Freunde von Schläger-Opfer kritisieren Polizei

Bad Vilbel (khn). Mit einem Schreiben haben sich die Freunde des 20-jährigen Karbeners zu Wort gemeldet, der in der Nacht zu Samstag bei einer Schlägerei vor einem Club am Schöllberg schwer verletzt worden ist. Sie werfen der Polizei eine "grobe Fehleinschätzung der Sachlage bei diesem Einsatz" vor.

Außerdem nennen sie das Verhalten der Beamten "lasch und unverständlich". Polizeisprecher Jörg Reinemer kann die Kritik nachvollziehen, bittet aber um Verständnis für seine Kollegen. "Wenn Fehler passiert sind, dann sind sie dem Umstand geschuldet, dass die Beamten bei ihrer Ankunft auf eine aufgebrachte Menge gestoßen sind."

Am Samstag hatte gegen 2 Uhr eine größere Gruppe eine kleine Gruppe vor dem neu eröffneten "Sams Lounge-Club" an der Frankfurter Straße angegriffen. Dabei wurde der Karbener schwer im Gesicht und am Kopf verletzt. Während er am Boden gelegen hatte, hatten die Angreifer weiter auf ihn eingeschlagen und -getreten (wir berichteten ). Dessen Freunde, die anonym bleiben wollen, nennen das Verhalten der Polizisten "dilettantisch". Es sei schwer für sie, die Darstellung der Ereignisse – es war von einer Massenschlägerei die Rede – zu ertragen.

Sie beschreiben den Vorfall so: Eine Gruppe von "20 prügelnden Personen" habe vier jungen Menschen gegenübergestanden – darunter eine Frau. Zwei von ihnen seien von mindestens zehn Personen mit Schlägen und Tritten attackiert worden – "und zwar gezielt auf den Kopf", wie die Schreiber betonen. Einer der beiden Opfer habe bewusstlos mit einer offenen Schädelfraktur und schweren Gesichtsverletzungen auf dem Boden gelegen.

Polizei und Notarzt seien von den Betroffenen gerufen worden, unterstreichen sie. Es seien eben nicht nur Anwohner gewesen, sondern auch die Freunde, die von "der Gewaltorgie geschockt" gewesen seien. Die erste Streife, die vor Ort eingetroffen sei, sei nach eigenen Angaben "zufällig" vorbeigekommen, eine zweite mit "erheblicher Verzögerung".

Die Schlägergruppe sei aufgrund ihrer äußeren Merkmale leicht zu identifizieren gewesen, sagen die Freunde. Sie fänden es unverständlich, dass den Polizisten die Zuordnung schwer gefallen sei. Die Beamten hätten außerdem zuerst die aufgewühlten Zeugen befragt, anstatt die Personalien der "polizeibekannten Täter" aufzunehmen. Diese seien zum Teil noch vor Ort gewesen und von Zeugen benannt worden. Die meisten Angreifer hätten aber "die Gunst der Stunde genutzt" und seien weggegangen. Dabei hätten sie die Zeugen bedroht.

"Ich verstehe die Einschätzung derjenigen, die aus dem Umfeld des Verletzten kommen", sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer. Er betont auch, dass das "heftige Vorgehen" der Angreifer "vollkommen unverständlich und nicht zu entschuldigen" sei. "Es ist besonders besorgniserregend, dass die Täter weitergemacht haben, obwohl der junge Mann schon auf dem Boden lag."

Reinemer widerspricht dem Vorwurf, die erste Streife sei zufällig vor Ort gewesen. "Sie sind dorthin gefahren, weil eine Ruhestörung gemeldet worden ist." Dort seien die Beamten auf eine "aufgebrachte Menge" getroffen. Sie hätten zuerst feststellen müssen, was vor Ort passiert sei – deswegen hätten sie die Zeugen befragt. "Es ist schwer für die Kollegen, in so einer Situation zu agieren", betont Reinemer.

Fest steht auch: Es wird zu einem Ermittlungsverfahren gegen mehrere Personen kommen, die der Polizei namentlich bekannt sind. "Derzeit laufen noch die Vernehmungen", sagt der Polizeisprecher, "deswegen kann ich noch nicht mehr sagen." Reinemer bittet die Zeugen, die sich noch nicht gemeldet haben, sich an die Dienststelle in Bad Vilbel unter Telefon 0 61 01/5 46 00 zu wenden.

Massenschlägerei nach Club-Eröffnung

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