Fünfte Generation: Die Übertragungsrate bei 5G ist etwa 100-mal so schnell wie bei seinem Vorgänger 4G, auch LTE genannt. FOTOS: DPA/PRIVAT

"Gefahren im Auge behalten"

Wie gefährlich ist 5G? THM-Professor im Interview

Am vergangenen Wochenende hat in Bad Vilbel die Initiative "Frei von 5G" demonstriert. Zentrales Thema war die Auswirkung des hochfrequenten 5G-Mobilfunks auf die Menschen und Natur. THM-Professor und Strahlenschutzexperte Joachim Breckow spricht über Gefahren, Grenzwerte und die Zukunft der Strahlenbelastung.

Herr Breckow, die Organisatoren sprechen von Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Folgen für Natur und Umwelt. Welche Auswirkungen hat die Strahlung überhaupt?

Unbestritten sind Wirkungen, die zu einer Erwärmung bestimmter Körperbereiche führen, die sogenannten thermischen Effekte. Diese treten allerdings erst bei Strahlungsintensitäten auf, die weit oberhalb von Grenzwerten und praktischen Anwendungen sind. Umstritten sind dagegen Wirkungen bei niedrigeren Intensitäten, also solchen, die auch im Alltag vorkommen können. Diskutiert werden beispielsweise Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Störungen, Elektrosensibilität und sogar bis hin zu Leukämie oder Krebs. Solche als "nicht thermische" Effekte bezeichneten Wirkungen sind allerdings unterhalb der gültigen Grenzwerte wissenschaftlich nicht nachgewiesen worden. Die Deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) überprüft permanent, ob diese Aussage so noch gilt und ob die bestehenden Grenzwerte solche nicht thermischen Effekte sicher ausschließen.

Wie kommen diese Grenzwerte zustande?

Die in Deutschland gültigen Grenzwerte stützen sich auf Empfehlungen internationaler wissenschaftlicher Gremien sowie insbesondere auf Empfehlungen der SSK. Es werden Tausende von Studien zu gesundheitlichen Effekten ausgewertet und in ihrer Gesamtheit bewertet. Eine einzelne herausgegriffene Studie zu einem einzelnen Effekt hat allein meistens keine große Aussagekraft. Grenzwerte werden so festgelegt, dass bei ihrer Einhaltung keine schädlichen Gesundheitseffekte befürchtet werden müssen. Die in der Praxis auftretenden Strahlungsintensitäten liegen in der Regel weit unterhalb der Grenzwerte.

Viele Gegner sprechen oft vom steigenden Gesundheitsrisiko. Steigt das wirklich, wenn man dieser Strahlung häufiger ausgesetzt ist?

Es ist sicherlich richtig, dass die Verbreitung solcher Strahlungen durch den Ausbau neuer Technologien rasant zunimmt. Sie umgeben uns mittlerweile nahezu überall und permanent. Ein steigendes gesundheitliches Risiko ist nach allem, was wir wissen, damit jedoch nicht verbunden.

Handelt es sich um eine andere Art von Strahlung als bei 2G oder 3G?

Technisch gibt es durchaus Unterschiede. Es handelt sich um andere Frequenzbereiche. Die Intensität der neuen Sendeanlagen ist zwar geringer, deren Anzahl und damit die Verbreitung der Strahlung ist aber flächendeckend. Biologisch wirken die Strahlungen jedoch sehr ähnlich.

Finden Sie, dass darüber ausreichend informiert wird?

Nach meinem Eindruck wird zumindest versucht, Informationen zu liefern und in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Hier ist besonders das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit einer Vielzahl von Informationskampagnen aktiv. Ein Blick auf dessen Internetseite lohnt sich bestimmt. Seit Anfang des Jahres gibt es ein "Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder" des BfS als Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen zu Mobilfunk. Ganz neu ist auch ein Bürgerdialog des Bundesumweltministeriums unter dem Motto "Deutschland spricht über 5G".

Wie schützt man sich vor der Strahlung? Soll man beispielsweise vor dem Schlafengehen das Handy ausschalten und nicht neben dem Kopf liegen haben?

Wie bei allen natürlichen und künstlichen Einwirkungen aus der Umwelt kann jeder nach eigenem Ermessen auch außerhalb staatlicher Vorgaben individuelle Schutzmaßnahmen treffen. Die Maßnahme, die Sie nennen, gehört dazu. Das Benutzen eines Headsets statt eines Handys direkt am Ohr oder nicht im Auto telefonieren gehören dazu. Man sollte aber auch beim Kauf eines Handys auf kleine SAR-Werte achten. SAR drückt aus, wie viel Strahlung des Handys im Körper absorbiert wird. Der SAR-Wert sollte kleiner sein als 0,5 W/kg sein.

Bei medizinischen Untersuchungen wie dem CT oder Röntgen ist man ebenfalls einer Strahlung ausgesetzt. Sollte man dort nicht auch aufpassen?

Röntgenstrahlung und auch CT sind etwas völlig anderes. Es handelt sich um vollkommen andere physikalische und biologische Prozesse. Auch die gesundheitlichen Gefahren und daher auch die gesetzlichen Regelungen hierzu sind völlig verschieden.

Auf der Demo ging es auch um die "Verstrahlung aus dem All und die Störung der Ionosphäre". Die Demonstranten beziehen sich auf eine Firma, die monatlich 120 Satelliten ins All bringt. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 2020 wolle SpaceX einen Großteil der Weltbevölkerung mit Breitband-Internet aus dem All versorgen. Wie sehen Sie das?

Man kann solche Entwicklungen durchaus mit Sorge betrachten. Auf der anderen Seite muss man zur Kenntnis nehmen, dass jede technische Entwicklung, die es in der Menschheitsgeschichte gab, neben dem angestrebten Nutzen auch potenzielle Gefahren mit sich gebracht hat. Wie hoch diese möglichen Gefahren im Vergleich zum Nutzen gewichtet werden, unterliegt nicht nur wissenschaftlichen Kriterien, sondern ist ein gesellschaftlicher Prozess. Dabei gibt es immer gesellschaftliche Gruppen und Interessen, die eher das eine oder das andere in den Vordergrund stellen. In Bezug auf Strahlung ist es die Aufgabe der SSK, hierbei die wissenschaftlichen Grundlagen für diese gesellschaftliche Diskussion zu liefern.

Handelt es sich dort um eine andere Art von Strahlung?

Anders in Frequenz und Intensität schon. Aber nicht so völlig anders wie die eben erwähnte Röntgenstrahlung.

Könnte die Strahlung Folgen für die Erde und deren Bewohner haben?

Ich glaube, die Folgen wären weniger gesundheitlicher, sondern eher gesellschaftlicher Art. Und die könnten durchaus drastisch sein. Wir erleben meines Erachtens jetzt schon durch Digitalisierung und neue Medien einen gewaltigen gesellschaftlichen Wandel.

Wie wird es sich künftig mit der Strahlung und den Menschen verhalten?

Wenn wir den in unserem Gespräch gemeinten Bereich von Handy, WLAN und 5G meinen, dann kann man davon ausgehen, dass die damit verbundene Strahlung vielfältiger, universeller und damit mehr wird. Wir müssen - und werden - sehr aufmerksam auf diese Entwicklung achten und stets mögliche Gefahren im Auge behalten. Das Verhältnis zwischen dem Nutzen und den möglichen Risiken darf nie außer Balance geraten.

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