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Der Pandemie zu Leibe rücken: Dr. Ansgar Schultheis impft Christel Eberhardt gegen das Corona-Virus.

Großer Schutz durch kleinen Pieks

  • vonChristine Fauerbach
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Bad Vilbel (cf). »Wenn man so eine Chance bekommt, dann muss man sie auch nutzen«, sagt Dirk Hendriks. Bereits um vier Uhr in der früh ist er am Samstagmorgen in Bad Vilbel angekommen. Geduldig warten er und seine Frau bis zur Praxisöffnung, um eine Corona-Schutzimpfung zu bekommen. Denn hier impft heute Dr. Ansgar Schultheis und sein Team ganz ohne Termin.

Das zweite Paar sei um fünf Uhr gekommen und der Fünfte um sechs Uhr. Danach ging es Schlag auf Schlag. Schnell bildete sich eine Warteschlange. Die zog sich zeitweise quer über den Parkplatz die Wendeltreppe hoch bis zum Praxiseingang im zweiten Stock. Dirk und Wendy Hendriks zeigen ihre Wartenummern 21 und 22. Das Ehepaar aus Eppstein im Taunus hatte vom Impftag ohne Anmeldung in der Wetterauer Praxis im Internet gelesen.

Irene und Gustav Horst aus Schöneck sind auch früh da. »Uns fehlt noch die zweit Impfung. Unsere Hausärztin ist im Urlaub. Unsere zweite Impfung steht an und wir wollten nicht warten, bis sie wieder da ist und dann Impfstoff bekommt«, sagte das Paar. Sie hatten vom Impftag in ihrer Tageszeitung gelesen.

Alle lobten den Einsatz der Ärzte und Mitarbeiter in der Praxis von Dr. Ansgar Schultheis. »Alle sind begeistert. Das ist eine vorbildliche Aktion«, schwärmt die Vilbelerin Christel Eberhardt.

190 Wartemarken ausgegeben

Um 9.25 Uhr hatte das Praxisteam schon 190 Wartemarken ausgegeben. Zu denen, die sich gleich morgens eine Wartemarke sicherten, gehörte der Dortelweiler Udo Zenker. »Ich habe vom Impftag ohne Anmeldung in der Zeitung gelesen. Ich bin im Impfzentrum Büdingen angemeldet, habe aber weder dort noch bei meinem Hausarzt einen Termin bekommen. Für mich ist wichtig, dass ich eine Corona-Schutzimpfung erhalte. Mit welchem Mittel ist mir egal.«

Der Impfschutz gegen den Erreger ist allen wichtig. »Ich will mich nicht immer testen lassen, um ein Lokal oder hoffentlich bald wieder eine Veranstaltung besuchen zu können. Auch mit Blick auf den Urlaub ist eine Schutzimpfung wichtig«, gaben zwei Teilnehmer an.

Fast alle Wartenden verhielten sich vorbildlich. Die Atmosphäre war entspannt, teilweise war die Aktion Ausgangspunkt für spontane Gespräche. Zur traurigen Ausnahme gehörten drei Bürger. Der eine drängte sich mit dem Hinweis: »Ich habe einen Termin« einfach so an den Wartenden vorbei. »Das war so ein rücksichtsloser Typ. Da standen Leute mit Rollator geduldig in der Sonne an und der drängelte sich frech vor«, berichteten Wartende über das rüde Verhalten Die anderen beiden toppten diesen Zeitgenossen noch. Einer hatte ein laminierten Zettel mit der Botschaft »Verkaufe Platz am Anfang der Schlange - Bei Interesse anrufen« samt einer Handynummer und QR-Code zur Nummer aufgehängt. Das Praxisteam entfernte diesen sofort. Der andere »das war ein Teenager« wollte die Wartenummer 8 für 30 Euro an Impfwillige verkaufen, die sich gerade auf ihrem Handy das Zeitfenster für die Impfung für ihre Wartenummer einscannten. »Das Angebot hat keiner angenommen«, berichteten die Wartenden.

500 Impfdosen verabreicht

Das war auch gut so, denn bei diesem geschäftstüchtigen Teenager handelte es sich wie wohl auch im Fall des schriftlichen Angebotes um einen Betrüger. »Die Wartenummer 8 liegt hier auf dem Tresen«, sagt Dr. Schultheis. »Wir haben die ersten 20 Nummern vorab an gehbehinderte Impfwillige vergeben.« Vordrängeln war nicht notwendig, denn jeder kam dran.

»Ich habe 500 Dosen Astra Zeneca-Impfstoff bekommen, die ich heute bei Nachfrage verimpfen kann. Wir planen noch einen Johnson & Johnson-Impfstoff-Tag und einem mit Biontech. Unser großes Ziel ist es, auch den Biontech-Impfstoff ohne Anmeldung spritzen zu können. Zurzeit geht es nur mit Anmeldung. Die Termine werden auf unserer Homepage bekannt gegeben«, erklärt Dr. Schultheis.

Der Mediziner informierte, dass laut einer neuen Studie der Impferfolg größer sei, wenn bei der ersten und zweiten Impfung unterschiedliche Impfstoffe gespritzt werden. Er wie auch sein Kollege Dr. Lars Walther beklagen den großen bürokratischen Aufwand. »Die Impfplanung ist größer als die Impfung selbst. Der Andrang ist unter der Woche so groß, dass die Praxis durch Nachfragen und Mail lahmgelegt wird.«

Die Praxis gehört zu den Corona-Schwerpunktpraxen in Hessen. »Die Pandemie verlangt unserem Team viel ab. Wir haben nicht nur lange Arbeitstage, sondern sind auch samstags vor Ort. Eine Mitarbeiterin hat schon mehr als 100 Überstunden«, verrät Dr. Walther. »Wir geben alle Gas, wollen unseren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten. Der Chef geht mit gutem Beispiel voran. Zwei der drei angestellten Ärzte sind nur mit Corona-Impfungen und -Tests beschäftigt.«

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