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Um fünf Uhr morgens durch die Wiesen

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Bad Vilbel(pm). Ab dem Frühjahr sind Rehkitze in Bad Vilbel und Umgebung besser vor dem Tod durch Mähwerke geschützt: Die Tierfreunde von "Rehkitzrettung Bad Vilbel" investierten 5000 Euro der Umweltlotterie GENAU in zwei weitere Infrarot-Wildtierretter.

Rehkitze werden zwischen April und Juni geboren und von den Ricken im hohen Gras versteckt: Klein, geruchlos und mit einem ausgeprägten Instinkt ausgestattet, sich bei Gefahr flach zu ducken, anstatt zu flüchten. So sind sie vor ihren Fressfeinden perfekt getarnt, geraten aber oft genug unter die Mähwerke. Jedes Jahr sterben so Tausende von Rehkitzen.

Um dies in ihrer Region möglichst zu verhindern, schlossen sich im Jahr 2019 sieben Bad Vilbeler zur "Rehkitzrettung Bad Vilbel" zusammen. Aus eigener Tasche schafften sie einen Infrarot-Wildtierretter zum Aufspüren der Rehe an, zwei Drohnen mit Wärmebildkamera stellt die Frankfurter Gerty-Strohm-Stiftung zur Verfügung. Sämtliche Kosten für das Zubehör - wie Akkus, Ladegeräte, Reparaturen oder Versicherungen - stemmen die Rehkitzretter selbst. Rund um die eigentliche Kitzrettung muss die Gruppe viele organisatorischen Vorarbeiten leisten, vor allem die Kontaktpflege mit Landwirten und Jagdpächtern oder die Abstimmung der Einsätze. "Gerade der Anfang war schwer, wir mussten zunächst erst einmal herausfinden, wem all die Wiesen gehören und wen wir ansprechen können", erklärt die Projektverantwortliche Gabriele Skodzik.

50 Helfer und vier Drohnenpiloten

Um all das zu bewältigen, gehören inzwischen 50 Helfer und vier Drohnenpiloten zum Team, die allesamt ehrenamtlich im Einsatz sind. "Von Anfang Mai bis Ende Juni fliegen wir die Wiesen in Absprache mit den Landwirten und Jagdpächtern ab oder durchsuchen sie zu Fuß, um Rehkitze zu finden und aus der Wiese herauszutragen", berichtet Skodzik. Dabei seien portable Infrarot-Wildtierretter eine große Entlastung, denn sie deckten eine Fläche von gleich sechs Metern ab. Gerade wenn viele Landwirte aufgrund anstehenden Schlechtwetters ihre Mähmaschinen gleichzeitig rausschicken würden, komme man mit den Infrarot-Rettern viel schneller voran, um rechtzeitig vor der Mahd fertig zu sein. Außerdem könnten nicht überall Drohnen zum Einsatz kommen, etwa an Straßen oder in Naturschutzgebieten. Wenn morgens um fünf die meisten Menschen noch schlafen, sind Skodzik und ihre Kollegen bereits in den Wiesen zu finden und suchen für zwei bis drei Stunden alles ab. Dann kann Entwarnung an den Wiesenbesitzer gegeben werden.

19 Kitze konnten gerettet werden

Die Bilanz der Rehkitzrettung 2020: Insgesamt 162 Hektar Fläche wurden abgesucht und dabei 19 Rehkitze gerettet. "Ein Rehkitz zu finden und zu retten ist ein ganz besonderes Erlebnis, das niemanden unberührt lässt." Und auch wenn kein Rehkitz gefunden wird, ist der Einsatz gut, denn der Landwirt kann die Wiese unbesorgt mähen. "Schließlich möchte niemand wissentlich Tieren Leid zufügen", sagt Skodzik. Das Interesse und die Nachfrage der Landwirte und Jagdpächter steige stetig.

Für die Einsätze im nächsten Jahr werden noch weitere Infrarot-Retter benötigt. Die sichert nun der Zusatzgewinn der Umweltlotterie GENAU in Höhe von 5000 Euro; ein Betrag, der für zwei neue Infrarot-Wildtierretter ausreicht. Skodzik hatte ihr Projekt erst im Sommer bei der Umweltlotterie eingereicht und schon Anfang Oktober Glück: Ihr Projekt wurde von den Wochengewinnern ausgewählt.

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