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1992 holte Gerhard Stengel nach der Tschernobyl-Katastrophe 150 Kinder nach Bad Vilbel. Erinnerungen daran hat der Vilbeler Ehrenstadtbrandinspektor in vielen Fotoalben, auf Plakaten und in Textform festgehalten.

Nach Tschernoby-Katastrophe

Erinnerungen an große Vilbeler Hilfsbereitschaft

  • VonNiklas Mag
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Vor 35 Jahren ereignete sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Hilfe kam in der Folgezeit auch aus Bad Vilbel: Gerhard Stengel organisierte 1992 eine Abholaktion für ukrainische Kinder.

Bad Vilbel (nma). 1991 erreichte die Feuerwehr in Frankfurt ein Fax der Feuerwehr Kiew, das die Not der Menschen rund um den Tschernobyl-Reaktor selbst fünf Jahre nach der Katastrophe beschrieb. Stengel, damals bereits Führungskraft bei der Frankfurter Feuerwehr, für die er seit 1967 tätig war und Stadtbrandinspektor in Bad Vilbel, bekam dieses ebenfalls in die Hände. Für den Vilbeler war klar: Hier muss etwas unternommen werden.

Erinnerungen in Fotoalben

»Ich habe mich an die Lokalpresse in Bad Vilbel gewandt, die das ganze Thema großartig aufbereitet hat. Daraufhin meldete sich der Ausbilder der Lufthansa, Herr Olthoff, bei mir und erklärte, er will ebenfalls helfen«, beschreibt Stengel. Es sind wichtige Erinnerungen die der Vilbeler Ehrenstadtbrandinspektor in vielen Fotoalben, auf Plakaten und in Textform festgehalten hat. »Die Lufthansa bot an, 150 Kinder aus der Ukraine nach Deutschland zu fliegen.« Es musste schnell gehen, weshalb Stengel die Presse einschaltete, um nach Gastfamilien zu suchen, die bereit waren, Kinder aus der Ukraine, die von der Katastrophe betroffen waren, für drei Wochen aufzunehmen und zu betreuen. »Und die Rückmeldungen waren toll. Familien aus dem gesamten Vilbeler Umland bis nach Hanau meldeten sich und erklärten sich bereit, Kinder aufzunehmen.«

Gäste wurden auch medizinisch versorgt

Mit einer kleinen Delegation reiste Stengel 1992 nach Kiew, um die Kinder abzuholen. »Wir wurden dort sehr herzlich empfangen, aber wir durften den Flughafen nicht verlassen«, erinnert sich Stengel. »Es gab ein tolles Essen, der Oberst dort hat großartig gesungen und dann ging es für uns alle auch schon wieder zurück.« Stengel breitet viele Fotos auf dem Tisch aus. Einige zeigen die große Gruppe Kinder vor der Lufthansa-Maschine in Kiew. Andere zeigen Gerhard Stengels Garten voller Kinder, Angehörigen der Gastfamilien und Übersetzern. »Wir haben mit den Kindern Ausflüge geplant. Wir waren im Zoo, bei der Feuerwehr Frankfurt und natürlich wurden die Kinder auch medizinisch versorgt«, erinnert er sich. Auch mehrere Ärtze aus Bad Vilbel und Karben und die Uniklinik waren beteiligt. »Diese Kinder sind damals aufgeblüht als sie hier waren, das war wirklich toll«, erinnert sich Stengel.

Hilfe kam durchgehend von den Vilbeler Feuerwehren sowie den Wehren aus Sachsenhausen, Oberrad, Nied, Höchst und Hanau. »Außerdem erreichten uns viele Spenden aus der gesamten Region. Sogar eine Dampferfahrt konnten wir mit den Kindern machen.« Während die 150 Kinder in der Quellenstadt sich ein wenig von den Problemen in ihrer Heimat erholen konnten, organisierte Gerhard Stengel weitere Hilfen. Insgesamt 400 Tonnen Lebensmittel, Medikamente, medizinische Geräte und Intensivbetten wurden von der Quellenstadt in die Ukraine transportiert. »Hassia, Hessenquelle und die Fahrschule der Berufsfeuerwehr waren unter anderem dabei und haben die Lastwagen gesponsert.«

Über zwölf Jahre kamen jährlich Kinder aus der Ukraine nach Bad Vilbel und Frankfurt. »Die Tschernobyl-Katastrophe ist jetzt 35 Jahre her. Das möchte ich nutzen, um allen Beteiligten, ob Firmen, Ärzten, Städten, Spendern oder Gastfamilien noch einmal herzlich zu danken.« nma

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