Grüne Bänder für die Bäume: Renate Pröfrock, Tanja Tahmassebi-Hack und Sabine Schulz (v. l.) vom Verein "Streuobstzentrum Kirschberghütte Bad Vilbel" haben die ersten Bänder an Bäumen befestigt, die abgeerntet werden können. FOTOS: FAUERBACH
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Grüne Bänder für die Bäume: Renate Pröfrock, Tanja Tahmassebi-Hack und Sabine Schulz (v. l.) vom Verein "Streuobstzentrum Kirschberghütte Bad Vilbel" haben die ersten Bänder an Bäumen befestigt, die abgeerntet werden können. FOTOS: FAUERBACH

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Gratis Äpfel dank grünem Band

  • vonChristine Fauerbach
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Der gemeinnützige Verein "Streuobstzentrum Kirschberghütte Bad Vilbel" hat sein Ernteprojekt "Grünes Band" für Streuobstwiesen gestartet. Alle mit einem grünen Band gekennzeichneten Obstbäume sind von den Besitzern zur Ernte freigegeben.

Die Apfelernte läuft auf Hochtouren. Viele Bäume im Bad Vilbeler Wingert sind bereits abgeerntet. Doch einige tragen noch schwer an ihrer süßen Last. Damit das Obst nicht auf den Bäumen oder im Gras der Streuobstwiesen verrottet, hat der gemeinnützige Verein "Streuobstzentrum Kirschberghütte Bad Vilbel" sein neues Projekt "Grünes Band" gestartet. "Wer das Obst in der Erntesaison nicht aberntet, kann den betreffenden Baum mit einem grünen Band markieren. Ein grünes Band am Stamm signalisiert: Dieser Baum darf gratis und ohne Rücksprache mit den Eigentümern abgeerntet werden", informiert Tanja Tahmassebi-Hack.

Die Vorsitzende geht mit Schriftführerin Renate Pröf-rock und Kassenwartin Sabine Schulz auf dem "Kirschberg" mit gutem Beispiel voran. Das Vorstandstrio bindet auf einem Vereinsgrundstück ein grünes Band mit der Aufschrift "Pflücken erlaubt" um den Stamm eines Apfelbaums. "Wir kommen mit der Ernte nicht mehr hinterher, können nicht mehr alle Früchte verwerten. Gestern habe ich bereits drei Kisten voller handgepflückter Tafeläpfel zur Bad Vilbeler Tafel gebracht", berichtet Tanja Tahmassebi-Hack.

In Bad Vilbel gilt: Grün statt Gelb

Der Vorstand hat sich bei dem Bad Vilbeler Ernteprojekt für Streuobstwiesen nicht wie bundesweit üblich für ein gelbes, sondern bewusst für ein grünes Band entschieden. Gründe für den Farbenwechsel liegen in der Nachbarschaft. "In der Frankfurter Gemarkung signalisiert ein gelbes Band den Bürgern ›Stopp, ich pflücke selbst‹. Um Verwechslungen zu vermeiden, haben wir uns für die Farbe Grün entschieden." So wissen Bürger jederzeit, wo sie ohne Rücksprache mit den Streuobstwiesenbesitzern Obst ernten dürfen.

Mit dem grünen Band soll erreicht werden, dass weniger Obst ungenutzt auf den Wiesen verdirbt. "Mit dem Ernteprojekt "Grünes Band" wollen wir die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen aktiv unterstützen. Dazu benötigen wir die Hilfe der Streuobstwiesenbesitzer, die wir bitten, ihre Bäume, die sie nicht selbst abernten wollen oder können, mit einem grünen Band zu kennzeichnen. Damit helfen sie, Lebensmittel sinnvoll zu verwerten." Und die Bewirtschafter helfen mit, der Verunsicherung von Bürgern im Umgang mit den im privat oder städtischen Besitz befindlichen Flächen vorzubeugen.

Dritte Aktion des jungen Vereins

Beim "Kirschberg" handelt es sich um das Gebiet zwischen Hundeplatz und Vilbeler Wald. Auf dem Hügel stehen noch einige städtische Kirschbäume neben Apfel- und Zwetschenbäumen. Auf den Streuobstwiesen weiden regelmäßig Schafe. Das Gebiet ist bei Spaziergängern und Freizeitsportlern beliebt. "Beim Wingert handelt es sich um ein historisch wertvolles und traditionsträchtiges Biotop, das mit seinem Mikroklima die Frischluftzufuhr rund um Bad Vilbel ermöglicht", erklären die drei Vorstandsfrauen.

Damit das Abernten der Obstbäume ohne Beschwerden oder sogar Bußgelder vonstatten gehen kann, hat der Verein den Leitfaden "Streuobstwiesen-Nettikette" erarbeitet. Dort heißt es unter anderem: Kein Obst von Bäumen pflücken, die nicht mit einem grünen Band gekennzeichnet sind. Nur auf ausgewiesenen Wegen gehen. Keine Bäume beschädigen und nicht auf Bäume klettern, da die Unfallgefahr bei alten Bäumen besonders hoch ist. Hunde angeleint lassen, Müll und Hundekot in Beutel füllen, um sie im Hausmüll oder in einem Abfalleimer zu entsorgen.

Denn: Auf den Feldern und Streuobstwiesen wachsen Lebensmittel. Schafe, Ziegen, Lamas, Gänse und Enten weiden im Wingert, erklären die drei Frauen.

Nach der Aktion "Bad Vilbel gießt" im Frühjahr, den erfolgreichen Kultur- und Veranstaltungsreihen "Chillen bei den Grillen" mit Konzerten und Lesungen, ist dies die dritte öffentlichkeitswirksame Aktion des noch jungen Vereins Streuobstzentrum Kirschberghütte Bad Vilbel, der sich dem Natur- und Umweltschutz sowie dem Erhalt und der Pflege des wertvollen Biotops verschrieben hat. Gegründet wurde er im vergangenen Jahr.

Wer seine Obstbäume zum Abernten freigibt, kann sie mit einem grünen Band kennzeichnen. Alle, die aus alters- und gesundheitlichen Gründen Hilfe benötigen, erreichen die Mitglieder des Vereins "Streuobstzentrum Kirschberghütte Bad Vilbel" telefonisch unter 0 61 01/5 58 03 29 oder per E-Mail unter info@kirschberghuette.de. Informationen zum Verein gibt es im Internet unter www.kirschberghuette.de. Neue Mitglieder sind willkommen. (cf)

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