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Eine Dose rettet Leben

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Vorbild ist »Message in a bottle«: Hannelore Lotz (l.) und Marianne Strutz von der Nachbarschaftshilfe holen die SOS-Dose nach Vilbel.
Vorbild ist »Message in a bottle«: Hannelore Lotz (l.) und Marianne Strutz von der Nachbarschaftshilfe holen die SOS-Dose nach Vilbel. © Christine Fauerbach

Bad Vilbel (cf). Ein Kühlschrank steht in jeder Küche. Gefüllt ist er üblicherweise mit leicht verderblichen Lebensmitteln. Doch ab sofort dürften sich in einigen Bad Vilbeler Haushalten darin auch sogenannte SOS-Dosen finden. Darin befinden sich allerlei Informationen, die in gesundheitlichen Notfällen Leben retten können.

An 100 Patienten seien in Büdingen SOS-Dosen verteilt worden. »Dank den darin deponierten Informationen, konnte das Leben von drei Patienten gerettet werden«, berichtet Hannelore Lotz, stellvertretende Vorsitzende des Vereins für soziales Engagement und Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel. Anlass ist die Einführung der »Dose, die Ihr Leben retten könnte« in der Quellenstadt.

Den Anstoß dafür gab Vereinsmitglied Marianne Strutz. Die Seniorin hörte bei HR4 von dem aus Irland und Großbritannien kommenden Projekt »Message in a bottle«. Die alleinstehende Frau ohne Angehörige in Bad Vilbel fand die Idee klasse und berichtete Lotz davon. Diese recherchierte und war ebenfalls begeistert.

Was der Notarzt wissen muss

Nach Hessen kam die gerade einmal zwölf Zentimeter große weiße Dose mit rotem Deckel, rotem Emblem und weißem Schriftzug »Rettung aus der Dose – SOS« dank der Initiative des Lions Clubs Hanau Schloss Philippsruhe. Sie veränderten das Äußere der Dose, ließen diese danach markenrechtlich schützen und verteilten sie an potenzielle Abnehmer.

Inzwischen werben Nachbarschaftshilfe-vereine und der Sozialverband VdK für die Dose mit lebensrettendem Inhalt. »Wird der Rettungsdienst gerufen, zählt jede Minute. Die wichtigsten Informationen über den Patienten – sollte dieser nicht ansprechbar sein und kein Anwesender Auskunft geben können – befinden sich in der Dose. Sie enthält alles, was der Notarzt im Notfall wissen muss«, berichten Lotz und Strutz.

In der SOS-Dose befindet sich ein Blatt mit den wichtigsten Informationen zur Person, am besten mit einem aktuellen Foto zur besseren Identifizierung, die Kontaktdaten des Hausarztes, der Krankenkasse, Namen von Angehörigen, Freunden, Pflegedienst und Betreuung, die informiert werden müssen. Zudem enthält das Blatt Informationen über bekannte Erkrankungen, Allergien, Unverträglichkeiten, zu Medikamenten (Medikamentenliste), die regelmäßig eingenommen werden, und wo diese zu finden sind. Ob es einen Krankenhauskoffer gibt und wo dieser steht, kann ebenfalls eingetragen werden.

Wichtig für Arzt und Rettungssanitäter zu wissen ist auch, ob es eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht gibt, ob Menschen und Tiere versorgt werden müssen.

»Diese Informationen sind wichtig, damit schnell und gut geholfen werden kann. Die wenigsten Patienten können im Notfall die Ersthelfer damit versorgen«, sagt Lotz.

Platz ist in der Dose auch für eine Gesundheitskarte. Das Ausfüllen des Datenblattes dauert nur ein paar Minuten. »Sollte Hilfe beim Ausfüllen benötigt werden, unterstützt unser ehrenamtliches Büroteam die Dosen-besitzer gern«, sagt Lotz. Zielgruppe sind vor allem alleinstehende, ältere Menschen.

Die Nachbarschaftshilfe hat 500 Dosen samt Flyern und Datenblättern für 800 Euro gekauft. Diese will sie bis Ende September an die Zielgruppe ihrer über 1100 Mitglieder verteilen. Danach geht es weiter. Ab Oktober sollen die Dosen an alle Bürger der Zielgruppe in der Stadt verteilt werden. Derzeit führt die Nachbarschaftshilfe Gespräche mit der Stadt, da keiner der beiden örtlichen Lions Clubs für das lebensrettende Projekt als Partner gewonnen werden konnte.

Aufbewahrt wird die SOS-Dose gut sichtbar in der Innentür des Kühlschranks, da dieser Ort sich dafür bewährt hat. Je ein Aufkleber an der Wohnungs-/Hauseingangstür und an der Kühlschranktür informieren Helfer über das Vorhandensein einer SOS-Dose.

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