EXTRAPROGRAMM

200 000 Euro Zuschussbedarf

Die Verantwortlichen des Bad Vilbeler Theatersommers blicken auf eine unerwartet turbulente Saison in der Wasserburg zurück. Dennoch sind sie zufrieden. Zwei rasante Eigeninszenierungen haben für Schwung im kurzen Theatersommer gesorgt. Es gibt auch schon Ideen, wie die Burgfestspiele 2021 aussehen könnten, wenn Corona immer noch ein Thema ist.

Es ist eine unerwartet kurze, aber eine außergewöhnliche Theatersaison in diesem Sommer in der Wasserburg gewesen. Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr und Intendant Claus-Günther Kunzmann ziehen eine positive Schlussbilanz des Theatersommers, der anstelle der traditionellen Burgfestspiele stattgefunden hat. Gemeinsam mit den Dramaturginnen und PR-Frauen Ruth Schröfel und Angelika Zwack sowie Claudia Carda-Döring, zuständig für Marketing und Fundraising, werfen sie einen Blick zurück auf "diese besondere Saison".

Die dauerte gerade einmal vom 6. Juli bis zum 13. September. "Wir haben 9000 Karten für die 47 Vorstellungen verkauft. 26-mal wurde "Ladies Night" und 21-mal "Mondlicht und Magnolien" aufgeführt. Durchschnittlich sahen 187 Besucher "Ladies’ Night" und 127 Zuschauer "Mondlicht und Magnolien", informiert Intendant Kunzmann.

Kämmerer Stöhr sagte, dass Einnahmen in Höhe von 300 000 Euro generiert wurden. Sie setzen sich aus den Eintrittsgeldern, 70 000 Euro Zuschuss vom Land Hessen, 15 000 Euro Förderung vom Kulturfonds Hessen sowie Spenden von Sponsoren und Partnerfirmen zusammen. "Der Zuschussbedarf liegt bei 200 000 Euro. Der Etat beläuft sich auf rund eine halbe Million Euro." Eine Möglichkeit, um noch an Geld zu kommen, sei der vom Land Hessen eingerichtete Rettungsschirm für Festivals. "Auch wenn wir nichts tun, entstehen Kosten", erklärt Kunzmann.

Info in Staatskanzlei wird Türöffner

Dabei sah Anfang des Jahres alles nach einer regulären Spielzeit aus. "Noch bis in den März hinein haben wir die 34. Spielzeit der Burgfestspiele vorbereitet." Dann traf die Corona-Krise mit voller Härte den Kulturbetrieb. Zeitnah fiel die Entscheidung, das Programm auf die Saison 2021 zu verschieben. Damit drohte den Bürgern der Quellenstadt nicht nur ein Sommer ohne Hessentag, sondern auch einer ohne Festspielbetrieb.

Die Wende läutete der Besuch von Bürgermeister Dr. Stöhr und Kulturamtsleiter Kunzmann in der Hessischen Staatskanzlei am 18. Juni zwecks Rückgabe der Hessentagsfahne ein. In Wiesbaden hörte das Duo, dass die Anzahl von Besuchern bei Veranstaltungen von 100 auf 250 erhöht werde. "Diese Information war der Türöffner. Wir haben uns abends noch mit Regisseur Christian H. Voss getroffen", sagt Kunzmann. Mit 250 Besuchern pro Aufführung konnte die Stadt das Veranstaltungsrisiko wagen.

"Wichtig war uns, dass wir den Besuchern die Burghofstruktur mit Bühne, Gastronomie und Ambiente bieten konnten", sagt der Intendant. Innerhalb von drei Wochen Probenzeit wurden mit den Komödien "Ladies Night" und "Mondlicht und Magnolien" zwei Eigeninszenierungen zur Premiere gebracht. Darsteller aus dem in Kurzarbeit befindlichen Ensemble konnten schnell aktiviert und den Regisseuren Christian H. Voss und Ulrich Cyran zur Verfügung gestellt werden.

"Ladies Night" ist ein Stück das läuft", erklärt der Intendant. Zudem konnten die Pläne für das Bühnenbild von Nikolaus Porz aus der Schublade gezogen werden. Für "Mondlicht und Magnolien" mussten die Pläne erst erstellt werden. Bei "Ladies Night" wurde die Anzahl der Schauspieler von acht auf fünf Personen reduziert. Bei der ersten Probe gab es noch kein Manuskript für das Ensemble.

Zuschauerschwund am Regentag

Für das Team gab es zeitgleich zur Spielplanerstellung, den Proben und dem Tribünenbau viel Organisatorisches zu erledigen. Angefangen von Werbung, Ticketverkauf, Bestuhlung mit Abstand im Burghof und durch Scheiben getrennt auf der Tribüne, über das Abstands- und Hygienekonzept mit Mund-Nasen-Bedeckung und Desinfektion bis zum Toilettenzugang mit Ampelschaltung, Zählsystem und neun Meter langem Vorzelt.

Das Publikum der Festspiele freute sich über den Kulturbetrieb und dankte den Machern. Die Zuschauer seien aus einem etwa 40 Kilometer großen Einzugsgebiet rund um Bad Vilbel gekommen. Rund 25 Prozent der Besucher seien aus der Quellenstadt gekommen. Mit nur einem Regentag konnten fast alle Vorstellungen bei bestem Wetter gespielt werden. Am Regentag hätte es nach der Pause einen zehnprozentigen Zuschauerschwund gegeben, da es in diesem Sommer keine überdachte Tribüne gab. Ein Wermutstropfen des kurzen Theatersommers: Es hat kein Programm für Kinder ab fünf Jahre angeboten werden können.

Ungewiss ist weiter, wie die Bedingungen für die 35. Spielzeit im kommenden Jahr aussehen werden. Karten sind jedenfalls schon seit drei Monaten erhältlich. Der Intendant hat aber eine Idee und einen Wunsch wie es unter Corona-Bedingungen sein könnte: Um mehr Besucher in die Burg zu holen, könne man die Gastronomieplätze mit der regulären Bestuhlung koppeln. Auch wäre es eine große Hilfe, wenn sich die Bundesregierung an der Ein-Meter-Abstandsregel in Theatern in Österreich orientieren würde.

Als "Zuschlag" bieten die Burgfestspiele am Freitag, 18. September, ab 19 Uhr, noch einen Gastauftritt der Barrelhouse Jazzband. Bandleader Reimer von Essen führt mit Anekdoten und Informationen durch das zweieinhalbstündige Programm mit Musik vom Mississippi, kreolischen Beats aus der Karibik und swingenden Hits aus Harlem. Tickets für 19 Euro sind im Bad Vilbeler Kartenbüro, Klaus-Havenstein-Weg 1, Telefon 0 61 01/55 94 55 oder online über www.kultur-bad-vilbel.de sowie bei frankfurtticket.de erhältlich. cf

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