kgg_Lieferdienste_nma_2__4c_1
+
Serdar Saci finanziert sein Restaurant Bella Vista momentan ausschließlich über Lieferungen. Dafür setzt er auf einen externen Partner.

Lieferando und Co.

Lieferessen in Bad Vilbel: Gebühren für Online-Plattform schrecken Gastronomen eher ab

  • vonNiklas Mag
    schließen

Für ein funktionierendes Restaurant ist ein gewisser Bekanntheitsgrad nötig. Externe Anbieter wie Lieferando bieten Gastronomen eine Plattform. Doch dafür verlangt der Anbieter auch Gebühren.

Bad Vilbel – Serdar Saci deutet auf einen nagelneu aussehenden Pavillon auf der Terrasse seines Restaurants Bella Vista und erklärt: »Kurz bevor Corona anfing, habe ich hier investiert und auch in meine neue Küche.« Die Umstände könnten natürlich besser sein, meint er, doch habe er keinen einzigen Mitarbeiter entlassen müssen. »Das ist mir auch wichtig. Wir sind ein Familienunternehmen und meine Mitarbeiter gehören auch zur Familie.« Sein italienisches Restaurant stehe derzeit noch stabil da.

Das Bella Vista liegt an den Kleingartenanlagen hinter dem Ritterweiher. Zwar an einer schönen Spazierstrecke, aber abseits des Innenstadt-Trubels. »Deshalb bieten wir schon immer einen Lieferservice an. Seit 2015 arbeite ich außerdem mit Lieferando zusammen«, erzählt der Gastronom. »Wir haben gut zu tun momentan, und unsere Lieferungen machen nur unsere Mitarbeiter. Keine zusätzlichen von Lieferando.«

Restaurant in Bad Vilbel: Zusätzliches Auto angeschafft

Ein zusätzliches Auto habe Saci angeschafft, vier sind es jetzt insgesamt. »Als wir angefangen haben, war unser Bekanntheitsgrad nicht so hoch. Deshalb habe ich mich damals auch dazu entschieden, mich bei Lieferando anzumelden.« Die Gebühren seien zwar recht hoch: »Aber so darf man nicht denken. Wir haben viele Kunden über die App gewonnen, die wir sonst nicht gehabt hätten.« Denn die Plattform biete nicht nur eine Fläche, um sich zu präsentieren, sondern biete eben auch kontaktlose Zahlungsmöglichkeiten an, die derzeit natürlich wichtig sind.

Dafür dass das Restaurant sich finanzell derzeit gut halten kann, sei aber auch die Kooperation Vilbeler Gastronomen verantwortlich: »Wir kennen uns alle und sind keine Konkurrenten. In Bad Vilbel arbeiten wir alle füreinander.« Auch die Kunden in der Quellenstadt würden ihren Beitrag tun, die Restaurants beschäftigt halten und in sozialen Netzwerken mit Fotos und Kommentaren nach außen zeigen, dass und wo sie bestellt haben. »Da ist Bad Vilbel wirklich ganz besonders«, weiß Saci.

Bad Vilbeler Gastronom: Gegen Plattform entschieden

Größere Probleme, einen Lieferservice zu installieren, hatte Genusserie-Betreiber Tim Wegge: »Während des ersten Lockdowns durfte ich ja nicht liefern, weil die Genusserie eine Bar ist, kein Restaurant«, erinnert er sich. »Im Sommer habe ich deshalb in eine Küche investiert. Jetzt liefere ich Burger zu den Cocktails. Ob ich das nach Corona so weiterführe, weiß ich noch nicht«, berichtet der Gastronom. »Ich bin da natürlich ein Sonderfall und habe anfänglich auch überlegt, ob eine Plattform wie zum Beispiel Lieferando für mich Sinn machen würde.« Die Idee hat Wegge allerdings schnell wieder verworfen: »Letztendlich wollte ich kein Geld dafür in die Hand nehmen, wenn wir unsere Lieferungen auch selbst gut bewältigen können.« Zudem mache es ihm Spaß, seine Kunden bei den Ausfahrten mal wieder persönlich zu sehen.

»Wir haben hier natürlich durch die Lage in der Frankfurter Straße einen gewissen Bekanntheitsgrad, deshalb funktioniert das alles ohne externe Unterstützung gut.« Die Lieferungen würden ihm vor allem helfen, seine Mitarbeiter zu bezahlen und den Betrieb am Laufen zu halten. Zusätzlicher Gewinn fällt derzeit kaum ab.

Um seine Cocktails überhaupt in der Pandemie liefern zu dürfen, musste sich Genusserie-Besitzer Tim Wegge extra eine Küche einrichten. Ob er sein Essensangebot nach Corona fortführt, ist ungewiss.

Bad Vilbel: Trotz Pandemie bekannter werden

Jay Lee hat kurz vor Beginn der Pandemie die »Oyster Lodge« im Erdgeschoss des goldenen Engels in der Frankfurter Straße eröffnet. Auch er bietet Speisen zum Abholen und Lieferungen in die unmittelbare Umgebung an. »Wir haben uns aber gegen Plattformen wie Lieferando entschieden, da wir uns eher im Fine-Dining-Segment bewegen und nicht glauben, das uns das weiterhelfen würde, gerade auch wegen der Gebühren.«

Dadurch, dass sein Restaurant kaum geöffnet sein konnte vor der Pandemie, würde er momentan vor allem versuchen, bekannter zu werden: »Aber es ist alles sehr schwierig momentan. Das ist natürlich bei jedem so. Wir hoffen trotzdem, bald wieder öffnen zu können.«

Die Gastronomen in Bad Vilbel kämpfen während der Pandemie weiterhin ums Überleben. Unter www.badvilbelbringts.de sind alle Vilbeler Restaurants zu finden, die Lieferungen oder Abholungen anbieten. Die Seite bietet einen guten Überblick sowie Adressen, Telefonnummern und weiterführende Links zu den Webseiten oder Speisekarten der Restaurants. nma

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare