1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Bad Vilbel

Oft bei Erbstreitigkeiten gefragt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bewertungsexperten des Gutachterausschusses (v. l.): der scheidende Werner Groß, 

Silke Degenhardt-Undt, Knut Hitzel, Nicola Dekorsy-Maibaum und Thorsten Finn.
Bewertungsexperten des Gutachterausschusses (v. l.): der scheidende Werner Groß, Silke Degenhardt-Undt, Knut Hitzel, Nicola Dekorsy-Maibaum und Thorsten Finn. © Christine Fauerbach

Bad Vilbel (cf). Was ist ein Grundstück oder ein Gebäude wert? Wenn Kommunen oder Privatleute etwa bei Erbangelegenheiten dies von einem unabhängigen Gremium ermitteln lassen wollen, können sie sich an den Gutachterausschuss des Wetteraukreises wenden.

Drei neue Immobilienkaufleute – zwei aus Bad Vilbel, einer aus Heldenbergen – verstärken diesen jetzt. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Ermittlung von Bodenrichtwerten und die Erstellung von Immobilienmarktberichten. Dem Gutachterausschuss des Wetteraukreises gehören 20 Bewertungsexperten an. Zu ihnen gehört der ehemalige Bad Vilbeler Stadtrat und heute selbstständige Stadtplaner Dieter Peters sowie bis Anfang des Jahres der Vilbeler Werner Groß. Im Januar feierte Groß seinen 68. Geburtstag und erreichte das Höchstalter für Gutachter. Nach sieben Jahren scheidet er damit als Bewertungsexperte beim Gutachterausschuss des Wetteraukreises und nach 24 Jahren als Mitglied im Gutachterausschuss für Immobilienwerte in Frankfurt aus.

»Der Gutachterausschuss setzt sich bisher aus Vermessungsfachleuten, Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern, Bauingenieuren sowie landwirtschaftlichen Sachverständigen zusammen«, informiert die Vorsitzende des Wetterauer Gutachterausschusses, Diplom-Ingenieurin Nicola Dekorsy-Maibaum.

Zeitgleich mit dem Ausscheiden von Groß, der als pensionierter stellvertretender Amtsleiter und Leiter der Abteilung »Vermessung« des Amtes für Bodenmanagement Büdingen bestens für die Gutachtertätigkeit geeignet war, wurden drei neue Bewertungsspezialisten bestellt. »Bei den drei neuen Experten handelt es sich um Immobilienkaufleute, die bisher im Gutachterausschuss fehlten«, freut sich die Leiterin. Neu in der Gruppe ist Diplom-Betriebswirtin Silke Degenhardt-Undt, eine selbstständig tätige, öffentlich bestellte und vereidigte Bewertungssachverständige. Der zweite Neue im Team ist Dipl.-Ing. Thorsten Finn, der als Direktor bei einem internationalen Immobilienberatungsunternehmen in Frankfurt zuständig für Bewertungen ist. Beide wohnen auf dem Heilsberg. Dritter im Bunde der neuen Gutachter ist Dipl.-Immobilienfachwirt Knut Hitzel aus Heldenbergen, der bei einer überregionalen Frankfurter Bank im Bereich Bewertungen beschäftigt ist.

»Aufgabe des beim Amt für Bodenmanagement Büdingen angesiedelten Ausschusses ist es, im Auftrag von Städten und Gemeinden, Behörden und Privatleuten den Verkehrswert von bebauten sowie unbebauten Grundstücken, Erbbaurechten und sonstigen Rechten an Grundstücken zu ermitteln«, informiert die Vorsitzende am Rande einer Sitzung im Bad Vilbeler Rathaus. Der Ausschuss erstellt auch Gutachten über die Höhe der Entschädigung bei Enteignungen, sonstiger Miet- und Pachtwerte sowie bei Bodenordnungs-, Entwicklungs- und Sanierungsmaßnahmen.

Auch einen Steinbruch geschätzt

Die Daten ermitteln die Bewertungsexperten aus der »Kaufpreissammlung«, für die jeder Notar eine Kaufvertragskopie an den Gutachterausschuss senden muss. Die Kaufverträge werten die sechs Mitarbeiter in der Geschäftsstelle Büdingen bezüglich werte-relevanter Daten mit der Feststellung des Markt- oder Verkehrswertes aus.

Die Bodenrichtwerte werden im Zweijahresturnus ermittelt. Aus ihnen leiten die Mitarbeiter Faktoren zur Wertermittlung ab. »Diese Informationen fließen in den Immobilienmarktbericht ein, der zur Transparenz auf dem Immobilienmarkt beiträgt«, sagt Dekorsy-Maibaum. Nach der internen Vorbereitung besichtigen drei Gutachter das entsprechende Objekt oder Grundstück. Die Bewertung im Wetteraukreis ist aufgrund extrem unterschiedlicher Immobilienpreise keine leichte Aufgabe. Die Bandbreite bei erschlossenen Bauplätzen für Einfamilienhäuser reicht von 40 Euro pro Quadratmeter am Rande des Vogelsberges bis zu 650 Euro in Bad Vilbel. Auch die Bewertung vom einfachen Siedlungshäuschen bis hin zu Spezial-immobilien, vom Uraltbauernhaus mit halbverfallener Scheune, die teils unter Denkmal- und Ensembleschutz stehen, bis zum Luxus-Einfamilienhaus kann eine Herausforderung sein. »Ich war in der Wetterau unter anderem bei Bewertungsobjekten wie einem Steinbruch, einem Karpfenteich, einem Reiterhof und einem Hotel beteiligt«, berichtet Groß. Die Kriterien für eine gerechte Bewertung zu finden ist meist nicht einfach. Groß sah oft auch, wie Menschen ihr Eigentum vernachlässigen.

»Es gibt nichts, was es nicht gibt.« Kommen Aufträge von privater Seite, handele es sich häufig um Erbstreitigkeiten oder Ehescheidungen. Da könne es schon mal passieren, dass der Streit sich auf die Arbeit als Gutachter durchschlage, indem der Zutritt verwehrt wird, Baumängel an den Haaren herbeigezogen werden oder die streitenden Parteien sich lautstarke Auseinandersetzungen liefern.

Auch interessant

Kommentare