Schon nach dem ersten Tag der kostenlosen Maskenausgabe waren bei Ines Poggenpohl keine Masken mehr zu erhalten. Ihre Park-Apotheke in Bad Vilbel erlebte einen Ansturm wie noch nie. Sie berichtet von "kriegsähnlichen Zuständen". 	FOTO: HOLGER PEGELOW
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Schon nach dem ersten Tag der kostenlosen Maskenausgabe waren bei Ines Poggenpohl keine Masken mehr zu erhalten. Ihre Park-Apotheke in Bad Vilbel erlebte einen Ansturm wie noch nie. Sie berichtet von »kriegsähnlichen Zuständen«. FOTO: HOLGER PEGELOW

FFP2-Masken-Vergabe

Wetteraukreis: Vergabe von FFP2-Masken artet in „kriegsähnlichen Zuständen“ aus

  • Holger Pegelow
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Erschöpftes Personal als Folge von genervten und aggressiven Kunden. Die Ausgabe von kostenlosen FFP2-Masken verlief in den Wetterauer Apotheken völlig unterschiedlich.

Apothekerin Ines Poggenpohl kann es immer noch nicht fassen: »Hier haben fast kriegsähnliche Zustände geherrscht«, bricht es aus ihr heraus, als sie nach dem ersten Tag der kostenlosen Maskenausgabe gefragt wird. Poggenpohl leitet die Park-Apotheke in der Frankfurter Straße in Bad Vilbel. An einen solchen Ansturm kann sie sich nicht erinnern. »Die Ersten haben schon um zehn vor acht vor der Tür gestanden.« Als sie geöffnet habe, sei das Gedrängel und Geschubse losgegangen. »Die Leute haben sich sogar gegenseitig angebrüllt.« Die Stimmung sei zum Teil aggressiv gewesen.

Sie habe herausgehört, dass viele Leute gleich mehrere Apotheken in der Stadt aufgesucht hätten, um die von der Regierung kostenlos zur Verfügung gestellten FFP-2-Schutzmasken zu ergattern. Poggenpohl informiert, sie habe bis um 9.30 Uhr schon zwischen 600 und 800 Masken ausgegeben. »Das war das Kontingent, was wir hatten. Um 9.30 Uhr war alles weg«, sagt sie.

Wann sie neue Masken erhält, wisse sie nicht. Sie müsse diese nämlich kaufen. Die ausgegebenen stammten aus dem Kontingent der Apotheke, das sie vorher schon hatte. Den ganzen Tag über seien dann immer wieder Leute gekommen, die man habe vertrösten müssen.

Zweite Lieferung am Nachmittag

Offenbar hat nicht jeder gelasssen reagiert, als man verneint habe. »Die Leute sind richtig sauer gewesen«, berichtet die Apothekerin. Da der erste Tag der Masken-Ausgabe noch mit dem letzten Tag vor dem Lockdown zusammengefallen sei, sei die Stimmung »bisweilen mega aggressiv« gewesen. Entsprechend seien auch ihre sieben Mitarbeiterinnen behandelt worden. »Die waren abends fix und fertig«, berichtet Ines Poggenpohl.

Ihre Mitarbeiterin Sandra Müller macht hauptsächlich den Telefon- und Versanddienst. »Mehr als jeder zweite Anrufer fragt auch heute noch: Haben Sie noch Masken?«. Wenn sie verneine, würden einige noch unverschämt. »Es wurde mir sogar gedroht«, sagt sie. Apothekerin Poggenpohl berichtet, dass viele Leute offenbar mehrere Apotheken in der Stadt aufgesucht hätten, um mehrfach die drei kostenlosen Masken zu erhalten. Und offensichtlich waren sie nicht nur in Bad Vilbel unterwegs. Sie berichtet von der Reaktion einer Frau, die keine Masken mehr berkommen habe. Diese habe gesagt habe, das mache nichts, ihr Mann habe schon in Frankfurt welche bekommen.

Zwei Tage nach dem Ausgabestart hatte sich die Lage etwas beruhigt, denn die Apotheken haben Hinweise in ihre Fenster gehängt, dass alle versprochenen Masken ausgegeben worden seien. »Unfassbar«, mault eine Frau, die vor einer anderen Apotheke das Schild liest. »Da rufe ich nachher an«, erzürnt sich die Seniorin. Selbst am Parkhaus in der neuen Mitte ist die Maskenausgabe Thema. Eine Frau brüllt fast in ihr Handy: »Hier sind alle Masken weg, ich bin die ganze Stadt abgelaufen.«

Deutlich ruhiger ist es dagegen in Petterweil zugegangen. Der Inhaber der Paracelsus-Apotheke, Thomas Greß, berichtet zwar auch davon, dass die Kundinnen und Kunden »so früh wie nie« gekommen seien. Da man aber zu 85 Prozent Stammkunden habe, habe man alle Fragen in Ruhe klären können. »Wir haben die Lage hier im Griff«, sagt Greß. Mit pampigen Kunden hatte aber auch er am ersten Tag zu tun. Ein Mann aus Friedrichsdorf, »den ich hier noch nie gesehen habe«, habe unwirsch reagiert, als er ihm erklärt habe, dass alle ausgegeben seien.

Innerhalb der ersten beiden Öffnungsstunden habe er 500 FFP-2-Masken ausgegeben, gegen 15 Uhr habe er nochmals 600 Schutzmasken geliefert bekommen. Diese Lieferung habe er »noch etwas gestreckt, damit ich am nächsten Morgen weitere ausgeben konnte«.

Apotheker Greß hat nach eigenen Worten festgestellt, dass einige Leute »nicht gut informiert sind«. So hätten sie gedacht, dass die Masken ausschließlich am Dienstag ausgegeben würden. »Eine Frau hat sogar gedacht, dass sie sich strafbar macht, wenn sie diese Maske heute nicht trägt.« Er habe ihr erzählt, dass diese drei Masken ein Geschenk der Regierung seien.

Greß hat zudem festgestellt, dass bereits am Tag nach der Ankündigung der Regierung, also eine Woche vor dem Ausgabe-Start, viele bei ihm die FFP2-Masken gekauft hätten.

Der Petterweiler Apotheker rechnet mit vielen weiteren Anfragen in den nächsten Tagen, bis zu diesem Wochenende. Danach, hofft er, ebbt die Nachfrage etwas ab. Denn die Regierung will im Januar Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr zweimal drei Masken zuukommen lassen. Das soll, sagt Apothekern Poggenpohl, mittels fälschungssicheren Coupons erfolgen. Dann dürfte es wesentlich gesitteter zugehen als in dieser Woche.

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