Bernd Kaffenberger
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Bernd Kaffenberger will die Gastronomiekultur in Bad Vilbel erhalten.

Eine Stadt hält zusammen

Gemeinsam durch die Krise: Bad Vilbeler Unternehmer vernetzen sich

  • vonNiklas Mag
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Bernd Kaffenberger steht mit seinen Rewe-Märkten in der Corona-Krise unter Dauerstrom. Nicht nur wegen der Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch, weil er gesellschaftliche Verantwortung übernehmen möchte.

Langweilig wird mir wirklich nicht«, resümiert Bernd Kaffenberger die vergangenen Wochen. Er betreibt einen Getränkemarkt und zwei weitere Rewe-Märkte in Bad Vilbel und ist dementsprechend geschafft: »Als damals der Ansturm auf Supermärkte losging, waren wir eigentlich am Puls der Zeit. Wir haben gleich die Plexiglasscheiben aufgestellt und Abstandsmarkierungen geklebt«, erinnert er sich zurück. »Dann gingen die Grenzen zu und das Segment wurde kleiner, denn es gab auf dem Markt große Verschiebungen.«

Toilettenpapier, das normalerweise von Hotels gekauft wird, hätte in Supermärkte erst einmal umgeleitet werden müssen. »Als Supermarkt gehören wir natürlich zur profitierenden Seite der Krise, deshalb habe ich schnell entschieden, das wir auch helfen möchten.« Kaffenberger sei es ein großes Anliegen, die Gastronomiekultur in Bad Vilbel zu erhalten, weshalb der Unternehmer Mitarbeiter mehrerer Gastro-Betriebe eingestellt hat. »Wir wollten damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, aber natürlich können wir nicht alle Mitarbeiter der Vilbeler Gastronomien unterbringen«, bedauert Kaffenberger.

Unternehmen in Bad Vilbel: Grüne Soße und Foodtruck

Doch hätten sich schnell andere Möglichkeiten zur Unterstützung geboten: »Die Alte Mühle produziert Grüne Soße, die wir ins Sortiment aufgenommen haben und das kommt gut an. Da wird mittlerweile echt viel produziert«, weiß der Supermarktbetreiber. Das Eiscafé Milano an der Neuen Mitte habe schließlich beginnen können, Eisbecher im Rewe zu verkaufen und Gian Carlo Pöschko Benites, der eigentlich das Café Apfelkern und Kolibri in der Innenstadt betreibt, nutzt den weiträumigen Parkplatz vor dem Rewe für Verkauf aus dem Foodtruck.

»Um die Gastronomie weiter zu unterstützen, habe ich die Mitarbeiter gebeten, sich auf meine Kosten Mittagessen aus den Vilbeler Restaurants zu bestellen. Damit wollten wir auch die Vilbeler inspirieren, selbst etwas vermehrt die Lieferdienste zu nutzen«, sagt Kaffenberger. Und das soll mit beginnenden Corona-Lockerungen nicht anders werden: »Wenn die Restaurants jetzt wieder öffnen können, werde ich in nächster Zeit Tische reservieren und mit meinen Angestellten dort essen gehen«, kündigt er an. Das hätte einerseits den Sinn, die wiedereröffneten Betriebe zu unterstützen, andererseits würden seine Rewe-Mitarbeiter auch Belohnung verdienen.

Unternehmen in Bad Vilbel: Anzeige wegen fehlender Hygiene

»Die Mitarbeiter machen mich momentan sehr stolz, denn sie alle machen einen wirklich guten Job, trotz der hohen Belastung. Und gerade die Verkäufer und Verkäuferinnen an den Kassen kriegen oftmals die Wut der Kunden ab, obwohl sie sich die Maskenpflicht nicht ausgedacht haben«, sagt Kaffenberger.

Sogar verklagt worden ist er zwischenzeitlich, wegen angeblich nicht eingehaltener Hygiene-Bestimmungen. »Als das öffentlich wurde, hat uns viel Zuspruch erreicht. Das Verfahren wurde sehr schnell wieder eingestellt.« Eine der jüngsten Meldungen aus dem Einkaufsmarkt: Insgesamt 10 000 Masken hat Bernd Kaffenberger gespendet.

Doch die Dankbarkeit für sein Engagement ist nur eine Seite der Medaille, denn die Arbeitsbelastung ist enorm. »Es zehrt schon sehr an den Kräften. Gerade die Dinge, die die Kunden gar nicht direkt sehen können.« An Ostern hätten seine Mitarbeiter in Tag- und Nachtschichten gearbeitet, Schutzmaßnahmen oder auch die komplizierte Logistik würden massive Kosten verursachen. »Ich habe ja auch die Verantwortung für 175 Mitarbeiter und dafür, dass der Betrieb auch nach Corona noch läuft. Das ist schon eine anstrengende Zeit momentan. Ich glaube, wir sind alle froh, wenn das vorbei ist«, sagt der Unternehmer. Nichtsdestotrotz sei es ihm wichtig, diese gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. »Und ich muss sagen, dass das in Bad Vilbel großartig funktioniert. Die Vernetzung der Unternehmer ist sehr gut und die Hilfsbereitschaft untereinander ist enorm.«

Unternehmen in Bad Vilbel: Bis zu eine Million Liter Wasser sollen gespendet werden 

Auch die Firma Hassia übernimmt Verantwortung. In einem Facebook-Video erklärt Geschäftsführer Dirk Hinkel das Spendenprogramm »Hassia hilft«. Hinkel erläutert, dass Mitarbeiter der Firma nicht in Kurzarbeit geschickt werden, sondern deren Arbeitskraft der Allgemeinheit zugutekommen soll. Krankenhäuser im Umkreis von 60 Kilometern würden mit Wasser beliefert, hinzukommen deutschlandweit Tafeln und Obdachlosenheime. Bis zu eine Million Liter Wasser sollen insgesamt gespendet werden. 

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