wpa_Wysocki2_090721_4c_3
+
Vorfreude auf die »kleine Dinge«: Sebastian Wysocki gestaltet seine Heimstadt seit fünf Jahren als Erster Stadtrat mit.

Sebastian Wysocki im Interview

Fünf Jahre Erster Stadtrat: »Der Schatz steckt in den kleinen Dingen«

  • VonPatrick Eickhoff
    schließen

Im Juli 2016 hat Sebastian Wysocki (CDU) seinen Dienst als Erster Stadtrat in seiner Heimatstadt Bad Vilbel angetreten. In diesen fünf Jahren ist einiges passiert. Im Interview spricht er über die Entwicklung Bad Vilbels, Großprojekte und wagt einen Ausblick.

Herr Wysocki, Sie sind seit fünf Jahren Erster Stadtrat. Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?

Es war eine unheimlich schöne Zeit. Ich empfinde meine Arbeit jeden Tag als Privileg. Es ist nicht selbstverständlich, dass man seine Heimatstadt an so einer Stelle mitgestalten darf.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Bad Vilbels?

Es gibt überall Licht und Schatten. Ich hatte deutlich mehr Licht als Schatten (lacht). Zeit ist in Bad Vilbel immer ein ganz entscheidender Faktor. Der Bebauungsplan der Stadthalle beispielsweise ist in Rekordzeit gemacht worden. Das macht Spaß, ist aber auch fordernd. In meiner Tätigkeit sind es allerdings oft die kleinen Dinge, die mich besonders freuen.

Welche sind das?

Zum Beispiel haben wir einen Brief erhalten von einer Seniorengruppe, die gerne wandert. Sie hat bemängelt, dass am Niddaradweg in Richtung Harheim ein Tisch fehlt zum Niederlassen. Wir haben uns das angeguckt und festgestellt, dass das stimmt. Also haben wir das gemacht. Dafür gab es einen Dankesbrief und eine Einladung zum Mitwandern. Aber es gibt noch viele weitere Anekdoten.

An was denken Sie dabei?

Oftmals ist es die Begeisterung, wie unkompliziert Sachen funktionieren. Da fehlt zum Beispiel an einer Stelle ein Mülleimer oder eine Laterne ist zu dunkel. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Leute eine solche Verbesserung mehr bewegt, als ein riesiges Großprojekt. Der Schatz einer Stadt steck in den kleinen Dingen. Wenn die Leute merken, ihre Anregungen werden umgesetzt, ihre Belange ernst genommen.

Sie hatten vorhin von Licht und Schatten gesprochen. Gibt es Dinge, die hätten besser laufen können?

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann war es beim stadtseitigen Nidda-Uferweg die Kommunikation von unserer Seite. Wir fällen ja keinen Baum, weil wir Kettensägenfanatiker sind. Deshalb haben wir große Anstrengungen unternommen und kommunizieren jetzt deutlich intensiver bei diesem Thema. Ich gebe aber unumwunden zu, dass ich das unterschätzt habe.

Warum treffen wir uns auf der Landschaftsbrücke?

Weil es ein Ort ist, der für mein Tätigkeitsfeld steht. Die Nahmobilität durch den Radverkehr, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Die Entwicklung dieses Stadtteils durfte ich mit begleiten. Es entsteht ein neuer Spielplatz von über 3000 Quadratmetern Größe. Die Brücke ist ein Schmelztiegel für all das.

Bad Vilbel wächst und wächst. Wie geht es in Ihrer Heimatstadt weiter?

Klar ist: Die Grenzen des Wachstums für unsere Stadt sind erreicht. Es kommen noch kleinere Gebiete wie in Gronau oder irgendwann auf dem Heilsberg dazu, aber große Baugebiete wird es in Zukunft nicht mehr geben. Das gibt die Infrastruktur einfach nicht mehr her. Wir konzentrieren uns auf andere Bereiche.

Auf welche?

Das unmittelbare Wohnumfeld zu gestalten, Spielplätze modernisieren. Nicht auf jedem Spielplatz muss das es dasselbe geben. Der Innenstadtumbau wird uns weiterhin beschäftigen. Da investieren wir sehr viel Herzblut und Geld. Wenn die S6 fertig ist, soll auf der einen Seite ein Park entstehen. Wir wollen das Wohlfühl-Bad-Vilbel weiterentwickeln.

Wie ist es, die eigene Heimat so mitzugestalten?

Ich empfinde das als Privileg. Das Schöne an der Kommunalpolitik ist, dass man das, was man macht, so direkt sehen kann. Man durchläuft die kleinen und großen Verbesserungen in seinem eigenen Alltag.

Dazu gehört aber mit Sicherheit auch, dass Sie in der Öffentlichkeit angesprochen werden?

Ja, aber dessen war ich mir bewusst. Das ist in der Kommunalpolitik nun mal so. Als ich noch in Gronau gewohnt habe, kam ich mal nach Hause, da öffnet sich meine Beifahrertür vom Auto und ein 80-jähriger Mann setzt sich neben mich und sagt: ›Herr Wysocki, wir fahren jetzt zum Friedhof.‹ Ich habe mich kurz erschreckt, aber dann hat er mir gezeigt, was ihm auf dem Herzen liegt. Solche Momente gehören dazu.

Lassen Sie uns vorausblicken. Gibt es ein Projekt, auf dass Sie sich besonders freuen?

Ich würde lügen, wenn ich mich nicht auf die Eröffnung der Stadthalle freuen würde. Es ist ein großartiges Projekt. Das wird eine merkliche Aufwertung auch mit dem Kurgarten. Die Möglichkeiten, die sich der Stadt bieten, auch im tagestouristischen Bereich, sind groß.

Wie meinen Sie das?

Bad Vilbel wird nie der Ort sein, wo die Leute sagen ›Hier mache ich 14 Tage Urlaub‹, aber von Leuten, die ihr Wochenende hier verbringen wollen, um Kultur und Natur zu genießen - können Handel und Gastronomie profitieren. Darin sehe ich große Chancen.

Was steht als Nächstes an?

Ich freue mich auf viele kleine Dinge. Im Herbst werden wir die Radwegeverbindung nach Frankfurt über den Berger Rücken verbessern. Da sind wir auf die Stadt Frankfurt zugegangen und die hat sofort gesagt, dass sie mitmacht. Es sind Dinge, die Städte über ihre Grenzen miteinander verbinden. Das ist schön zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare