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Spende für Philip Julius: Dominik Prinz, Leiter des Geschäfts mit Unternehmerkunden der Commerzbank in Hessen, überreicht einen symbolischen Scheck in Höhe von 10 000 Euro an Geschäftsführerin Nadine Bauer (r.) und an Finnja Schwenker.

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Einfach mal wieder Kind sein

  • VonPatrick Eickhoff
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Die Commerzbank-Stiftung unterstützt den Bad Vilbeler Verein Philip Julius mit einer Spende in Höhe von 10 000 Euro. Der Verein berät und begleitet Familien mit mehrfach schwerstbehinderten Kindern. Das Geld kommt einem ganz besonderen Projekt zugute.

F innja Schwenker ist zwölf Jahre alt und selbstständiger als so manches Mädchen in ihrem Alter. Denn: Finnja hat eine 18-jährige Schwester mit Down-Syndrom. »Das ist nicht immer einfach«, sagt sie. »Sie braucht viel Aufmerksamkeit.« Mit Klassenkameraden einfach mal in der Schule darüber reden ist keine Selbstverständlichkeit. »Meine Freunde verstehen das einfach nicht so, weil sie das nicht kennen«, sagt sie. »Aber hier ist das anders.«

Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen

Hier steht in diesem Fall für die Geschäftsstelle von Philip Julius. Der Verein aus Bad Vilbel unterstützt Familien mit schwerstbehinderten Kindern. Jene, die nicht alleine essen oder trinken können. Auch solche, für die laufen undenkbar ist. Manche Kinder hängen am Beatmungsgerät. Eine Diagnose, die den Alltag einer Familie auf den Kopf stellt. Aber nicht nur für die Eltern ändert sich alles. Auch für die Geschwister. »An der Seite eines schwerstbehinderten Kindes aufzuwachsen, beeinflusst die Geschwister sehr stark«, sagt Nadine Bauer, Geschäftsführerin des Vereins. In Familien nehme das Kind mit Behinderung oft die zentrale Rolle ein. »Der Tagesablauf dreht sich um Betreuung und Versorgung. Dabei gibt es noch ein Kind, dem die Eltern auch gerecht werden müssen.«

Deshalb gibt es bei Philip Julius seit 2018 das Projekt »Schattenkinder - Sonnenkinder«. Ein Projekt für Geschwisterkinder. »Wir stellen ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt«, sagt Bauer. Kinder von 6 bis 13 Jahren können teilnehmen. Die monatlichen Treffen werden von Sozialpädagogen oder Therapeuten begleitet.

Finnja Schwenker ist von Anfang an dabei. »Wenn ich hier von daheim erzähle, dann sagen die anderen manchmal, dass sie das auch kennen«, berichtet sie. Doch es wird nicht nur über Probleme geredet. Die Kinder fahren in den Zoo, gehen Bogenschießen in Gronau, veranstalten Bastel- und Spielenachmittage. »Sie dürfen einfach mal wieder Kind sein«, sagt Nadine Bauer. »Das tut ihnen gut. Ganz oft müssen gerade viele Geschwisterkinder schneller erwachsen sein, als andere.« Finnja nickt. »Ich kann mich gut selbst beschäftigen«, sagt sie. Dennoch ist sie froh, andere Geschwisterkinder zu kennen. »Mit manchen habe ich jetzt auch die Nummer ausgetauscht. Wir verstehen uns gut.«

Freizeit für die Geschwisterkinder

Damit das Projekt auch in den kommenden Jahren weiterlaufen kann, hat die Commerzbank-Stiftung dem Verein 10 000 Euro gespendet. Das Geld kommt dem Geschwisterkinderprojekt zugute. Dominik Prinz, Leiter des Geschäfts mit Unternehmerkunden, überreicht den Scheck an Nadine Bauer und auch an Finnja Schwenker. »Als wir von dem Verein erfahren haben, waren wir sofort begeistert. Das ist genau das, was unsere Stiftung fördern möchte. Ich freue mich, dass wir eine Beitrag zu dieser wertvollen Arbeit leisten können.« Beim Verein Philip Julius blickt man derweil auf ein anstrengendes Jahr zurück. Nahezu alle Angebote und Kurse sind ausgefallen. Die Nachfrage nach Beratung ist gestiegen. »Viele Familien waren noch isolierter als ohnehin schon«, sagt Bauer. Viele Kinder gehörten zur Hochrisikogruppe. »Die Familien haben ihre Kontakte noch mehr reduziert.«

Umso größer ist die Freude, dass es so langsam wieder anläuft und auch die Geschwisterkinder bald wieder lachen, spielen und toben können. Die jährliche Freizeit an den Chiemsee im Herbst soll einen besonderen Zusatz für die Geschwisterkinder bekommen. »Wir planen derzeit eine Freizeit in der Freizeit«, sagt Nadine Bauer. Und dann gibt es ja noch die Kinder, die bald zu alt sind für das Projekt. »Auch Finnja ist ja schon zwölf Jahre alt. Wir streben derzeit eine zweite Gruppe an«, verrät die Geschäftsführerin. Finnja lacht und sagt: »Das würde mich sehr freuen.«

Der Verein wurde 2013 gegründet und ist nach dem damals schwer kranken Philip Julius benannt. Er litt an einem nicht heilbaren Krampfleiden. Zu den Gründungsmitgliedern gehören seine Eltern und Menschen, die ihn betreut, gepflegt und sein Leben begleitet haben. Infos unter https://philip-julius.de/ wpa

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