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Für viele ein Ort zum Durchatmen: Der Lieblingsplatz von Martina Sommer ist die geschichtsträchtige »Totenwiese« am Vilbeler Waldrand.

Totenwiese in Bad Vilbel

Ein Platz für alle Generationen

  • vonChristine Fauerbach
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Martina Sommer hat es vor gut 30 Jahren von Frankfurt nach Bad Vilbel verschlagen. Hier entdeckte sie beim Spazierengehen die Totenwiese - seither einer ihrer Lieblingsorte in der Wetterau.

Dort hinten waren wieder Wildschweine aktiv«, sagt Martina Sommer und zeigt Richtung Südosten. Die intelligenten Schwarzkittel haben das schützende Unterholz am Waldrand verlassen und nach Herzenslust im weichen Boden gebuddelt.

Mit ihren Schnauzen haben sie auf der Suche nach Nahrung wie Wurzeln, Knollen oder Engerlinge den Boden in einem kleinen Bereich quasi umgepflügt. Neben den Wildschweinen fühlen sich auch Waschbären, Feldhasen und Rehe auf dem Gelände wohl. Meist sind sie lange vor den ersten Besuchern da, die von lautem Vogelgezwitscher begrüßt werden.

Ausgedehnte Spaziergänge

Entdeckt hat die gebürtige Frankfurterin aus dem Stadtteil Eschersheim das geschichtsträchtige Areal durch Zufall. »Ich bin oft mit meinen beiden Söhnen auf dem benachbarten Spielplatz Am Ritterweiher gewesen.«

Nachdem sie vor 29 Jahren ihren Wohnsitz von Eschersheim nach Bad Vilbel verlegt hat, kommt sie regelmäßig gezielt zur Totenwiese oder auf ihren ausgedehnten Spaziergängen mit ihren beiden Hunden, dem Labradorrüden Kim (10) und dem Rehpinscher Lou (9), vorbei. »Ich habe beide geerbt.«

Beliebte Begegnungsstätte

Immer wieder wird Martina Sommer von Sportlern, Spaziergängern oder Kleingärtnern gegrüßt. Alle, die in diesem Teil der Stadt regelmäßig unterwegs sind, kennen sich. Oft auch mit Namen.

»Die Totenwiese zieht das ganze Jahr über Menschen aller Generationen und Kulturen an. Sie ist ein Treffpunkt für junge Leute, Familien, Sportler, Gesundheitsbewusste und Naturliebhaber.

Nicht jeder hat einen Garten, eine Terrasse oder einen Balkon, umso wichtiger sind Plätze wie dieser in der Stadt. Dank Begegnungsstätten wie dieser müssen wir nicht an Wochenenden mit der Blechkarosse in den Taunus fahren, um in der Natur zu sein«, sagt sie.

Sport und Erholung

Kinder und Jugendliche spielen auf dem Platz Fußball, Federball oder Tischtennis, Gesundheitsbewusste nutzen ihn zum Barfußlaufen, für Yoga oder Gymnastik.

»Viele nutzen das Gelände bei milden Temperaturen vor allem seit der Pandemie, um mit Abstand im Freien gemeinsam sportlich aktiv zu sein«, berichtet das Vorstandsmitglied des Kneipp-Vereins Bad Vilbel.

Seit zehn Jahren engagiert sich die 58-Jährige im Gesundheitsverein. Begeistert berichtet sie von den zahlreichen Angeboten. »Wir sind ein wunderbarer Verein, der der Gesundheit dient und in dem viele nette Menschen Mitglied sind.

Unsere Bandbreite reicht von Ernährung und kneippschen Anwendungen über Sportkurse wie Kinderturnen, Yoga, Gymnastik, Lauftreffs bis zu Aquafitness und Riesentrampolin.«

Geschützt von Wald und Kleingärten

Vor allem im Sommer nutzen viele Vilbeler das Gelände zum Chillen, Sonnen, Picknicken oder Feiern. »Wenn es hier blüht, dann ist die Totenwiese eine Oase. Sie liegt umgeben von Wald und Kleingärten geschützt in einer Senke. Beim Blick über die Totenwiese hat die Bürgerin gleich mehrere Wünsche an die Stadt.

»Was fehlt sind vor allem für Senioren Bänke.« Schön wäre es auch, wenn die Stadtwerke große Tonnen mit Deckeln aufstellen würden anstelle der beiden kleinen Papierkörbe. »Die quellen ständig über, werden nachts von Waschbären geplündert.«

Mülleimer fehlen

Man sehe, dass die Bürger ihren Abfall wie beispielsweise Pappteller, Behälter, Getränkepackungen oder Pizzaschachteln zusammenräumten und ordentlich entsorgen wollten. Doch dafür fehle es an Behältern.

Um den Begegnungsort für die Bürger noch attraktiver zu gestalten, wünscht sich die Bürgerin Anlagen wie einen Trimm-Dich-Pfad, Outdoor-Sportgeräte oder einen Barfußpfad. Auch mit der blutigen Geschichte des heute so idyllischen Ortes hat sie sich beschäftigt. Der Historiker Eckhardt Riescher beschreibt sie in seinen Schilderungen zum »blutigen Karfreitag«.

Blutige Schlacht

Die Schlacht im Siebenjährigen Krieg forderte am 13. April 1759 mehrere Tausend Tote in Bad Vilbel. Zwischen Bergen und Vilbel lieferten sich Engländer und Franzosen und ihre Verbündeten heftige Kämpfe. Im Vilbeler Wald trifft das alliierte Jägerkorps Freytag auf französische Truppen. »Den gesamten Tag über, bis in die Nacht hinein, werden in dem Wald Gefechte zwischen den Vorhuttruppen geführt.«

Dieser Schlacht verdankt die Totenwiese am Stadtwald ihren Namen. Hier sollen viele Tote der Gefechte notdürftig bestattet worden sein. Heute ist die Zeit gekommen, um die Totenwiese als Treffpunkt für die Lebenden attraktiv zu gestalten.

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