Brexit-Abstimmung

England-Fans in Bad Vilbel: So sieht der Partnerschaftsverein den Brexit-Deal

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Wenn die Briten über den Brexit-Deal abstimmen, schaut man in Bad Vilbel gespannt hin – auch angesichtes der Partnerstadt auf der Insel. Darüber spricht Jochen Wilbert vom Partnerschaftsverein im Interview.

Wenn das britische Unterhaus am heutigen Dienstag über den Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May abstimmt, blicken auch Bad Vilbeler gespannt nach London. Allen voran die 100 Mitglieder des Vereins, der die seit 31 Jahren bestehende Städtepartnerschaft mit Glossop betreibt. Mit Vereinsvorsitzendem Jochen Wilbert (58) spricht unser Redakteur Dennis Pfeiffer-Goldmann über die Gefühlslage eines England-Fans an diesem so entscheidenden Tag.

Mit welchem Ergebnis rechnen Sie bei der Brexit-Deal-Abstimmung im Londoner Unterhaus, Herr Wilbert?

Jochen Wilbert : Ich denke, der Deal wird eher nicht durchgehen und es wird eine neue Runde geben. Aber das ist aus Sicht des Partnerschaftsvereins für die Freundschaft mit unseren Gastgebern in Glossop auch weniger erheblich. Für uns ist wichtig: Der Wille zur partnerschaftlichen Begegnung ist unverändert da.

Wie äußert sich das?

Wilbert: Das haben wir 2017 zum letzten Mal gesehen, als wir in England waren, und beim Gegenbesuch 2018 bei uns: Jedes Mal sind von der Politik mehrere Persönlichkeiten dabei, bei uns zum Beispiel immer Bürgermeister Thomas Stöhr. Und die Unterstützung für uns ist breit, von der Sparkasse Oberhessen bis zur Staatskanzlei.

Hat es denn auf der britischen Seite Veränderungen gegeben?

Wilbert: Nein. Dort kommen die Mayor (vergleichbar mit Landrat, Anmerkung der Redaktion) immer wieder zu den Begrüßungen, auch zum Besuch nach Bad Vilbel. Auch einzelne Parlamentarier sind dort Mitglieder im Partnerschaftsverein. Der Wille ist da. Aber es gibt auch dort im Verein Mitglieder, die Freundschaften nach Bad Vilbel pflegen und für den Brexit sind.

Wie passt das zusammen?

Wilbert: Das geht einfach. Damit müssen sich die Menschen in England auseinandersetzen. Wir haben kein Problem damit. Und es ist eben so, wenn jemand möchte, dass Großbritannien künftig auf eigene Rechnung arbeitet.

Ist die Partnerschaftsarbeit durch die Brexit-Debatte politischer geworden?

Wilbert: Nein. Das war sie vorher nicht, und das ist sie auch jetzt nicht. Es sind zwar auf beiden Seiten auch Akteure dabei, die auch in politischen Gremien tätig sind. Aber das hat mit der Partnerschaftsarbeit gar nichts zu tun.

Wie intensiv unterhalten Sie sich denn innerhalb der Partnerschaftsarbeit über den Brexit?

Wilbert: Es kommt immer wieder vor, dass man sich über das Thema unterhält – auch wenn das Programm während der Besuche oft relativ straff ist. Es liegt aber daran, wie sich jeder Einzelne dazu positioniert.

Wie stehen Sie dazu?

Wilbert: Ich persönlich halte den Brexit für nicht unbedingt positiv. Mit ihm werden beide Seiten eher verlieren – der Austretende wie auch die Europäische Union. Aber da gibt es gerade in Britannien auch Menschen, die der Meinung sind, dass es eben anders ist. Leider!

Welchen Einfluss kann ein Brexit auf die Partnerschaftsarbeit zwischen Glossop und Bad Vilbel haben?

Wilbert: Sie wird noch wichtiger. Als der Partnerschaftsverein gegründet wurde, waren die vertraglichen Bindungen zum UK nicht so stark, wie sie in der letzten Zeit gewachsen sind durch das stärkere Engagement der EU. Es wird dann um so wichtiger, solche Vereine wie unseren zu unterhalten, um auch den Kontakt zu halten und eine Idee zu bekommen, was die Menschen in Britannien bewegt. 

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