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Wie erwartet Wysocki

Bad Vilbel (pe). Die seit einigen Wochen verwaiste Stelle des Ersten Stadtrats in Bad Vilbel wird am Freitag wieder besetzt. Mit dem CDU-Politiker Sebastian Wysocki, der im Stadtparlament nicht nur von der Koalition aus CDU und FDP, gewählt wurde.

Genau in dem Moment, als Stadtverordnetenvorsteher Herbert Anders die Zahl der Ja-Stimmen für den neuen Ersten Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) nennt, brandet Beifall auf. 26 Stimmen hat der 31-jährige Politikwissenschaftler erhalten – mehr, als Koalitionsabgeordnete von CDU und FDP anwesend sind. Das ist denn auch die einzige Überraschung in diesem Moment. Denn dass der Gronauer neuer hauptamtlicher Stadtrat wird, war von vornherein klar.

»Wir hatten ihn gebeten, sich zu bewerben«, hat die CDU-Fraktionsvorsitzende Irene Utter noch am Nachmittag vor der Parlamentssitzung gegenüber der WZ gesagt. Die Bewerbung hat Wysocki eingereicht beim sogenannten Wahlvorbereitungsausschuss. Das ist ein von der Hessischen Gemeindeordnung vorgeschriebenes Gremium, das den oder die Kandidaten sichtet und anschließend einen von ihnen den Stadtverordneten zur Wahl vorschlägt. Doch in der Politik gelten andere Gesetze: Man tut den formalen Anforderungen Genüge, hat aber längst einen aus den eigenen Reihen auserkoren.

SPD zweifelt an Eignung

Es ist demzufolge keine Überraschung mehr, dass der Vorsitzende des Wahlvorbereitungsausschusses, der CDU-Politiker Karl Peter Schäfer, zu Beginn dieses Tagesordnungspunktes den Namen Wysocki als den Kandidaten nennt, den das Gremium dem Parlament zur Wahl vorschlage. Es seien insgesamt drei Bewerbungen eingegangen, sagt Schäfer noch. Und: Es sei aus den Reihen des Gremiums kein Antrag zur Vorstellung der Bewerber gestellt worden. Angesichts der Koalitionsmehrheit auch im Wahlvorbereitungsausschuss ist die Personalie Wysocki also dort glatt durchgegangen.

Die Entscheidung für einen Generationswechsel an der Seite des Bürgermeisters hat die CDU bereits Anfang des Jahres getroffen. Als die Spitze der Partei im Januar zu einer Pressekonferenz zum Auftakt des Wahlkampfes lud, konnte man Wysocki bereits neben Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr auf einem der Wahlplakate sehen. Der Parteivorsitzende Tobias Utter sagte, man verstehe seine Aufstellung auch als »Signal« für die Besetzung der hauptamtlichen Stelle.

Fünf Monate später steht der Name nun offiziell als Vorschlag im Raum, der Stadtverordnetenvorsteher fragt, wer dazu etwas sagen wolle. Fünf Redner sind es, die sachlich ihre Argumente vortragen. SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Kühl begründet das Nein seiner Fraktion damit, dass man Zweifel habe, ob der Kandidat die notwendigen Qualifikationen mitbringe. Ein Hochschulabschluss sei nicht das Wichtigste, sondern in diesem Amt zählten auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Führungsqualitäten und mehr. Kühl versichert jedoch, dies sei nur eine politische Entscheidung, persönlich kenne er Wysocki schon lange, schätze ihn auch sehr. Namens seiner Fraktion bietet Kühl dennoch eine »gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit« an.

Von den Freien Wählern melden sich zwei Redner zu Wort. Raimo Biere sieht ein »scheindemokratisches Verfahren« bei der Kandidatenfindung. Da das eine politische Entscheidung sei, werde er dem CDU-Kandidaten seine Stimme verweigern. Ganz anders Martin Gecks: Die Freien Wähler nennen sich auch deshalb freie, weil es hier »keinen Parteizwang« gebe. Er werde Wysocki wählen, weil er es für eine gute Idee halte, dass ein junger Mann eine Chance erhalte.

CDU-Fraktionschefin Irene Utter wiederholt, man habe Wysocki gebeten, für diesen Posten zu kandidieren. Er sei ein »echter Vilbeler Bub« und verfüge über langjährige kommunalpolitische Tätigkeit. Und FDP-Vorsitzender Jörg-Uwe Hahn betont, er habe Wysocki auch in fachlichen Sitzungen nie unvorbereitet erlebt. Der Liberale erinnert an die Vergangenheit, als er fragt: »Wie alt war Herr Frank, als er hier gewählt wurde? Und Klaus Minkel war auch nicht älter, als er als Stadtrat gewählt wurde.«

In geheimer Abstimmung kreuzen schließlich 26 Stadtverordnete auf dem Wahlzettel den CDU-Politiker an. Erst nach der Gratulationscour kommt Herbert Anders dazu, die Zahl der Neinstimmen zu verkünden: Es sind 15, zwei Stadtverordnete haben sich enthalten. Zum Schluss wird Sebastian Wysocki vereidigt und erhält seine Urkunde. Datum des Dienstbeginns: 1. Juli.

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