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Gähnende Leere, wo sonst ein Kommen und Gehen herrscht: In Höhe des Bürgerbüros sieht es genauso aus wie in der gesamten Frankfurter Straße sowie auf den Plätzen drumherum. In Corona-Zeiten ist nichts los in Bad Vilbels Innenstadt. FOTO: PE

Eine fast menschenleere Innenstadt

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Normalerweise herrscht in der Frankfurter Straße und in der Neuen Mitte ein emsiges Kommen und Gehen, zumal wenn schönes Wetter ist. Doch in diesen Tagen ist die Bad Vilbeler Innenstadt zeitweise wie ausgestorben. Ein kleiner Rundgang durch eine fast menschenleere Stadt.

W er an einem Vormittag unter der Woche nach Bad Vilbel fährt, steckt meistens schon auf den Zufahrtsstraßen im Stau. In diesen Corona-Tagen ist aber alles anders. Als wir am Mittwochvormittag in Richtung Bad Vilbel fahren, spüren wir schon, dass weit weniger Autos unterwegs sind als sonst. Von Gronau kommend kann man auf der Landesstraße bis direkt an die große Kreuzung zur Friedberger Straße und zur Nordumgehung heranfahren, was sonst nur nachts oder sonntags gelingt. Ganz rasch ist man dann noch die letzten Kilometer gefahren. Es geht in die Parkstraße. Wo sonst Auto an Auto steht und kaum ein Parkplatz frei ist, hat man an diesem Vormittag die freie Auswahl.

Neue Mitte wie ausgestorben

Am Römermosaik beginnt der kleine Stadtrundgang. Eine Joggerin läuft vorbei, dann eine Frau mit Kinderwagen, eine weitere Frau mit Hund an der Leine. Der Weg führt Richtung Altes Rathaus. Vor einer Metzgerei sitzen zwei Männer mit Tassen in den Händen, eine Bekannte von ihnen steht gut zwei Meter entfernt. Ein kleiner Plausch auf Abstand.

Beim Weiterlaufen links und rechts nur geschlossene Läden. Ein Friseur, eine Crêperie und der Buchladen des Akzente-Vereins: Alle haben ihre Türen zu und Hinweisschilder ausgehängt. Überall dieselbe Begründung: Geschlossen wegen der Pandemie. Der Buchladen verkündet, geschlossen bis 28. März. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass in dieser Tür bald ein neues Datum hängt. Aber immerhin steht ganz oben der Zusatz "vorerst". Am sogenannten Döner-Turm nebenan wird gebaut, die Inhaber nutzen die behördlich angeordnete Zwangsschließung zu Renovierungsarbeiten. Beim Blick nach links doch ein offenes Geschäft. Ein Blumenladen bietet vormittags von 9 bis 12 Uhr die Möglichkeit, vorbestellte Blumen abzuholen.

Es geht weiter Richtung neuer Stadtmitte. Auf dem Niddaplatz, quasi dem Treffpunkt in Bad Vilbel, ist fast gar nichts los: Eine Frau sitzt auf einem Sitzstein vor dem geschlossenen Eiscafé, die Stadtbücherei hat ebenso ihre Türen geschlossen wie das im Haus befindliche Kaffee, in dem die Hocker auf die Tische geklappt sind. Auf der Brücke der Bücherei steht kein einziger Tisch, kein einziger Stuhl.

Eine Radfahrerin rollt über die hölzernen Planken. Dann geht es weiter. Gegenüber die Parfümerie hat die Gitter unten, nebenan die Post ist offen. Dort verkündet ein Schild an der Tür, dass nur jeweils zwei Kunden gleichzeitig den Laden betreten dürfen. Und der Hinweis: "Sollten Sie Erkältungs- oder Grippesymptome haben, bitten wir Sie, von einem Besuch der Filiale abzusehen und eine dritte Person zu beauftragen."

Kaum jemand mag etwas sagen

Ein paar Meter weiter ist noch ein Laden geöffnet: eine Bäckerei. Doch sitzen und Kaffeetrinken ist hier nicht erlaubt. Lediglich, sich Brot, Brötchen und Stückchen mitzunehmen. "Bitte nur zwei Personen maximal eintreten", weist ein Schild hin. Einige Kunden warten draußen.

Geschlossen hat ebenso die große Tanzschule, die Zusatzstunden ankündigt, wenn sie wieder öffnen darf. Dicht ist auch einige Meter weiter das Bürgerbüro der Stadt. Wer ein Anliegen hat, wird ans Rathaus nach Dortelweil verwiesen, aber nur nach vorheriger Anmeldung.

In unmittelbarer Nähe ein beliebtes Schuhgeschäft, das für den Publikumsverkehr geschlossen ist. Ausnahme: die angeschlossene Orthopädie-Werkstatt ist geöffnet. Wer dort etwas zu erledigen hat, muss an der Tür klingeln.

Zu beiden Seiten der Frankfurter Straße, in der um diese Zeit viele Passanten unterwegs sind, gibt es nur wenige Fußgänger. "Bad Vilbel sieht so ganz anders aus", sagt eine Seniorin, die zum Bäcker will. "Aber es fahren noch viele Autos", ist ihr aufgefallen. Die Aufschrift auf den Autos verrät, dass es Montage- und Lieferfahrzeuge sind.

Durch die Wiesengasse geht es zurück. Am Niddaufer einige Radfahrerinnen und Spaziergänger, die das sonnige Wetter nutzen. So ganz ausgestorben, wie man nun denken könnte, ist es dann doch nicht. Auf den Baustellen für die neue Stadthalle, das neue Hotel und die Sanierung des Kurhauses herrscht Hochbetrieb.

Auf den Gerüsten und im Rohbau der Stadthalle sowie auf dem Fundament für das neue Hotel Dutzende von Arbeitern. Und die Stellplätze vor dem Kurhaus sind komplett belegt. Wenigstens hier scheint ein Stück Normalität zu herrschen.

Übrigens bleiben einige Versuche, Passanten anzusprechen, erfolglos. Niemand will etwas sagen, einige machen einen Bogen oder laufen am Rand des Gehweges neben den Pollern, auch ohne dass sie angesprochen werden. Distanz ist angesagt, und alle halten sich dran.

Dass niemand was sagen mag, liegt wohl nicht nur an dem eisigen Ostwind, der an diesem Vormittag durch die Straßen fegt.

Schließlich sagt doch noch ein Senior mit Mundschutz etwas, der ein Hinweisschild in einem der Schaufenster liest. "Das hier", sagt er und zeigt auf die fast menschenleere Straße, "das hier ist erst der Anfang. Ich fürchte, dass das noch lange so geht und es noch schlimmer kommt." Hoffen wir mal, dass er nicht recht hat.

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