Silke Mahatzky liefert mit ihrem grünen Fahrrad seit einigen Wochen Bücher aus. Doch ab Montag hat ihr Laden in Dortelweil wieder geöffnet.
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Silke Mahatzky liefert mit ihrem grünen Fahrrad seit einigen Wochen Bücher aus. Doch ab Montag hat ihr Laden in Dortelweil wieder geöffnet.

Kreative Ideen zu Corona-Zeiten

Bücher-Service: Die Lektüre kommt auf zwei Rädern

  • vonNiklas Mag
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Die Corona-Pandemie schadet dem Einzelhandel. Kreative Ideen sind gefragt. Silke Mahatzky gehört der Buchladen »Lesezeit« in Dortelweil. Sie liefert seit Wochen Bücher mit ihrem Fahrrad aus.

"Erst mal dachte ich einfach nur: 'Mist'«, erinnert sich Silke Mahatzky an den Beginn der Corona-Zeit zurück. »Es war ja erst mal gar nicht so abzusehen, welche Ausmaße das Ganze annimmt.« Doch die Ladenschließungen hätten schließlich natürlich auch ihren Buchhandel »Lesezeit« im Dortelweiler Brunnencenter getroffen. »Das ging alles sehr schnell. Deshalb haben wir den Lieferservice innerhalb von einem Tag aus dem Boden gestampft«, berichtet sie.

Susanne Reichert, die sich für Silke Mahatzky um Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit kümmert, habe sofort versucht, den neu angebotenen Lieferservice über alle Kanäle bekannt zu machen.

Dortelweiler Bücher-Service: Täglich 40 bis 50 Lieferungen

»Da haben die sozialen Medien wirklich geholfen. Der Facebook-Beitrag wurde von mehr als 6000 Personen gesehen, viele haben es weiter verbreitet«, sagt Reichert. »Unsere Kunden haben uns damit wirklich geholfen«, betont Silke Mahatzky. Ihr grünes Fahrrad habe sie auch vor Corona schon für die ein oder andere Bücherlieferung genutzt: »Ich biete das sonst auch an, allerdings nicht in dem Ausmaß und dieser Häufigkeit«, erklärt die Buchhändlerin. »Wir hatten erst ein Abholfach eingerichtet, damit die Kunden ihre bestellten Bücher abholen können, doch das durfte wegen der verschärften Richtlinien dann auch nicht mehr genutzt werden.« Der Lieferservice blieb die einzige Möglichkeit - und diese funktionierte: »Ich habe etwa 40 bis 50 Lieferungen pro Tag zu erledigen. Das dauert natürlich mehrere Stunden«, berichtet Mahatzky. Nicht nur in Dortelweil sei sie mit ihrem Fahrrad unterwegs. Die Bestellungen hätten sie auch nach Niddatal, Berkersheim und die anderen Vilbeler Stadtteile geführt.

»Das Ganze ging natürlich auch kontaktlos, oft habe ich die Bücher einfach in den Briefkasten gelegt.« Sie freue sich sehr über das gute Feedback der Kunden. »Über die sozialen Medien haben sich wirklich viele Kunden bedankt und uns weiterempfohlen. Wir haben auch sehr schöne E-Mails bekommen, und da freue ich mich total drüber.« Eigentlich seien die Leute es ja gewohnt, dass Bücher nach Hause geliefert werden. »Es freut mich, dass die Kunden das dennoch zu schätzen wissen«, erklärt Silke Mahatzky glücklich. Es hätten sogar Kunden Bücher bei ihr bestellt, einfach um die »Lesezeit« zu unterstützen.

Dortelweiler Bücher-Service: Arbeit von früh bis spät

Und das ist nötig. Denn so gut der Lieferservice auch funktioniert, das große Problem namens Corona machte die vergangenen Wochen für die Händlerin mehr als schwierig. »Das hat mich durch diese Zeit gebracht, aber es ist definitiv nicht kostendeckend«, verrät sie. »Ich habe jeden Tag deutlich länger gearbeitet, habe früh angefangen und bin teilweise nach dem Abendessen zu Hause direkt wieder los, um noch einige Lieferungen zu erledigen.« Der Arbeitsaufwand sei enorm gewesen. »Deshalb bin ich ganz froh, dass am Montag mein Laden wieder aufmacht.« Denn die von Bund und Land dieser Tage beschlossenen Lockerungen der Corona-Regeln betreffen Silke Mahatzkys Buchhandlung positiv.

»Dennoch werden wir vorerst weiter Bücher ausliefern, und zwar an Personen, die durch das Virus besonders gefährdet sind. Niemand sollte auf Bücher verzichten müssen«, findet sie.

Das Virus habe jedoch nicht nur den Buchhandel ins Straucheln gebracht, auch der eigentlich gut gefüllte Veranstaltungskalender der »Lesezeit« ist vorerst geleert. »Wir hatten einige Lesungen geplant, diese sind nun vorerst in den Herbst verschoben«, meint Organisatorin Reichert und hofft, dass sie dann stattfinden können.

Dortelweiler Bücher-Service: Aufgezeichnet und online ausgestrahlt

Am 6. Mai liest Jasmin Meranius aus ihrem Buch mit dem Titel »Verurteilt - Ein Fall für Konrad Krümmer«. Die Lesung findet nicht in der Lesezeit statt, sondern wird aufgezeichnet und danach online ausgestrahlt. Weiter geht es am 2. September um 20 Uhr mit Meddi Müller. Er liest aus seinem Krimi »Schweinebande«.

Weitere Informationen sind im Internet unter info@lesezeit- badvilbel.de zu finden, zudem wird der Laden im Brunnencenter von diesem Montag an voraussichtlich wieder geöffnet haben. 

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