Das Piktogramm in der Straße "Am Felsenkeller" hat die Stadt im Mai 2017 angebracht. Anwohnerin Yvonne Nuhn findet das zwar grundsätzlich gut, aber nicht ausreichend.
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Das Piktogramm in der Straße »Am Felsenkeller« hat die Stadt im Mai 2017 angebracht. Anwohnerin Yvonne Nuhn findet das zwar grundsätzlich gut, aber nicht ausreichend.

»Unverantwortlich«

Bad Vilbel: Anwohner »Am Felsenkeller« wollen Raser ausbremsen

  • vonPatrick Eickhoff
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Schrittgeschwindigkeit gilt in großen Teilen der Straße »Am Felsenkeller« in Bad Vilbel. Anwohnerin Yvonne Nuhn bemängelt, dass das zu oft missachtet wird.

Yvonne Nuhn macht sich Sorgen. Die Anwohnerin steht auf dem Bürgersteig an der Straße »Am Felsenkeller« und blickt mit skeptischem Blick die Straße entlang. »Obwohl Schrittgeschwindigkeit in einer Spielstraße herrscht, hält sich niemand daran«, bedauert die 65-Jährige. »Der Bürgersteig ist zu schmal. Dort können Menschen mit Rollator oder Eltern mit einem Kinderwagen nicht laufen. Viele Kinder gehen hier morgens in Richtung Schule. Es ist unverantwortlich von vielen Autofahrern, sich nicht an die Geschwindigkeit zu halten.«

Bad Vilbel: Stationärer Blitzer ist keine Option

Deshalb hat Yvonne Nuhn bereits vor fast drei Jahren Unterschriften in der Nachbarschaft gesammelt. »Es gab viele Anwohner, die sich beteiligt haben.« Am Ende der Straße befindet sich eine Seniorenwohnanlage und diese Menschen seien besonders betroffen von den Verkehrsverhältnissen. Der Stadt ist das Problem bekannt. Deshalb ist sie tätig geworden und hat eine Markierung angebracht. Pressesprecher Yannick Schwander sagt: »Das Piktogramm wurde nach Antrag aus dem Ortsbeirat Kernstadt im Mai 2017 angebracht. Die Situation vor Ort war und ist der Stadt bekannt. Man muss jedoch betonen, dass ein Piktogramm immer nur ergänzend zur Beschilderung auf die Straße aufgebracht wird, also wenn man so möchte, eine Art zusätzliche Erinnerung an die Verkehrsordnung darstellt.«

Bad Vilbel: »Hubbel« stellen Sturzgefahr dar

Anwohnerin Yvonne Nuhn findet das gut. »Es ist auf jeden Fall deutlich besser zu erkennen, als nur auf dem kleinen Schild.« Dennoch ist die 65-Jährige der Meinung, dass das nicht ausreicht. »Eine Idee wäre ein fest installierter Blitzer. Aber auch regelmäßige mobile Kontrollen würden reichen, um die zu schnell fahrenden Autos besser in den Griff zu bekommen.« Außerdem würde die Anwohnerin noch mehr deutlich machen, was es bedeutet, in eine Spielstraße zu fahren. »Ich glaube, dass viele gar nicht wissen, dass Schrittgeschwindigkeit herrscht. Mit einem separaten Schriftzug unterhalb des Schildes könnte man das verdeutlichen.«

Pressesprecher Yannick Schwander erläutert: »Das angesprochene Schild »Schrittgeschwindigkeit« ist nicht nötig, da das Verkehrsschild sowie das Piktogramm zum verkehrsberuhigten Bereich dies ja bereits implizieren.« Und auch bezüglich der Blitzer-Kontrollen gibt es von der Stadt eine eindeutige Antwort. »Eine stationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage würde uns in einem verkehrsberuhigten Bereich nicht genehmigt werden. Mobile Überwachung findet in regelmäßigen Intervallen durch die Ordnungspolizei statt.«

Yvonne Nuhn glaubt, dass weitere Maßnahmen nötig sind. »Ich kann mich ja nicht hinstellen und die Autos anhalten«, sagt sie und lacht. »Schwellen am Boden würden auch helfen, denn da müssen die Autofahrer ohnehin abbremsen.« Doch das sei nicht so einfach, wie Stadtsprecher Yannick Schwander erläutert. »Jedwede bauliche Veränderung, um Geschwindigkeiten zu verringern, geht mit diversen Einschränkungen einher. Die Stadt Bad Vilbel hat hierzu in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten entsprechende Erfahrungen gemacht oder machen müssen. Sogenannte Kölner Teller, das sind kleine ovale »Hubbel« aus Aluguss, stellen eine Sturzgefahr für Zweiradfahrer dar. Bodenschwellen, also Erhebungen auf der Straße, sorgen der Erfahrung nach nicht für eine Geschwindigkeitsminderung, dafür aber für Lärm und Erschütterung durch das Auf- und Abfahren. Dies ist dann wieder zum Nachteil der Anwohnerinnen und Anwohner.«

Diese liegen Yvonne Nuhn am Herzen. Sie ist vor 13 Jahren nach Bad Vilbel gezogen, hat sich in ihrer Heimat Oberursel bei den »Grünen Damen« engagiert. Diese sind in Krankenhaus-Stationen unterwegs und helfen besonders alten Mitbürgern. »Das liegt mir einfach am Herzen«, sagt sie. »Und gerade am Felsenkeller gibt es viele Ältere, die hier unterwegs sind.« Die Argumentation der Stadt kann die 65-Jährige nachvollziehen. »Aber wenn ich dann täglich die Raserei sehe, dann fehlt mir jegliches Verständnis. Das ist unverantwortlich.«

Bad Vilbel: Ein Spiegel am Ellernweg?

Wer die Straße »Am Felsenkeller« entlang fährt, der hat die Möglichkeit in den Ellernweg abzubiegen. Yvonne Nuhn mahnt an, dass dies wegen der Uneinsichtigkeit der Straßen besonders gefährlich sei. »Die Anwohner würden sich dort einen Spiegel wünschen.« Stadtsprecher Yannick Schwander erläutert, dass das keine Option ist: »Verkehrsspiegel sind der einschlägigen Erfahrung nach kein gutes Mittel. Man suggeriert eine gewisse Sicherheit und viele Verkehrsteilnehmer verlassen sich darauf, was sie im Spiegel sehen. Man blendet daraufhin die Umgebung aus. Ohne Spiegel tastet man sich langsam in die Straße, hat die Umgebung stets im Blick und hält sich so im Grunde sehr genau an den §1 der StVO, nämlich die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr. In Bad Vilbel ist es daher seit Langem geübte Praxis lediglich an sehr unübersichtlichen Einmündungen von engen Nebenstraßen auf Hauptstraßen entsprechende Spiegel zu setzen, nicht jedoch in Nebenstraßen, noch dazu in verkehrsberuhigten Bereichen.« 

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