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Bisher gibt es in Bad Vilbel kaum Ladestationen für Elektroautos. »Da muss dringend etwas passieren«, sagt Stefan Bremer-Riedl.

Bad Vilbeler kritisiert Stadt

Kritik an E-Mobilität in Bad Vilbel: Was wurde aus den Versprechen der Stadt?

  • vonPatrick Eickhoff
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Bis zum Hessentag 2020 sollte in jedem Bad Vilbeler Stadtteil eine E-Ladesäule stehen. »Was ist aus diesem Versprechen geworden?«, fragt Stefan Bremer-Riedl. Er findet: die Stadt hinkt bei der E-Mobilität hinterher.

Die Elektromobilität liegt Stefan Bremer-Riedl am Herzen. Im vergangenen September hat sich der 63-Jährige einen sogenannten Plug-In-Hybriden gekauft. »Er schaltet nach 50 Kilometern auf den Verbrennungsmotor um. Aber der Wagen lässt sich an der normalen Steckdose laden. Das ist super«, sagt er. Doch der Gronauer hat ein Problem: »In Bad Vilbel gibt es außer auf Supermarktparkplätzen und beim Bauzentrum Maeusel keine Ladestationen. In anderen Kommunen klappt das mit dem Ausbau viel besser.«

Bad Vilbel: E-Ladesäulen in der Tiefgarage der Stadt nur über kostenpflichtige Zufahrt erreichbar

In der Tat: 2018 wurde angekündigt, dass bis zum Hessentag 2020 in jedem Bad Vilbeler Stadtteil eine E-Ladesäule stehen soll. »Passiert ist nichts«, sagt Bremer-Riedl. »Und jetzt lese ich auf manchen Wahlplakaten, dass man sich für Ladestationen beispielsweise in Gronau einsetzt. Versprechungen und Realität liegen da weit auseinander.« Der 63-Jährige bemängelt, dass man in Vilbel »offensichtlich nicht bereit ist, für die E-Mobilität«. 2018 habe man schließlich von einer Pandemie nichts ahnen können. »Die versprochenen Ladesäulen in der Tiefgarage der Stadthalle werden nur über eine kostenpflichtige Zufahrt erreichbar sein. Das ergibt keinen Sinn.«

Stadtsprecher Yannick Schwander sagt auf Anfrage, dass man zunächst Erfahrungen sammeln wolle. »Es war stets so kommuniziert, dass die Stadtwerke sich zunächst mit einer beachtlichen Anzahl von Ladestationen in der Tiefgarage der neuen Stadthalle engagieren werden. Wenn hier dann die ersten Erfahrungen gemacht wurden, werden diese ausgewertet und für ein Konzept für die Stadtteile entsprechend angewandt beziehungsweise umgesetzt. Von dieser Linie möchten weder die Stadtwerke noch die Stadt abweichen, da dies ein guter und gangbarer Weg ist, um eine konzeptionelle Ausweitung der Ladestruktur durchzuführen«, erklärt Schwander.

Auch zum Thema »kostenpflichtige Tankstelle« hat der Pressesprecher eine klare Antwort: »Dass die Ladepunkte in der Tiefgarage liegen, heißt natürlich auch, dass man in die Tiefgarage einfahren muss. Damit fallen entsprechend auch Kosten an. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass die erste halbe Stunde Parken hier durch die, in Bad Vilbel übliche, Brötchentaste komplett kostenlos ist und pro angefangene Stunde danach lediglich ein Euro an Parkgebühr anfällt.« Die öffentlichen Ladestationen sollen nicht dazu dienen, dass hier Elektroautos kostenlos komplett aufgeladen werden können, »sondern stellen einen Service dar, sein Elektroauto während eines Stadtbummels oder eines Besuchs der Stadthalle laden zu können.«

Stefan Bremer-Riedl sagt: »Das Aufladen eines Autos dauert mehrere Stunden. Darum geht es überhaupt nicht. Immer mehr Supermärkte installieren solche Stationen, einfach weil es auch Kunden anzieht. Wenn ich mich mit anderen unterhalte, stellen wir fest, dass sich in Bad Vilbel sehr wenig tut - trotz Versprechungen.«

E-Mobilität in Bad Vilbel: Hessisches Förderangebot für die Verbesserung der Lade-Infrastruktur geht weiter

Dabei gebe es viele Fördermittel, die andere Kommunen auch nutzen würden. »Das Land unterstützt die Städte sehr. Deshalb verstehe ich nicht, warum sich kaum etwas tut.«

Pressesprecher Schwander sagt, der Ausbau der Lade-Infrastruktur werde sicherlich in den kommenden Jahren deutlich an Fahrt aufnehmen. »Er ist bislang jedoch in dem vorgestellten Plan. Auch den städtischen Gremien wurde dies in Stellungnahmen entsprechend kommuniziert.«

Das hessische Förderangebot für die Verbesserung der Lade-Infrastruktur für E-Autos geht in die nächste Runde: Ab sofort können Unternehmen und Kommunen Anträge für die Errichtung von Ladesäulen bei der landeseigenen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft, der Hessen Agentur, einreichen. Darüber informiert das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. »Für Nutzer und Nutzerinnen von Elektrofahrzeugen ist das Laden am Arbeitsplatz und an öffentlichen Parkplätzen attraktiv, da nicht alle zu Hause über eine entsprechende Lade-Infrastruktur oder einen festen Parkplatz verfügen. Daher stellen wir rund 7 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung und erweitern sogar den diesjährigen Förderaufruf, neben dem Arbeitgeberladen sind jetzt auch Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum förderbar«, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Dienstag in Wiesbaden. »Elektromobilität wird einen maßgeblichen Einfluss auf den Verkehr in unseren Ballungszentren haben und gleichzeitig im ländlichen Raum an Bedeutung gewinnen. Dafür ist der einfache Zugang zur Lademöglichkeiten eine wichtige Stellschraube.«

Neu anzuschaffende Schnell- und Normalladesäulen sowie Wall-Boxen aller Leistungsklassen, die an Wänden montiert werden können, sind mit bis zu 40 Prozent förderfähig. Zusätzlich können Netzanschlusskosten mit bis zu 10 000 Euro pro Ladestandort bezuschusst werden. Dazu zählen die Planungsleistungen, Installationskosten und die anfallenden Erdarbeiten für den elektrischen Anschluss. Ob auf einem Betriebsgelände, auf einem Kundenparkplatz oder auf einer öffentlichen Parkfläche in der Nähe eines touristischen Ausflugsziels: Pro Förderantrag können mitunter mehrere Ladestandorte entstehen. Das Förder-Team der Hessen Agentur berät zu den einzelnen Fördervoraussetzungen. Förderanträge müssen bis zum 30. April eingereicht werden. Informationen dazu gibt es unter innovationsfoerderung-hessen.de/ladesaeulen. red

Stefan Bremer-Riedl

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