Steffen Weixler als David O. Selznick, Hendrik Vogt als Ben Hecht und Sebastian Zumpe als Victor Fleming sind die Protagonisten in der Komödie "Mondlicht und Magnolien", die jetzt auf der Freilichtbühne der Bad Vilbeler Wasserburg ihre Premiere hatte. FOTOS: SOMMER/PV
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Steffen Weixler als David O. Selznick, Hendrik Vogt als Ben Hecht und Sebastian Zumpe als Victor Fleming sind die Protagonisten in der Komödie "Mondlicht und Magnolien", die jetzt auf der Freilichtbühne der Bad Vilbeler Wasserburg ihre Premiere hatte. FOTOS: SOMMER/PV

Gelungene Zeitreise nach Hollywood

  • vonChristine Fauerbach
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Der Theatersommer in der Burg, das Ersatzprogramm für die Burgfestspiele, hat mit der Premiere des zweiten Stücks seine Fortsetzung gefunden. "Mondlicht und Magnolien" ging in der Regie von Ulrich Cyran in kleiner Besetzung über die Freilichtbühne der Bad Vilbeler Wasserburg.

Kna pp sechs Wochen Zeit hatten das Ensemble und die Crew der Burgfestspiele, um die mit zahlreichen Slap- und Sight-Sticks angereicherte Komödie "Mondschein und Magnolien" auf die Bühne zu bringen. Das ist zwar viel mehr Zeit als die vier Protagonisten im Theaterstück hatten, war aber dennoch eine Herausforderung.

Der erfahrene, langjährige Tontechniker der Burgfestspiele, Till Helfrich, sagt: "Die Herausforderungen bei den beiden Produktionen dieses Theatersommers waren, die Beschallung an das übliche Equipment anzupassen und die Hygieneanforderungen bei den Mikrofonen zu beachten." Bühnentechnikerin Jenny Wipprecht, die zum dritten Mal beim Theatersommer in der Kurstadt dabei ist, wurde von acht Bühnenhelfern und Schreinern in ihrem Team unterstützt. Kämpfen musste sie während der Vorbereitungen mit vielen Aufgaben, aber auch Zweifeln: "Immer wieder gestellten Fragen waren, schaffen wir das mit dem Aufbau der Tribüne, der Bühne und den Vorbereitungen bis zur ersten Premiere von Ladies Night? Da die Tribüne kürzer als bei den Burgfestspielen ist, musste auf der linken Seite eine Wand gebaut werden. Schaffen wir es die Lichtinstallationen anzubringen und die Betonoptik der Bühnenelemente zu gestalten? Weitere Fragen drehten sich darum, wie man die Zuschauerstühle am besten aufstellt, um die Hygiene- und Sicherheitsstandards zu erfüllen."

Hygienekonzept in Inszenierung

Auch die Vorbereitungen zur zweiten Premiere "Mondlicht und Magnolien" erforderten einige Anpassungen. "Beim Bühnenbild konnten wir teils auf neue Elemente zurückgreifen, die bei den Inszenierungen 2021 eingesetzt werden. Sonst hätten wir dies in der kurzen Zeit wohl kaum geschafft. Davor mussten wir die Probenräume in der Dortelweiler Reithalle für die zweite Inszenierung zeitgerecht vorbereiten sowie einen Paravent auf dem Zugang zum Pallas aufstellen."

Besucher bescheinigen Intendant Claus-Günther Kunzmann und seinen Mitstreitern auf, vor und hinter der Bühne, erneut gute Arbeit geleistet zu haben. Ermöglicht wurde den Fans der Burgfestspiele, trotz aller coronabedingten Vorschriften, ihren Auftrag erfüllt und Kultur erlebbar gemacht zu haben.

Regisseur Ulrich Cyran hat das Hygienekonzept geschickt in die Inszenierung von "Mondlicht und Magnolien" eingebettet. Er nimmt das Publikum dank der an die 1940er-Jahre angepasste Ausstattung von Dorothea Mines mit auf eine Zeitreise ins Hollywood des Jahres 1939. Während sich über Europa die dunklen Wolken des Zweiten Weltkrieges zusammenziehen, kämpft Hollywood-Produzent David O. Selznick (Steffen Weixler) um Anerkennung, Ruhm und die Abwendung einer finanziellen Katastrophe. Er ließ die Dreharbeiten zum Film "Vom Winde verweht" stoppen und den Regisseur feuern.

Ablehnung und Abneigungen

Der routinierte Autor Ben Hecht (Hendrik Vogt) soll stattdessen ein neues Drehbuch schreiben und den 1730 Seiten umfassenden Stoff auf 130 Seiten verdichten. Da er nur die erste Seite des Buches kennt, spielen ihm Produzent Selznick und der neu engagierte Regisseur Victor Fleming (Sebastian Zumpe) den Inhalt des Romans zum Amüsement des Publikums vor. Fünf Tage lang dauert die schlaflose Klausur des Trios in Selznicks Büro. Seine Assistentin Miss Poppenghul (Janice Rudelsberger) stellt die Verbindung zur Außenwelt dar, besorgt die Verpflegung in Form von Erdnüssen und Bananen sowie Schreibmaschine, Papier und Stifte.

Zu kämpfen hat das Trio nicht nur mit dem enormen Zeit- und Erfolgsdruck, der Ablehnung von Margaret Mitchell gegenüber Hollywood, sondern auch gegenseitigen Abneigungen zwischen Drehbuchautor und Regisseur. Hinzu kommen Aversionen von Ben Hecht gegen die auf der Plantage Tara in Georgia spielende Handlung, die Protagonisten und die Sicht auf den Bürgerkrieg aus Perspektive der Konföderierten.

Gespannt verfolgte das Premieren-publikum am heißen Samstagabend trotz einiger Längen, wie es dem Trio mit vereinten Kräften gelingt, ein Drehbuch zu schreiben. Weder der Drehbuchautor noch der Regisseur glauben an den Erfolg. Einzig der Produzent hatte den richtigen Riecher. Und erweckte das Wunder des Films mittels Lichtpunkten auf einem Streifen Zelluloid zum Leben.

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es hinter den Kulissen des glitzernden Hollywoods zugeht, ist bei "Mondlicht und Magnolien" richtig.

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