Feuerwehrleute unter Druck

Jeder Handgriff muss sitzen: Die Schläuche werden von den Einsatzkräften präpariert.

Das Berufsförderungswerk war kürzlich Schauplatz einer nächtlichen Übung der Bad Vilbeler Feuerwehr. Für die Einsatzkräfte bedeutete das besondere Eile und Anspannung, denn auch Personen galt es bei diesem Szenarium in Sicherheit zu bringen.

Plötzlich ist es mit der abendlichen Ruhe am Berufsförderungswerk vorbei. Über eine Seitenstraße donnern drei Feuerwehrautos zum Westteil des Gebäudekomplexes und bahnen sich einen Weg in den schmalen Hof. Wenige Minuten zuvor war auf dem Feuerwehrstützpunkt an der Huizener Straße eine Alarmmeldung eingegangen. Die Ausgangslage: In Gebäude H des Berufsförderungswerkes habe die Brandmeldeanlage angeschlagen, im ersten Obergeschoss und auf dem Dach befänden sich Personen. Für die 20 Einsatzkräfte der Kernstadt-Feuerwehr, die gerade eine Übungseinheit absolvieren, bedeutet dieser Alarm höchste Eile und Anspannung. Ein Löschangriff mit Personenrettung zeichnet sich ab.

Am Einsatzort haben sich bereits einige Schaulustige versammelt. Vom Dach steigt Rauch auf. Mit Hilfe einer ausfahrbaren Leiter, auf der ein Scheinwerfer angebracht ist, wird das Obergeschoss von außen beleuchtet. Eine zu rettende Person kann über die Leiter direkt vom Dach in Sicherheit gebracht werden.

Übung mit dem Handy gefilmt

Nachdem das Löschwassersystem betriebsbereit ist, dringen die Einsatzkräfte mit Atemschutzgeräten in das Gebäude vor, um nach weiteren vermissten Menschen zu suchen. Bei den Feuerwehrleuten sitzt jeder Handgriff, alles geht sehr routiniert vonstatten. Natürlich haben sie längst gemerkt, dass es sich um keinen »echten« Einsatz handelt.

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Maria Klink, Geschäftsführerin des Berufsförderungswerkes Frankfurt am Main, ist eine der »Schaulustigen« im Hof. Zusammen mit der Brandschutzbeauftragten Beate Rank hat sie das Szenario an diesem Abend quasi in die Wege geleitet. Beide Frauen sind vom Ablauf der Alarmübung begeistert und filmen sie mit dem Handy mit. »Es ist beruhigend, zu wissen, dass es sich nur um eine Übung handelt. Da hat man gleich ein viel besseres Gefühl«, sagt die Geschäftsführerin. »Der Schutz von rund 400 Menschen, die bei uns wohnen, hat höchste Priorität. Deswegen sind wir immer offen für Übungsanfragen der Feuerwehr und freuen uns über die gute Zusammenarbeit.«

Beate Rank berichtet von jährlich stattfindenden Räumungsübungen und regelmäßigen Schulungen. Einige Mitarbeiter seien speziell im Brandschutz unterwiesen. Der Sicherheitsstandard in der Einrichtung werde von der Feuerwehr stets gelobt.

»Die heutige Übung wurde vor vier Wochen angefragt«, erklärt Rank.

Schon früher sei das Berufsförderungswerk Schauplatz solcher realitätsnahen Probealarme gewesen. Währenddessen konnten die beiden übrigen Personen im Gebäude gefunden und auf tragbaren Bahren nach draußen befördert werden. Vor dem Haus kümmern sich zwei Feuerwehrmänner notfallmäßig um die nicht-menschlichen Statisten. Eine zusätzliche Alarmierung des Rettungsdienstes ist in der internen Planung nicht vorgesehen.

Realitätsnaher Schauplatz

»Dieser Probeeinsatz läuft im Rahmen unseres normalen Übungsbetriebes, der immer dienstags und donnerstags stattfindet«, teilt Wehrführer Mario Migdalski von der Feuerwehr Kernstadt mit. »Bei einem richtigen Einsatz mit derartiger Gefahrenlage wären auch noch die anderen Stadtteilfeuerwehren zur Unterstützung gerufen worden.«

Von der Alarmierung bis zum Übungsende seien exakt 53 Minuten vergangen, wird ihm gemeldet. Alle Details des Einsatzes sollen anschließend in einer internen »Manöverkritik« besprochen.

Migdalski kennt die zeitliche Richtlinie sehr genau: »18 bis 20 Minuten bleiben uns, um Menschen aus einem brennenden Gebäude zu retten. Nur dann gibt es überhaupt noch eine reale Chance, dass sie überleben. Davon gehen aber schon bis zu zehn Minuten Anfahrtszeit ab.«

Norbert Ottmann wohnt im Internat des Berufsförderungswerks und absolviert dort zur Zeit eine Qualifikation zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Nebenher hat er sich bei der Einsatzabteilung der Bad Vilbeler Feuerwehr zum Dienst angemeldet.

Aktiv könne er aber noch nicht an Einsätzen teilnehmen, erzählt der Brandschützer aus Wächtersbach. Umso begeisterter scheint er dafür den Löschangriff seiner Kameradinnen und Kameraden an diesem Abend zu verfolgen.

Im Rampenlicht: Mit Hilfe eines Scheinwerfers kann in dem Gebäude nach Vermissten gesucht werden.

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