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Robin Pfeiffer (r.) weist einen Kursteilnehmer in die richtige Schnitttechnik an einem noch jungen Baum ein.

Streuobstwiesen

Einführung in den Sommerschnitt

  • VonJürgen W. Niehoff
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Obstbäume brauchen Pflege - auch im Sommer. Vier junge Landschaftsobstbauer vom Bad Vilbeler Obstbauverein zeigen, wie Apfel- und Birnbäume jetzt geschnitten werden.

Bad Vilbel (jwn). Den meisten Gärtnern ist der Obstbaumschnitt im Winter bekannt. Der Schnitt an Obstbäumen im Sommer dagegen weniger. Dabei kann er mitentscheidend sein für die Qualität des jeweiligen Obstes.

Der Obstbaumschnitt unterscheidet sich vom Schnitt der Ziergehölze deutlich. Zwar freut man sich im Frühling auch über die Blütenpracht von Äpfeln, Birne oder Kirschen, doch steht bei Obstbäumen zumeist die Ernte im Vordergrund - und zwar die Ernte von gesunden, aromatischen Früchten. Deshalb ist für die richtige Pflege der richtige Schnitt zur richtigen Zeit endscheidend.

Aus diesem Grund veranstaltet der Obstbauverein (OBV) Bad Vilbel regelmäßige Schnittkurse, um die Gartenbesitzer bei der Pflege ihrer Obstbäume vor Fehlern zu bewahren. »Wir machen das schon seit Jahren. Einmal im Februar, den sogenannten Winterschnitt, und einmal im Sommer, meist im Juli, den Sommerschnitt«, erklärt Peter Beltz, Vereinsvorsitzender des OBV Bad Vilbel. Am vergangenen Wochenende hat Beltz den Sommerschnittkurs erstmals seinem Vereinsnachwuchs überlassen.

Vor drei Jahren waren die vier Vereinsmitglieder Jakob Pfeiffer (22), Florian Pröfrock (26), Theodor Kratz (22) und Robin Pfeiffer (26) in einem einjährigen Lehrgang zu zertifizierten Landschaftsobstbauern ausgebildet worden und können nun beweisen, dass die Obstbaumpflege eine echte Wissenschaft und keine Hexerei ist. Acht Bad Vilbeler Bürger, die meisten von ihnen Besitzer eines eigenen kleinen oder großen Gartens mit Obstbäumen, sind in diesem Jahr der Einladung des Obstbauvereins zu dem Sommerschnittkurs auf das Vereinsgelände im Gronauer Feld gefolgt.

Dient der Ertragssteigerung

»Der Winterschnitt während der Saftruhe des Baumes regt im Frühjahr dessen Wachstum an, das für starkwüchsige Obstbäume eine regelrechte ›Austriebsexplosion‹ bedeutet. Um diese starke Wuchskraft im Obstbaum nachträglich zu regulieren, wird der Obstbaumschnitt im Sommer angewandt. Bei diesem Schnitt werden die Bäume ausgedünnt, faules Holz herausgeschnitten und auch zu dicht hängendes Obst frühzeitig beseitigt«, erklärt Robin Pfeiffer zu Beginn des Schnittkurses.

Dabei ist der richtige Zeitpunkt für den jeweiligen Schnitttermin wichtig. Denn wird zur falschen Zeit geschnitten, kann das negative Auswirkungen auf den Baum haben. Wenn beispielsweise ein Trieb im Winter nur zurück-, nicht aber ganz abgeschnitten wird, regt dieser Schnitt die Bildung mehrerer neuer Triebe an - die Pflanze wird also insgesamt dichter und normalerweise ist dann im nächsten Jahr wiederum ein erneuter Korrekturschnitt erforderlich, um die überzähligen Triebe zu entfernen. Wird ein Zweig hingegen an der Ansatzstelle oder hinter einem schon vorhandenen Seitenzweig abgeschnitten, verteilt sich die Wuchskraft auf die verbliebenen Äste und Zweige.

»Der Sommerschnitt dient also der Ertragssteigerung, begünstigt das Gedeihen der Früchte, während der Winterschnitt zur Erhaltung beiträgt«, informieren die Landschaftsobstbauer.

Bevor die Teilnehmer des Sommerschnittkurses selbst Hand anlegen und die ersten Äste absägen durften, machen die vier jungen Obstbaumspezialisten auf eine zusätzliche Gefahr in diesem Sommer aufmerksam: die Apfelgespinstmotte. Zurzeit sieht man an Apfelbäumen häufig seltsame Gespinste, die bei näherem Hinsehen voll mit Raupen sind. Dabei handelt es sich um die Apfelgespinstmotte. Dieser Nachtfalter ist ein zunehmend bedeutender Schädling im Apfelanbau. Im Frühjahr, wenn die Blätter ausgetrieben haben und sich die ersten Früchte gerade entwickeln, werden die Apfelbäume regelrecht eingesponnen. Die Larven der Gespinstmotte fressen unermüdlich alle Blätter auf, was die Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber Umwelteinflüssen reduziert. Somit ist der Befall mit diesem Schädling nicht nur ein optisches Problem, sondern er führt zu erheblichen Ertragseinbußen und letztlich zu einer Schwächung des Baumes in den folgenden Jahren.

»Dagegen sollte man dringend etwas tun. Entweder den Baum mit Gegenmitteln spritzen oder bei kleinen Bäumen die Nester per Hand beseitigen«, erklärt Peter Beltz. Er hat vor Kurzem erst die Bäume auf dem Vereinsgelände mit einem biologischen Mittel abgespritzt.

Ein Nest der Apfelgespinstmotte.

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