Russland-Reise

Große Vorfreude beim Kammerorchester

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Der 2. Juli wird ein besonderer Tag für das Bad Vilbeler Kammerorchester. An diesem Tag wollen die 30 Musikerinnen und Musiker zum ersten Mal in der Sankt Petersburger Petrikirche auftreten.

I n dem prächtigen Bau am Sankt Petersburger Newski Prospekt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte kein Geringerer als der Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowski einst Orgelunterricht. Stalin schloss die Kirche, Chruschtschow eröffnete sie neu als Schwimmbad. Heute ist die Petrikirche wieder die größte evangelisch-lutherische Kirche Russlands. Zwei Jahre dauerten die Vorbereitung für die Konzertreise des Bad Vilbeler Kammerorchesters nach Sankt Petersburg, die vom 30. Juni bis 6. Juli dauern soll.

Am Projekt gearbeitet haben die Orchestervorstandsmitglieder Anke Blochwitz und Sabine Haag-Richter. "Verstärkt durch Angehörige der Musiker und einige Studenten vom Mussorgski-Konservatorium werden 46 Leute ins Flugzeug steigen", berichtet Blockwitz. Unterstützt werden die Vilbeler Musiker, von denen viele Profis sind oder waren, die alle eine musikalische Ausbildung auf hohem Niveau haben, durch russische Kollegen vor Ort. "Wir werden gemeinsam vor dem Konzert noch intensiv proben." Beim BVKO steht Musik aus Osteuropa seit einigen Jahren im Fokus. "Uns ist der intensive Kontakt zu den Musikern vor Ort und die gemeinsame Arbeit mit ihnen ganz wichtig", sagt Lydia Horn.

Von ihr stammt auch die Idee zur Konzertreise. Sie ist seit 2012 Stimmführerin der zweiten Geigen beim BVKO. "Ich komme aus Czernowitz in der Westukraine, aus dem ehemaligen k. und k. Gebiet. Meine musikalische Ausbildung habe ich in Kasan in Russland erhalten. Meine Familie ist 1980 nach Berlin emigriert. Ich spielte im Deutschen Symphonie Orchester in Berlin und danach viele Jahre in der Philharmonie Baden-Baden." Die Kontakte der Geigerin, die viele Jahre in Russland arbeitete, sind bis heute bestens. "Ich konnte vor zwei Jahren unseren Dirigenten Klaus Albert Bauer nach Kasan vermitteln. Er hat dort mit Studenten der Musikhochschule ein Barockprogramm einstudiert. Solist bei einem Bach-Violinkonzert war der bekannte russische Geiger und Rektor des Petersburger Rimski Korsakow Konservatoriums, Michail Gantwarg." Den Kontakt zum Leiter des Petersburger Mussorgski Konservatoriums stellte der russische Komponist Alexander Sojnikow her, der in der Pfalz lebt. Er besuchte 2016 Mendelssohns-Violinkonzert des BVKO. "Er war begeistert von unserem Orchester, unserem Dirigenten und vom sehr empfindsamen Spiel der Solistin Yvonne Smeulers.

" Die guten Kontakte der Profi-Musikerin Lydia Horn öffneten in St. Petersburg schließlich alle Türen für das BVKO. "Ich vermittelte in den 1980er Jahren den berühmten Dirigenten Eduard Serow mit seinem Wolgograder, damals Stalingrader, Symphonieorchester nach Baden-Baden. Das war zu Sowjetzeiten eine echte Sensation. Jetzt stellte sich heraus, dass der Leiter des Petersburger Mussorgski Konservatoriums, der Sohn des berühmten Dirigenten ist", freut sich die Musikerin. Die Vilbeler Musiker haben für ihren ersten Auftritt in Russland ein besonders anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Spielen werden sie von Alexander Sojnikow "Der Weg zum Tempel". "In diesem Stück geht um den Weg der Seele durch die Härten des Daseins hin zu Liebe und Licht", sagt die Geigerin. Und fügt hinzu: "Weiter bringen wir zwei selten gespielte, wunderschöne Werke der Barockzeit nach Petersburg. Es sind die packende g-Moll-Symphonie von Johann Friedrich Fasch und ein Flötenkonzert in C-Dur von Friedrich dem Großen. Fasch war Hofkapellmeister in Zerbst, der Heimat der späteren Zarin Katharina der Großen. Er hat sogar eine Hochzeitsserenade für Katharina komponiert.

" Abgerundet wird das Petersburger-Konzertprogramm, durch das Streichquartett "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz" von Joseph Haydn und "Idyll für Streichorchester" von Leoš Janácek. Begleitet wird das Konzert zudem von einem Solotänzer.

Die Reise fällt in die Zeit der "weißen Nächte". Zum Reiseprogramm gehören neben dem Musizieren die Besichtigung der Stadt und des Bernsteinzimmers. Gefördert wird die Konzertreise durch das Goethe-Institut.

Das Programm des Petersburger Konzerts des Bad Vilbeler Kammerorchesters ist am 24. Juni um 18 Uhr in der Frankfurter Festeburgkirche, An der Wolfsweide 58, zu hören. Eintritt 14 Euro/8 Euro. Mehr Informationen unter www.bvko.org.

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