Chorprobe des Liederzweigs Dortelweil in Corona-Zeiten: Ausreichend Abstand und Mund-Nasen-Schutz sind trotz der Open-Air-Probe Pflicht. 	FOTOS: JANA KÖTTER
+
Chorprobe des Liederzweigs Dortelweil in Corona-Zeiten: Ausreichend Abstand und Mund-Nasen-Schutz sind trotz der Open-Air-Probe Pflicht. FOTOS: JANA KÖTTER

Endlich wieder Nahrung für die Seele

Viele Chöre sind während der Corona-Pandemie verstummt - und bleiben es noch immer. Nicht so der Liederzweig Dortelweil: Mit allerhand Aufwand hat der Vorstand hier das Singen wieder möglich gemacht. Ein Besuch in einer außergewöhnlichen Probe.

Schwer bepackt trudeln die Sängerinnen und Sänger am Dortelweiler Sportplatz ein. Der Mundschutz ist bereits aufgesetzt, die Liedermappe unter dem einen Arm, der eigene Stuhl unter dem anderen. Pfeile auf dem Boden weisen den Weg: erst zum Waschbecken, dann noch einmal zur Desinfektion sowie zum Eintragen in die Namensliste. Weitere Kreidemarkierungen am Boden zeigen an, wo die Stühle - nun hinter dem Absperrband - platziert werden dürfen: in 1,50 Meter Abstand zu allen anderen. Liederzweig-Vorsitzender Michael Munck macht noch schnell den »Fotobeweis«: eine Aufnahme, um nachvollziehen zu können, wer an dem Abend wo platziert war, und »schon« ertönen nach dem aufwändigen Start die ersten Töne. »Singen macht Spaß, Singen tut gut…« stimmen die Dortelweiler melodisch an.

Sänger können sich nicht gut hören

»Das war zum Auftakt schon gut«, lobt Chorleiterin Carina Konz. »Später können wir es auch mehrstimmig versuchen. Jetzt geht es ja erst einmal darum, wieder reinzukommen.« Tatsächlich ist das »wieder reinkommen« aktuell das größte Ziel des Liederzweigs Dortelweil. Während zahlreiche Chöre weiter auf das Proben verzichten (diese Zeitung berichtete), haben es Munck und sein Team geschafft, einen coronasicheren Probenbetrieb zu organisieren.

»Der Aufwand für den Vorstand ist enorm«, sagt Munck, der selbst im Chor singt. Absperrband, Beschilderung, all das Equipment, das vom üblichen Probenort in der Alten Bürgermeisterei an den Sportplatz zu schaffen ist. Nach dem ersten Abend sei er »fix und fertig« gewesen - mittlerweile habe sich alles ein wenig eingespielt, alle Utensilien seien gepackt, jeder wisse, was zu tun ist. Während einige Arbeiten - beispielsweise das Aufzeichnen der Sitzplätze - eine einmalige Sache waren, bleibt nichtsdestotrotz fortlaufender Aufwand: So fragen die Organisatoren jeweils ab, wer zu den Proben in den Kleingruppen kommt und müssen jedes Mal aufs Neue dokumentieren, wer wann da war - und dass die Teilnahme freiwillig war. Vize-Vorsitzende Andrea Riemel macht an diesem Donnerstag die »Einlasskontrolle«: In einem dicken Ordner, der das gesamte Hygienekonzept listet, sammelt sie die Unterschriften der Teilnehmenden.

Wie wertvoll ihr Engagement ist, zeigt an diesem dritten Probenabend nach der Monate langen Pause auch das Strahlen von Gudrun Diener. Die 82-Jährige ist eine der ältesten Sängerinnen im Chor und nicht zuletzt aufgrund ihres Alters eine Corona-Risikopatientin. Ob sie das Singen wieder aufnehmen soll, sei trotzdem keine Frage gewesen. »Ich singe leidenschaftlich gern«, schwärmt sie. »Singen ist eine Speise für die Seele - ich habe es wirklich vermisst.« So sei es auch vielen anderen gegangen: »Als wir abgefragt haben, wer - auch trotz des teils hohen Alters - zu Proben in Kleingruppen kommen würde, waren viele sehr dankbar und haben sofort zugesagt«, sagt Munck.

Konzert im Oktober noch nicht abgesagt

Genau darum geht es in diesen ersten Proben: das gemeinsame Singen wieder zu genießen. Zu hohe Ansprüche dürfe man noch nicht stellen, weiß Chorleiterin Konz. »Aufgrund des Abstands können sich die Sänger untereinander nicht gut hören, was das gemeinsame Singen erschwert«, erklärt sie.

Gleichzeitig helfe der besondere Probenort: Dass ihr Chor - im Gegensatz zu anderen, die zögerlich wieder beginnen zu proben - sogar ein Dach über sich habe, sei aus Sicht der Akustik wahrer Luxus im Vergleich zu einer Probe unter freiem Himmel. Außerdem probt der Chor auch weiterhin nicht in gesamter Größe: Zwei Kleingruppen mit jeweils zehn Sängerinnen und Sängern folgen für jeweils 45 Minuten aufeinander. Das Repertoire hat Konz ein wenig angepasst: Immerhin arbeiten die Dortelweiler nicht gezielt auf einen Auftritt hin, auch wenn das Konzert Ende Oktober noch nicht abgesagt ist.

Bis die insgesamt 25 Chormitglieder wieder gemeinsam musizieren können, wird aber wohl noch ein wenig Zeit vergehen. Bis dahin üben die Kleingruppen ein buntes Potpourri an Liedern - beginnend mit dem bezeichnenden »Singen macht Spaß, Singen tut gut.« Die nächste Zeile? »Singen macht munter und Singen macht Mut!«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare