Landkauf

Der Dottenfelderhof in Bad Vilbel wächst und gedeiht

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Seit 50 Jahren wird der Dottenfelderhof in Bad Vilbel biologisch-dynamisch betrieben. Die nachhaltige Bewirtschaftung ist durch den Kauf von 143 Hektar für die nächsten 60 Jahre gesichert.

Wieder einmal ist ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Dottenfelderhofes, dessen Ursprung auf einen freien Königshof der Karolinger im 8./9. Jahrhundert zurückgeht, aufgeschlagen worden. Die neu gegründete Dottenfelder Bodenstiftung hat die um das Hofareal liegenden 143 Hektar Ackerflächen nach einstimmigen Beschluss des Haushaltsausschusses des Hessischen Landtages vom Land für 3,2 Millionen Euro gekauft. Bisher hatte die Landbauschule die Flächen vom Land gepachtet.

Von den 200 000 Euro Stiftungskapital bringen die gemeinnützige GLS Treuhand 170 000 Euro und die Landbauschule Dottenfelderhof 30 000 Euro ein. Wie Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid bei der Übergabe der Anerkennungsurkunde betonte, soll die Stiftung Ausbildungs- und Forschungsstätten schaffen, die die ökologische und biologisch-dynamische Wirtschaftsweise erforschen. Außerdem soll ihr Potenzial für eine nachhaltige Landwirtschaft und zur Erhaltung der Biodiversität ergründet werden.

In 1920ern entwickelt

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft erhebt zusätzliche Anforderungen an das Tierwohl und die Ökologie. Sie fordert etwa geschlossene Nährstoffkreisläufe. In den 20er Jahren entwickelt, bildet sie die Wiege der ökologischen Bewegung. Bereits 1980 hatte die Betriebsgemeinschaft, vertreten durch die Landbauschule, den Hof mit allen Gebäuden (sprich den "Kernbetrieb") plus 19,5 Hektar umliegendes Land erworben.

An der 1974 gegründeten Landbauschule werden derzeit 20 Landwirte, Gärtner, Gartenbauer, Einzelhandelskaufleute, Käser, Bäcker und Konditoren ausgebildet. Hinzu kommen Bundesfreiwillige sowie 14 Schüler aus der ganzen Welt, die die einjährige Fachschule besuchen. International bekannt ist der Dottenfelderhof vor allem durch seine Forschung und die Getreide- und Gemüsezüchtung. Die Besonderheit der klassischen Kreuzungs- und Selektionszüchtung ist, dass sie "on Farm" erfolgt, also innerhalb der Fruchtfolge eines Betriebes und damit angepasst an die Bedürfnisse und Bedingungen des biologisch-dynamischen Landbaus, sagte Dr. Ben Schmehe aus der Forschung und Züchtung des Dottenfelderhofs. "Wir züchten für den ökologischen Anbau und die Welt." Ziel sei es, die Sorten beim Bundessortenamt anzumelden. Für die Entwicklung einer Getreidesorte benötige man zehn Jahre, die Kosten lägen bei einer Million Euro.

Neuestes Forschungsprojekt am "Dotti" ist Leindotter (Kreuzblütengewächs). "Wir haben bereits vor 15 Jahren Sorten eingekreuzt, die mit trockenem Klima oder Feuchtigkeit zurechtkommen. Züchter müssen weit voraus denken", erklärt Schmehe. Im Gegensatz zu gentechnisch manipuliertem Saatgut, bei dem die Pflanzen kein keimfähiges Saatgut mehr hervorbringen, legten die Forscher und Züchter der Betriebsgemeinschaft jedes Jahr Kreuzungen mit dem Ziel an, eine Vielfalt an Eigenschaften zu erzeugen.

Resistenzen gegenüber Saatgut übertragbaren Krankheiten

Zu den gewünschten Attributen gehören Resistenzen gegenüber Saatgut übertragbaren Krankheiten. Auch sollten die Pflanzen trotz der beschränkten Stickstoffverfügbarkeit im Boden noch einen guten Ertrag und eine gute Qualität erbringen. "Das ist bei konventionellen Sorten oft ein Problem, da sie kurze Halme haben. Diese sollen die Standfestigkeit und den Ertrag erhöhen sowie Unkraut unterdrücken", so der Forscher.

Das Getreide auf dem Dottenfelderhof sei langstrohig, eigne sich für die Einstreu. Abgelehnt würden außer Kalk alle chemisch-mineralischen Dünger. Auf die Felder komme der Kuhmist aus den eigenen Ställen.

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