Flüchtlingsheime

Erschreckende Zustände in Flüchtlingsheimen

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Müll, Vandalismus, Hygienemängel und illegale Besucher – die Zustände in den Bad Vilbeler Flüchtlingsunterkünften sind erschreckend. Jetzt spricht Koordinatorin Susanne Förster.

Im August hatte die SPD-Fraktion beantragt, "die Situation von Flüchtlingen in Bad Vilbel im Sozialausschuss vorzustellen". Eigentlich sollten dabei die Vertreter des Vereins "Flüchtlingshilfe – Willkommen in Bad Vilbel" von ihren Erfahrungen berichten. Doch die CDU/FDP-Mehrheit sagte nein, nur die städtische Flüchtlingskoordinatorin sollte einen Bericht vorlegen.

Das hat sie jetzt getan, und zwar so umfassend und schonungslos, dass die SPD-Stadtverordnete Tanja Tahmassebi-Hack nach eigenen Angaben schockiert war. Denn Förster zeigte auf, mit welchen Problemen die haupt- und ehrenamtlichen Helfer in den bald 19 Unterkünften konfrontiert sind. Man erlebe Hoffnungen, Erwartungen und Dankbarkeit, aber auch Respektlosigkeit, Ignoranz, Unverständnis und Missachtungen. Täglich sei man mit diversen Problemen befasst: Mit jeder Menge Müll, mit Vandalismus, "auch, aber nicht immer durch Unwissenheit". Ebenso mit Hygienemängeln, die Menschen kämen aus fremden Kulturen und hätten ein anderes Verständnis von Hygiene, oft sei es auch nur Unwissenheit. Es gebe zudem Schimmelprobleme durch mangelhaftes Lüften, aber auch durch Kleidung, die über die Heizkörper gelegt werde. Dies sei ein Problem, mit denen Menschen aus Afrika überhaupt keine Erfahrung haben könnten. Nicht selten würden die Notrufe missbraucht, was Einsätze der Feuerwehr zur Folge hätte, die Hausordnung werde missachtet, es gebe illegale Besucher oder "plötzliche Zuzüge von Familienangehörigen". Dritten Hausmeister eingestellt Auch Schädlinge seien ein Problem. "Einmal mussten wir eine Unterkunft vollständig räumen lassen und das Gesundheitsamt hinzuziehen." Zurzeit gebe es zwei Hausmeister, eine dritte Hausmeisterstelle werde demnächst besetzt, leitete sie dazu über, wie viele Menschen mit den insgesamt 436 Geflüchteten befasst seien, die in den Vilbeler Unterkünften leben. Zudem seien fünf Sozialpädagogen des Regionale Dienstleistungen Wetterau (RDW) im Einsatz, ebenso eine Sozialarbeiterin des Flüchtlingshilfevereins, finanziert durch die Stadt aus den freiwilligen Leistungen des Kreises. Förster dankte ausdrücklich den ehrenamtlichen Helfern des Flüchtlingshilfevereins. Der stelle alleine 40 Hauspaten, darüber hinaus Deutschlehrer, Dolmetscher, Organisatoren für Freizeitangebote und Integrationsmaßnahmen sowie Rechtsberatung. Kritik am Wetteraukreis Mit dem RDW des Kreises sei vieles geregelt, praktisch sei es aber nur ein Bruchteil der tatsächlichen Aufgaben. Der Zeitaufwand sei enorm, das Engagement bei den Kollegen sehr groß. Es gebe regelmäßigen Austausch mit der Stadt, aber die Situation in den Unterkünften erfordere oft sofortigen Handlungsbedarf. "Alleine die Umsetzung von Umverteilungsmaßnahmen bedeuten einen fast täglichen Aufwand, der mit einem hohen Verwaltungsaufkommen zu bewältigen ist."

Kritik übte die stellvertretende Fachdienstleiterin auch am Wetteraukreis. Auf die Praxis werde wenig geschaut, Bürokratie beherrsche die Vorgaben. Für die Geflüchteten selbst sei das oft "eine echte Katastrophe", und ohne Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer nicht zu bewältigen. Gelder flössen unregelmäßig und unvollständig. "Die tatsächlichen Ausgaben interessierten dabei wenig bis gar nicht." Der Kreis zahle der Stadt eine Pauschale von 8,10 Euro pro Tag und Flüchtling plus 45 Euro freiwillige Leistung pro Flüchtling und Monat. Das mache umgerechnet 9,60 Euro pro Flüchtling und Tag, tatsächlich entstünden der Stadt aber "ohne Personalkosten" 13 Euro pro Flüchtling pro Tag. Auch Erfolgserlebnisse Ausschussvorsitzender Herbert Anders dankte für den "sehr engagierten" Vortrag, Kathrin Anders (Grüne) sprach von einem "ernüchternden Vortrag". SPD-Stadtverordneter Michael Wolf fand es "schade, dass Sie keine Erfolgserlebnisse berichtet haben". Förster antwortete, die gebe es auch dank des großen Engagements des Flüchtlingshilfevereins. "Es ist doch schön, wenn jemand, der vor vier Jahren hierhergekommen ist, sich nun mit mir so unterhalten kann, wie wir das hier tun."

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Keine Wohnungen für Migranten

Anerkannte Flüchtlinge finden keine Wohnungen. Darauf hat jetzt Koordinatorin Susanne Förster aufmerksam gemacht. So hätten 170 der 436 Personen in den Unterkünften einen Bleibestatus. Sie müssten aber dort weiter leben, weil die Bereitschaft aus der Bevölkerung, an anerkannte Geflüchtete zu vermieten, "nicht besonders groß ist". Zudem liege die Mietobergrenze bei einer vierköpfigen Familie bei 520 Euro kalt, für Einzelpersonen bei 360 Euro.

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