So voll ist es an den Stellplätzen am Nordbahnhof in Bad Vilbel fast täglich. Deshalb soll dort ein neues Fahrradparkhaus entstehen.
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So voll ist es an den Stellplätzen am Nordbahnhof in Bad Vilbel fast täglich. Deshalb soll dort ein neues Fahrradparkhaus entstehen.

Abstellplätze

Fahrradparkhaus am Bahnhof soll kommen

Ginge es nach den Fraktionen im Stadtparlament, wird am Bad Vilbeler Nordbahnhof in absehbarer Zeit ein Fahrradparkhaus entstehen. Bis zu 250 zusätzliche Stellplätze fordert die SPD. Der Antrag der Sozialdemokraten scheiterte aber an der Frage: Wer soll den Bau übernehmen?

Wer morgens regelmäßig mit dem Rad zum Bad Vilbeler Nordbahnhof fährt, kennt das Problem: Viele Pendler steigen dort vom Drahtesel auf den Zug um. Zu den Stoßzeiten ist deshalb an den Fahrradständern oft kaum noch ein freier Platz zu finden. Manch einer kettet sein Rad gar verbotenerweise an den Handlauf der Rampe.

Alles in allem ist es eine untragbare Situation, die so nicht bestehen bleiben darf - darin sind sich im Grunde alle politischen Akteure einig, wie in der jüngsten Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses am Dienstag klar wurde. Auf dem Tisch lagen gleich zwei Anträge, die den Bau eines Fahrradparkhauses am Nordbahnhof forderten. Einer kam von der SPD, den anderen hatten CDU und FDP gemeinsam gestellt. Ein dritter Antrag zu einem Fahrradparkhaus in der Innenstadt stieß auf deutlich weniger Gegenliebe.

Am Nordbahnhof wollen die Sozialdemokraten bis zu 250 zusätzliche Stellplätze in einem "multimodalen, barrierefreien Mobilitätszentrum" sehen, wie SPD-Stadtverordnete Katja Koci erklärte. Sie könne sich für das "wettergeschützte, diebstahlsichere und komfortable Bike-and-Ride-Fahrradparkhaus" auch eine kleine Reparaturwerkstatt samt Service, Leihstationen für Cargo- und E-Bikes und Ladestationen für Pedelecs vorstellen. "Das ist noch Fantasie", wie Koci auf Nachfrage der CDU-Fraktion einräumte. Der Bedarf an Parkraum sei aber groß.

Als Standort für das Fahrradparkhaus hat sich die SPD das ungenutzte Gelände in der Dieselstraße, auf dem einst ein Wirtschaftsgebäude der Bahn stand, ausgeguckt. Das Grundstück gehört jedoch noch immer der Deutschen Bahn (DB), was sich in der Diskussion im Ausschuss zum Knackpunkt entwickelte. Denn während die SPD die Hauptverantwortung für das Projekt gern in die Hände der Stadt gelegt hätte, arbeiteten CDU und FDP in ihrem Antrag heraus, wer aus ihrer Sicht dafür eintreten soll: Die DB. "Die Bahn ist der Hauptprofiteur. Ihr gehören die Grundstücke. Und sie ist jetzt mal an der Reihe, solch eine Maßnahme zu bezahlen", sagte CDU-Stadtverordneter Oliver Junker. Die Vorschläge seiner Fraktion sind weniger konkret. Sie fordert ein Fahrradparkhaus "mit ausreichend Kapazität" an gleicher Stelle wie die SPD.

Wysocki sieht Bahn in der Pflicht

Parteikollege und Erster Stadtrat Sebastian Wysocki gab zu Bedenken: "Auf den wenigen städtischen Flächen, die wir haben, ist kein Platz mehr für ein solches Parkhaus. Ohne die Bahn geht nichts." Er plädierte ebenfalls dafür, die Bahn in die Pflicht zu nehmen. "In anderen Hessentags-Städten wurden auch die Bahnhöfe aufgemöbelt. Das könnte der Beitrag der DB zu unserem Hessentag sein." Katja Koci zeigte sich auf diese Einwände zögerlich. Sie fürchtete, mit der Bahn als Federführerin könne das Vorhaben länger dauern als mit der Kommune. Wysocki wischte diese Einlassungen jedoch vom Tisch: "Die Bahn darf sich hier keinen schmalen Fuß machen." Er fürchte seinerseits, dass der Magistrat seine Verhandlungsposition schwäche, wenn er nicht von Anfang an mit einer der klaren Ansage, den Bau nicht selbst stemmen zu wollen, auf die Bahn zugehe.

Bei der Abstimmung setzte sich die Ansicht des Stadtrats und der CDU letztlich durch: Der Antrag der SPD wurde mit den Gegenstimmen der Regierungskoalition und der Freien Wähler abgelehnt. Der gemeinsame Antrag von CDU und FDP wurde verabschiedet, Grüne und SPD enthielten sich.

Im Stadtparlament am Dienstag, 18. Juni, steht der mögliche Bau der Fahrradparkhäuser erneut auf der Tagesordnung. Die Mandatsträger müssen dem Vorhaben endgültig zustimmen, danach kann Stadtrat Wysocki in die Gespräche mit der DB eintreten.

Schon länger beschlossen ist übrigens, dass an der südliche Treppenanlage 33 überdachte Stellplätze und fünf abschließbare Fahrradboxen errichtet werden. Die Maßnahme soll im August 2020 realisiert werden. Ziel ist - wie auch bei den Fahrradparkhäusern - mehr Pendler zum Umsteigen von Auto auf Rad und Bahn zu bewegen.

Bad Vilbel(ags). Ein Fahrradparkhaus in der Innenstadt wird es vorerst wohl nicht geben. Im Planungs-, Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag wurde ein entsprechender Antrag abgelehnt. Die SPD hatte gefordert, im Kurhaus-Areal mindestens 250 normale Stellplätze und 25 weitere für Lastenräder zu errichten. SPD-Stadtverordnete Katja Koci sagte, im Bebauungsplan "Kurpark-West" liege der Schwerpunkt zu stark auf Autofahrern, an den Radverkehr sei zu wenig gedacht worden. Es fehlten in Vilbels Mitte zentrale Abstellmöglichkeiten.

Erster Stadtrat und Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki (CDU) wollte das so nicht stehen lassen. Er verwies darauf, dass die SPD sich gegen weitere Flächenversiegelungen in diesem Bereich ausgesprochen habe. Der mögliche Bau eines Fahrradparkhauses bedeute genau dies.

"Ich wüsste außerdem nicht, wie an dieser Stelle ein Fahrradparkhaus möglich sein sollte", sagte Wysocki weiter. "Das wäre ein riesiger Aufwand. Man müsste das ganze Areal umplanen." Die Stellplätze in das unterirdische Autoparkhaus, das gebaut wird, zu integrieren, sei aus planerischer und baulicher Sicht schwer vorstellbar. Zumal am Kurhaus auch ohne zusätzliches Fahrradparkhaus schon 150 neue Stellplätze angedacht seien.

Ähnlich argumentierte CDU-Stadtverordneter Oliver Junker. Er warnte, dass solch ein Vorhaben teuer würde und plädierte dafür, abzuwarten. Sollte sich herausstellen, das die geplanten Stellplätze nicht ausreichen, könne man immer noch nachsteuern.

In der anschließenden Abstimmung stimmte nur die SPD für ihren Antrag, die restlichen Fraktionen votierten dagegen.

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