Die an der Nidda ausgewilderten Sumpfschildkröten sind zuvor im Frankfurter Zoo gezüchtet worden. Sie sollen sich nun wieder an der Nidda ausbreiten. Marder und Waschbären stellen einen Gefahr für die Tiere dar. 
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Die an der Nidda ausgewilderten Sumpfschildkröten sind zuvor im Frankfurter Zoo gezüchtet worden. Sie sollen sich nun wieder an der Nidda ausbreiten. Marder und Waschbären stellen einen Gefahr für die Tiere dar. 

Wiederansiedlung

Bad Vilbel: Europäische Sumpfschildkröte ist zurück an der Nidda 

  • vonNiklas Mag
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Die europäische Sumpfschildkröte ist - mit etwas Hilfe - an die Nidda zurückgekehrt. Eine erfreuliche Nachricht, würde nicht der Mensch dieser Tage Probleme machen.

An dieser Stelle zwischen Dortelweil und Gronau steht Gewässerökologe Gottfried Lehr besonders gern. Denn eine grüne Insel teilt die Nidda hier kurzzeitig in zwei verschiedene Läufe. Der eine renaturiert, der andere Teil nicht. "Da sieht man, wie die Nidda sich auf natürliche Weise ihren Weg bahnen kann. Ein völlig anderes Bild", findet Lehr, der die Nidda-Renaturierung maßgeblich mit geplant und durchgeführt hat. Und mittlerweile hat der Fluss auch neue Bewohner.

Gottfried Lehr ist froh über die zurückkehrende Artenvielfalt.

"Die Sumpfschildkröten fühlen sich an den Ufern der Nidda besonders wohl. Auf den Kiesbänken, können sie sich wärmen, sitzen aber auch auf Steinen oder Holz", sagt Lehr. Dabei muss sich die Art gegen andere Schildkrötenarten durchsetzen, die in der Vergangenheit vom Mensch an der Nidda ausgesetzt wurden und nun eine Konkurrenz bilden. Auch mit Mardern und Waschbären haben die Tiere zu kämpfen. "Das Problem ist, dass es ewig dauert, bis Sumpfschildkröten geschlechtsreif werden. Die Zeit, bis es nun genug Jungtiere gibt, ist eine kritische Phase", weiß der Nidda-Experte. Die Tiere seien planmäßig vor einigen Wochen ausgewildert worden, nachdem sie im Exotarium des Frankfurter Zoos hochgepeppelt wurden.

Sumpfschildkröte an der Nidda: In der Wetterau komplett verschwunden

Schon während den Planungen des Abschnitts hätte sich gezeigt, sagt Lehr weiter, dass das Gebiet ein perfekter Lebensraum für die nahezu ausgerottete aber ursprünglich hier heimische Schildkrötenart werden könnte. "In der Wetterau war die Sumpfschildkröte komplett verschwunden." Damit gehört die Sumpfschildkröte nun zu mehreren Tierarten, die durch die Renaturierung der Nidda einen neuen Lebensraum erhalten haben. Fische, Vögel und sogar der Biber ist zurück (diese Zeitung berichtete).

Die Nidda ist ein idealer Ort, um die Schildkröten wiederanzusiedeln.

"Die Natur findet immer wieder ihr Gleichgewicht, wenn die Voraussetzungen stimmen", erläutert Gottfried Lehr. Wenn eine Vogelart zu viel fische, würden einige der Vögel verhungern oder verschwinden. "Um es mal einfach zu illustrieren."

Sumpfschildkröte an der Nidda: Kanufahrer sind gefährlich für Fische

Was dieses Gleichgewicht derzeit jedoch stört ist der von dem Coronavirus aus den Städten vertriebene Mensch. "Der Verkehr an der Nidda hat mit der Pandemie ganz stark zugenommen und Hinz und Kunz trampeln jetzt auf den Wiesen herum", bedauert Lehr. "Das sind momentan so viele Leute, dass es sich um eine lineare und nachhaltige Störung handelt." Nicht umsonst sei an vielen Abschnitten der Nidda rund um und in Bad Vilbel das Kanufahren verboten. Lehr deutet auf eine besonders seichte Stelle im Wasser. "Das Wasser ist dort nur Zentimeter tief. Die Barben nutzen das als Laichplätze. Wenn man genau hinschaut sieht man, wie viel da unter Wasser los ist."

Fährt nun eine Gruppe Kanufahrer über diese Sandbank hinweg, wird es für Fische und die Eier gefährlich. "Gerade die Kanufahrer sind aktuell fatal. An der Nidda gibt es außerdem spezielle Zugänge und Erholungsplätze für Menschen, die bitte genutzt werden sollen."

Sumpfschildkröte an der Nidda: Das Tier wurde früher häufig gegessen 

Wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) informiert, ist die Sumpfschildkröte in der Vergangenheit häufig auf Tellern gelandet. Denn gerade als Fastenspeise und Delikatesse bei Hofe, war die Schildkröte gerne gesehen. Die Weibchen der Art suchen jeden Frühsommer nach dem perfekten Ablageort für die Eier und laufen dafür mehrere Kilometer. Der Ablageort müsse sonnig sein und geeigneten Boden haben, damit sich die Jungtiere problemlos an die Oberfläche buddeln können. Die Schildkröten legen große Fettreserven für den Winter an und können mehr als 100 Jahre alt werden. Der BUND bezeichnet die Schildkrötenart als "bedroht". 

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