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Der einzuhaltende Mindestabstand erschwert das gemeinsame Spielen. Spaß haben die Mitglieder der Bad Vilbeler Stadtkapelle trotzdem alle.

Ein Neustart mit ganz viel Freude

Gemeinsam in einem Raum musizieren und Spaß haben: Das geht endlich wieder für die Musiker der Bad Vilbeler Stadtkapelle. Nach monatelangem Proben über Videokonferenz sehen sich die Musiker nun wieder. Und das gerade rechtzeitig: Im Juli steht bereits der erste Auftritt nach der Corona-Pause an.

N ach und nach trudeln die Musiker der Stadtkapelle Bad Vilbel ein. Masken werden aufgesetzt, aber das Lächeln und die gute Laune sieht man auch in den Augen. Freundschaftlich wird sich begrüßt - man merkt, dass sich jeder freut, endlich wieder proben zu können.

Die Instrumente werden ausgepackt, auf der Klarinette wird eine Tonleiter gespielt. Manch einer übt ein letztes Mal das Stück, bevor es gemeinsam gespielt wird. Für heute steht das bekannte Shanty-Lied »Wellerman« auf dem Programm. Wer nicht mit seinem Instrument beschäftigt ist, unterhält sich mit seinem Nachbarn. Alle freuen sich, nach der langen Zeit wieder gemeinsam musizieren zu können.

Und dafür braucht es im Moment noch ganz viel Platz. Denn mit so vielen Musikerinnen und Musikern wird es selbst in geräumigen Mensa der Europäischen Schule in Dortelweil eng: Ein Abstand von zwei Metern muss beim Spielen eingehalten werden. In ihren üblichen Probenraum kann die Stadtkapelle aktuell nicht - da ist zurzeit ein Testzentrum beherbergt. Mit Mindestabstand hätte sich dort aber sowieso nicht proben lassen.

Mehr auf den Dirigenten achten

Der Abstand macht einen großen Unterschied beim Musizieren. »Normalerweise sitzen wir alle so eng wie möglich beieinander. Dann hört man seinen Nachbarn besser und kann sich gut aneinander orientieren. Wenn wir den Abstand einhalten, dann kommt der Schall verzögert an und es gibt einen Hall«, erklärt Vorsitzender Alexander Fry. Man müsse sich nun mehr an Dirigent René Wilhelm orientieren. »Das ist aber eigentlich gar nicht so schlecht«, lacht der Schlagzeuger.

Auch kann nur proben, wer geimpft oder einen tagesaktuellen, negativen Test vorlegen kann. Und die Musiker haben auch schon ein Ziel: Im Juli wollen sie beim »Summer-Emotions«-Kulturfestival in Bad Vilbel spielen.

Michael Spiegler spielt das Saxofon in der Stadtkapelle. Er merkt deutlich, dass ihm in den acht Monaten Spielpause etwas gefehlt hat. »Für mich ist das Musizieren wie Meditation, wo man einfach abschalten kann. Das geht zu Hause alleine nicht so gut.«

Während des Lockdowns haben sich die Musiker mit vielen verschiedenen Methoden bei Laune gehalten. Neben Video-Probestunden gab es regelmäßig neue Lieder zum Einstudieren und Probewettbewerbe. Außerdem wurden gemeinsam mehrere Musikvideos produziert. In der Zeit haben die Musiker und der Vorstand gleichermaßen gelernt, flexibel zu planen und sich kurzfristig auf neue Gegebenheiten einzustellen. Technisch wurde auch viel Neues ausprobiert.

»Wir haben auf ›Jamulus‹ gemeinsam geprobt. Die Plattform ist nicht leicht zu bedienen. Wir haben es trotzdem geschafft, dass Alt und Jung dabei sein können«, erinnert sich Fry an die vergangenen Monate mit der Stadtkapelle.

Miteinander ein großer Faktor

»Ich habe jetzt acht Monate nicht gespielt, das merke ich schon«, erzählt Helga Zimmermann. Weil die 48-Jährige technische Probleme hatte, konnte sie im Lockdown nur wenige Male an den Proben teilnehmen. Umso mehr freut sie sich jetzt, wieder spielen zu können. Erich König spielt seit 60 Jahren Klarinette in der Bad Vilbeler Stadtkapelle. Er findet die Proben »in Natur« besser als die Videoproben. »Man kann sich viel besser mit seinen Kollegen unterhalten. Die soziale Gemeinschaft ist mir sehr wichtig.« Auch der Dirigent könne so besser den Musikern helfen, falls etwas nicht stimmt.

Die Stadtkapelle sucht jederzeit nach neuen Mitspielern. Es gibt eine Hauptkapelle, eine jeweils für Schüler und Jugendliche. Auf der Website finden sich mehr Informationen. Eine Kontaktaufnahme ist über info@stadtkapelle- bad-vilbel.de möglich.

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