Reinhard Kreuzer und die anderen acht Mitglieder des Bad Vilbeler Seniorenbeirates fordern Claus Metz auf, sein Mandat schnellstmöglich in dem Gremium niederzulegen. Doch der denkt gar nicht daran.
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Reinhard Kreuzer und die anderen acht Mitglieder des Bad Vilbeler Seniorenbeirates fordern Claus Metz auf, sein Mandat schnellstmöglich in dem Gremium niederzulegen. Doch der denkt gar nicht daran.

Seniorenbeirat

Eklat in Bad Vilbeler Seniorenbeirat: Alle gegen Claus Metz

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Eigentlich soll sich ein Seniorenbeirat mit den Belangen von älteren Mitbürgern befassen. Doch das Gremium ist mit sich selbst beschäftigt. Ein Mitglied gehe zu oft eigene Wege.

Immer wieder sind die uneben verlegten Platten in der Frankfurter Straße Steine des Anstoßes gewesen. Seit gefühlten Ewigkeiten gibt es daran Kritik, die lauter wurde, als einige ältere Bad Vilbeler gestolpert sind und sich dabei verletzt haben. Der Seniorenbeirat hat bei dem Thema immer wieder nachgehakt und letztlich von Erstem Stadtrat Sebastian Wysocki die Versicherung bekommen, dass im kommenden Jahr die Sanierung der Frankfurter Straße in Angriff genommen wird. Das heißt, die Gehwege werden so hergerichtet, dass sich kein Bürger mehr verletzen kann. 69 Stellen hat der Seniorenbeirat nach Angaben seines Vorsitzenden Reinhard Kreuzer und seines Stellvertreters Jochen Brings markiert.

Nachdem ein Bürger erneut gestürzt war, habe Claus Metz das zum Anlass genommen, mit einem Gedicht zur Fastnachtszeit »den Magistrat derb anzuprangern«, sagen Kreuzer und Brings. Bereits zuvor habe Metz des öfteren mit Leserbriefen den Unwillen des Beirates hervorgerufen. »Ihm war nicht klarzumachen, dass sein Name als Beirat immer in Verbindung zum gesamten Gremium gebracht wird«, sagen Kreuzer und Brings gegenüber dieser Zeitung. Das sei gegipfelt in einem »Leserbrief-Marathon« mit Stadtrat Klaus Minkel. Das Gedicht zum Karneval habe Metz »gegen den Willen des Seniorenbeirats« an die FNP geschickt. »Da war die Geduld der übrigen Mitglieder aufgebraucht«, schildern die beiden.

Bad Vilbeler Seniorenbeirat: Eklat im Haus der Begegnung

In einer Arbeitssitzung am 4. März kam es dann wohl im Haus der Begegnung zum Eklat. Acht Mitglieder forderten Metz auf, sein Mandat zurückzugeben. Der Vorwurf der acht anderen Mitglieder: Die Zusammenarbeit mit Metz habe sich seit der Wahl im Oktober 2017 »zunehmend als schwierig erwiesen«.

Sauer aufgestoßen ist den Seniorenbeiräten offenbar auch der Einsatz von Metz gegen Baumfällungen an der Nidda. Die Seniorenbeiräte sagen, diese sei vor allem Sache des Ortsbeirates.

Zusätzlich Öl ins Feuer goss Metz nach Meinung der anderen Beiräte, als er nach der Aufforderung, sein Mandat zurückzugeben, erboste Briefe an Kommunalpolitiker geschrieben habe. Sein Hauptvorwurf: SPD und CDU steuerten das Gremium. Mittlerweile werfen die Acht Claus Metz »Mobbing« vor. Den Vorwurf gibt dieser prompt zurück.

Bad Vilbeler Seniorenbeirat: Metz will Mandat nicht niederlegen

Anfang März habe »eine gut vorbereitete Mobbing-Sitzung gegen mich stattgefunden«, sagt er. Der Gescholtene stellt die Dinge gegenüber dieser Zeitung ganz anders dar. Man habe im Seniorenbeirat eine Aufgabenteilung. »Mein Thema sind die Gebrechlichen«, sagt er. Jochen Brings kümmere sich beispielsweise um die öffentlichen Verkehrsmittel. Das sei auch gut so, »denn nicht alle müssen denselben Themen hinterherhinken«. Es gebe seiner Ansicht nach eine Themen- und Arbeitsteilung. Immer wieder habe er auf Unzulänglichkeiten und Probleme für ältere und gebrechliche Menschen hingewiesen, betont Metz. »Aber wenn ich die im Seniorenbeirat thematisiert habe, haben die anderen weggehört.«

Auch in Sachen Stolperfallen in der Frankfurter Straße sei man geraume Zeit »keinen Meter vorangekommen«. Auch was die Fußwege in Dortelweil angehe, habe er sich häufiger kritisch geäußert. »Ich bin von Leuten darauf angesprochen worden, dass auf 800 Metern keine einzige Bank steht.« Sein Anliegen nach mehr Bänken sei »vom Magistrat abgeschmettert worden«. Ohnehin habe er das Gefühl, wenn es um die Schwerbehinderten gehe, »wird oft weggehört«.

Bad Vilbeler Seniorenbeirat: CDU und SPD äußern sich

Metz fühlt sich in dem Gremium mittlerweile »auf der Abschussliste. Meine Mitstreiter verstehen die Probleme nicht«, wirft er der Mehrheit vor. Er kündigt an, er werde sein Mandat nicht niederlegen. Vielmehr würde er es begrüßen, wenn ein Mediator zwischen den Seiten vermitteln würde. Bloß habe er bisher noch niemanden gefunden.

Nach der Aufforderung, sein Mandat niederzulegen, hat Claus Metz die Fraktionen von CDU und SPD angeschrieben. Er wirft den Parteien, kurz gesagt, vor, Einfluss auf die Arbeit des gewählten Seniorenbeirates zu nehmen. Zumal es Mitglieder gebe, die in der Senioren-Union oder langjährig in der SPD seien, sagt er gegenüber dieser Zeitung.

CDU-Fraktionsvorsitzende Irene Utter sagt dazu, es gebe weder von Parteiseite her Einfluss, »noch wollen wir jemanden mobben«. Natürlich erhalte man aus dem Seniorenbeirat Informationen, etwa durch Iris Stockbauer, die auch CDU-Stadtverordnete sei. »Aber es gibt von unserer Seite nullkommanull Einflussnahme.« Die Senioren seien »doch alle alt genug, sich miteinander auszutauschen«. Allerdings gelte auch im Seniorenbeirat das Mehrheitsprinzip: Wenn die Mehrheit entscheide, müsse sich die Minderheit unterordnen, sagt Utter in Richtung Metz.

SPD-Fraktionschef Christian Kühl schreibt dazu: Grundsätzlich möchte sich die SPD aus der Arbeit des Seniorenbeirates heraushalten, da dies dort von den Senioren dieser Stadt gewählte Vertreterinnen und Vertreter sind und wir vollstes Vertrauen in sie haben, dass alles, was der Seniorenbeirat unternimmt, zum Wohl der hiesigen Seniorinnen und Senioren ist.« Dies gelte auch für Streitigkeiten innerhalb dieses Gremiums. Kühl erklärt, dass »weder die Fraktion noch der Vorstand in irgendeiner Weise auf unserer Mitglieder Einfluss ausgeübt haben«. Die CDU sagt dasselbe, und er, Kühl, habe keinen Grund, dies anzuzweifeln. 

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