäre nicht systemrelevant, dann tut das weh. Denn für die Freizeit und den Ausgleich und als Orte, wo man einfach mal einkehren kann, wenn man unterwegs ist, sind wir sehr wohl wichtig für die Gesellschaft.«

Protestaktion der Gastronomen in Bad Vilbel: Vereinsgründung möglich

Viel Geld hätten alle Gastronomen nicht nur in Bad Vilbel in die Hand genommen, um ihre Läden den Virusauflagen entsprechend umzugestalten. »Die Gastronomie hat einfach keine gute Lobby. Und jetzt sind wir seit Monaten das Bauernopfer«, meint Wegge. Bad Vilbel sei der Beweis dafür, was Gastronomen erreichen können, wenn sie sich zusammenschließen. »Seit dem ersten Lockdown unterstützen wir uns alle gegenseitig ganz massiv und arbeiten alle füreinander. Wir überlegen sogar derzeit, ob wir als Gastronomen-Vereinigung einen eigenen Verein gründen.« Man wolle an diesem Gründonnerstag die Frankfurter Straße mit grünen Ballons bestücken, das Rathaus und die Läden anleuchten. »Wir fordern grünes Licht, denn wir sind bereit, mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen unsere Lokale zu öffnen«, so Wegge.

Denn lange halten er und seine Kollegen nicht mehr durch. »Es muss ein Weg gefunden werden, wie trotz des Virus die Gastronomie ihren Betrieb wieder aufnehmen kann.« Er selbst biete mit seiner Genusserie einen Lieferdienst für Burger und Cocktails an, doch eigentlich nur, um seinen Mitarbeitern zumindest noch etwas Gehalt zahlen zu können. Für ihn persönlich springt seit Monaten nichts mehr ab. Auch Michaela Möller, die mit ihrem Mann Rafael Jimenez Davila das Al-Rafa in der Frankfurter Straße führt, holt sich grüne Scheinwerfer ab: »Ich bin ganz ehrlich, wenn wir nicht noch Feinkost-Produkte zum Verkauf anbieten würden, hätten wir die letzten Monate nicht durchgehalten«, erzählt sie.

Gastronomie in Bad Vilbel: Kunden werden immer weniger

Doch auch hier werden die Kunden weniger. »Unsere Gastronomie ist natürlich zu und jetzt in diesem Lockdown kommen immer weniger Menschen zum Einkaufen. Alle müssen aufs Geld achten«, vermutet sie. Gerrit Stank von der Escudo-Bar hat in seinem mexikanischen Restaurant und der zugehörigen Bar recht viele Mitarbeiter. Doch sein Lokal sei nach vielen Jahren in Bad Vilbel sehr etabliert, berichtet er.

Zudem ist die Escudo-Bar mit mexikanischer Küche in naher Umgebung recht konkurrenzlos: »Deshalb läuft es bei uns eigentlich ganz gut. Wir halten uns mit Lieferungen und Abholungen oben, aber der Bar-Betrieb fehlt natürlich ganz stark und der menschliche Umgang mit den Gästen sowieso.« 1000 biologisch abbaubare Ballons und 40 grüne Schweinwerfer haben die Vilbeler Gastronomen am Gründonnerstag in der Stadt verteilt und hoffen darauf, dass die mehrmonatigen Schließungen bald ein Ende haben.

Im vergangenen Sommer wurde bereits deutschlandweit symbolisch rotes Licht eingesetzt, um auf die Notlage der Eventbranche hinzuweisen. Auch der Vilbeler Techniker Daniel Schneider illuminierte damals das Alte Rathaus in der Innenstadt. Die Burgfestspiele beteiligten sich sogar mit einem größeren Lichtspektaktel an der »Night of Light«. Eine Woche lang war die Burg in verschiedenen Farben beleuchtet, denn auch Theater sind stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. nma

Vor dem historischen Rathaus: Rafael Jimenez Davila (links) und Tim Wegge fordern »Grünes Licht« für die Gastronomie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare