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Die Trauerhalle ist ein Werk des Darmstädter Architekten Max Bächer.

Ein Ort mit vielen Besonderheiten

  • VonNiklas Mag
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Der Parkfriedhof Heiligenstock gehört offiziell zu Frankfurt, liegt aber direkt an der Siedlung Heilsberg in Bad Vilbel. Der Friedhof ist in vielerlei Hinsicht besonders. Fast genau 30 Jahre ist die erste Beisetzung her. Anlass für einen genaueren Blick auf die Begräbnisstätte.

Ü ber den Friedhof Heiligenstock ziehen graue Wolken, aber warmer Wind. Die Blätter rascheln, und somit geben die Bäume immer wieder für einen kurzen Moment einen anderen Blick auf die Umgebung frei. Im Westen ist der Taunus zu sehen und hinter dem Eingangstor zum Parkfriedhof Heiligenstock erstrecken sich grüne Wiesen. In der Ferne stehen in Schwarz gekleidete Menschen um ein Grab, auch der eine oder andere Einzelgänger läuft bedacht die Wege entlang.

17,4 Hektar großes Areal

Zerrissen wird die Stille hin und wieder von Motorengeräuschen, denn auf dem gigantischen Areal sind Mitarbeiter des Grünflächenamts unterwegs. Viel Grün braucht eben viel Pflege. Der Parkfriedhof Heiligenstock ist mit 17,4 Hektar sehr groß, wenn auch der Frankfurter Hauptfriedhof mit über 70 Hektar ihn noch deutlicher überragt. 10 200 Grabstätten gibt es auf dem Parkfriedhof, 150 Sitzplätze bietet die Trauerhalle. Und diese ist durchaus ansehnlich.

Aus hellem Stein und mit blauer Kuppel erbaut, können Frankfurt und Bad Vilbel, an deren gemeinsamer Grenze der Friedhof liegt, stolz auf das Werk von Architekt Max Bächer sein. Die Trauerhalle des Darmstädter Architekten wurde vom »Journal Frankfurt« kurz vor der Fertigstellung des Friedhofs als »herausragend« betitelt. Der Weg zur Trauerhalle ist bereits eine Besonderheit. Die »Via Dolorosa« ist zum Himmel geöffnet und soll den Trauernden Halt bieten. Ursprünglich sollte der Totenfluss Styx durch Wasser dargestellt werden, konnte wegen Normen und verschiedener Vorschriften aber nicht realisiert werden, wie aus dem bereits erwähnten Artikel hervor geht.

Am 5. August 1992 fand die erste Beisetzung statt. Auf Anfrage dieser Zeitung gibt die Stadt Frankfurt Einblick in ein Erläuterungsdokument zur Gestaltung des Parkfriedhofs. »Bestimmend für die Entwurfskonzeption des Friedhofs waren die Lage des Grundstücks mit Blick auf den Taunus, die Signifikanz der geplanten Architektur, die Anbindung an die Alte Frankfurter Straße und die Höhenverhältnisse des nach Westen abfallenden Geländes«, heißt es darin.

Dominiert von Wiesen und Bäumen

Auch weist die Erklärung darauf hin, dass die ökologische Bedeutung des Friedhofs mit ausgedehnter Wiesen, Baum- und Strauchbepflanzung, hervorzuheben sei. Eine Mittelachse mit großer Wiese, Gräberfelder mit Rahmenbepflanzung, ein Betriebshof mit Nebenanlagen sollen gemeinsam mit dem großen Parkplatz vor dem Friedhof vier klar abgetrennte Bereiche bilden. »Die große Mittelachse ist das charakteristische Element des Entwurfes. Sie gliedert und verbindet gleichermaßen, gibt der Trauerhalle den angemessenen Bezug zum Friedhof und findet in der Gegenbewegung der Erdaufschüttung mit großem Hochkreuz seinen Abschluss«, so die städtische Erläuterung aus den frühen 1990er Jahren.

Nun, rund 30 Jahre nach der ersten Beisetzung, wird das Bild des Parkfriedhofs noch immer von riesigen grünen Wiesen und Bäumen dominiert. 152 Erdbestattungen gab es auf dem Friedhof im vergangenen Jahr, hinzukamen 61 Urnenbestattungen.

Südwestlich bietet sich Besuchern ein etwas verändertes Bild. Orientalisch klingende Namen reihen sich hier aneinander, die Formen der Grabsteine werden unterschiedlicher, die Gräber sind seltener klar umrandet. Der Friedhof Heiligenstock ist der Frankfurter Friedhof mit den meisten muslimischen Beisetzungen in der Mainmetropole: »Die möglichen noch freien Flächen sind spätestens 2022 belegt, sodass dann auf andere Friedhöfe wie den Hauptfriedhof oder den Friedhof Frankfurt Höchst ausgewichen werden muss«, teilt das Grünflächenamt mit. Neben dem islamischen Friedhof ist an anderer Stelle ein Bereich für Baumbestattungen auf dem Friedhof zu finden, und sogar Mustergräber, angelegt von angehenden Friedhofsgärtnern, liegen hier. Diese stehen abseits der übrigen Gräberfelder und sind mit einem Schild gekennzeichnet: Anlässlich der staatlichen Abschlussprüfung entstanden 2015 diese Grabanlagen.

Etwas über 200 Bestattungen gab es im vergangenen Jahr auf dem Parkfriedhof Heiligenstock.

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