Die Anwohner der Homburger Straße sind mit den Plänen unzufrieden. Deshalb wollen sie sich von einem Anwalt beraten lassen. Heute Abend wollen sie außerdem das Gespräch mit Bad Vilbels Stadtverordneten suchen.
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Die Anwohner der Homburger Straße sind mit den Plänen unzufrieden. Deshalb wollen sie sich von einem Anwalt beraten lassen. Heute Abend wollen sie außerdem das Gespräch mit Bad Vilbels Stadtverordneten suchen.

Bebauungsplan

Konflikt zwischen Anwohnern und der Stadt Bad ViIbel: »Diese Pläne sind eine Frechheit«

  • VonPatrick Eickhoff
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An der Homburger Straße in Bad Vilbel formiert sich Widerstand. Anwohner sind sauer, dass an ihrer Straße ein zwölf Meter hohes Gebäude entstehen soll - inklusive Tiefgarage.

Bad Vilbel – Die Stimmung war schon besser an der Homburger Straße. Rund 20 Anwohner stehen in der Spielstraße und diskutieren. »Das ist eine Frechheit«, ist aus der einen Ecke zu hören. »Wir fühlen uns komplett in die Irre geführt«, aus der anderen. Zusammengetrommelt haben die Anwohner Klaus Erlenbeck und Karin Klöss. Der Grund: Am Ende der Homburger Straße, unmittelbar hinter der Bushaltestelle »Kennedy-Schule«, soll ein zwölf Meter Gebäude inklusive Tiefgarage entstehen. »Die wollen die Einfahrt durch die Spielstraße lenken. Das kann nicht ihr Ernst sein«, sagt Karin Klöss.

Bad Vilbel: Anwohner kritisieren Informationsfluss

Stadtpressesprecher Yannick Schwander beruhigt. Es gehe um maximal 200 Kfz-Fahrten am Tag - 100 Hin und 100 zurück. »Das ist für einen verkehrsberuhigten Bereich nicht sehr viel. Im Vergleich beispielsweise: Massenheim ist fast komplett über einen verkehrsberuhigten Bereich erschlossen.« Um ein geordnetes Erschließen des Plangebietes von Norden her sicherzustellen, würden am südlichen Rand entlang der Homburger Straße sowie am östlichen Rand des Gebietes entlang der öffentlichen Straßenverkehrsfläche mit der Zweckbestimmung »Fußgänger- und Radwegebereich« planzeichnerisch Bereiche festgesetzt, in denen keine Ein- und Ausfahrten zu beziehungsweise von den Baugrundstücken erfolgen dürfen. Dadurch würde eine Beeinträchtigung des Verkehrsflusses auf der Hauptverkehrsachse der Homburger Straße vermieden und zudem die Sicherheit des angrenzenden Fußweges sowie der angrenzenden Bushaltestelle »Kennedy-Schule« gewährleistet.

Die Anwohner treibt deutlich mehr um. Sie fühlen sich nicht richtig informiert. Sabine Schwaiza sagt: »Es hieß nie, dass hier so ein hohes Gebäude gebaut werden soll.« Schwander informiert, dass die Stadtverordnetenversammlung die Aufstellung des ursprünglichen Bebauungsplanes bereits am 1. November beschlossen hat »Dieser Beschluss wurde amtlich bekannt gemacht. Die Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit fand am 21. Dezember 2011 in Form einer Info-Veranstaltung statt.« Die Unterlagen seien mehr als einen Monat ausgelegt gewesen. »Alle Unterlagen stehen im Internet.« Die zweite Änderung sei noch in den Gremien. »Es wurde weder die Aufstellung, noch die Offenlage beschlossen. Wenn dies geschieht, werden sämtliche Unterlagen wieder öffentlich ausgelegt und ins Internet eingestellt. Das wiederum wird amtlich bekannt gemacht.« Schwander fasst zusammen: »Die Stadt erfüllt hier sämtliche gesetzliche Vorgaben.«

Anwohner wollen Tiefgarage in Bad Vilbel verhindern

Christa Grau und Getrud Boffo machen sich Sorgen um die Häuser. Die seien schließlich alt. »Die Fundamente sind von 1899. Die halten keine Tiefgarage aus«, sagt Boffo. »Wenn hier Risse entstehen, wer kommt denn dann für die Schäden auf?« Die Antwort des Stadtpressesprechers fällt kurz und knapp aus: »Durch die Tiefgarage werden die Fundamente der Häuser nicht belastet. Dazwischen liegt eine Straße mit Kanal und Co.«

Eine Tiefgarage wollen die Anwohner trotzdem verhindern. Deshalb haben sie sich für heute Abend in der Stadtverordnetenversammlung angekündigt, um Präsenz zu zeigen und vielleicht auch das ein oder andere Gespräch zu führen. Eine Anwohnerin fügt an, sie habe Redebedarf. »Wir haben uns erst im vergangenen Sommer eine teure Solaranlage gekauft. Jetzt soll ein zwölf Meter großes Gebäude gebaut werden. Dann können wir mit Schatten heizen und es ist vorbei mit Licht, Sonne, Lebensqualität.«

Mitarbeiter der Stadt Bad Vilbel geben sich gesprächsbereit

Schwander entgegnet: »Zwischen den Grundstücksgrenzen der bestehenden Wohnbebauung und dem Plangebiet liegt der verkehrsberuhigte Bereich mit einer Breite von über acht Metern. Die Häuser der Anwohner selbst sind zwölf Meter hoch.« Die Belange Belüften und Licht und damit die Wohnqualität der bestehenden Nachbarhäuser würden durch die Bebauungsplanänderung nicht negativ beeinträchtigt. Karin Klöss, die viele Anwohner versammelt hat, hat den Prozess um das Gebäude anders in Erinnerung. »Es war nie die Rede von einem Ingenieurbüro.«

Pressesprecher Yannick Schwander sagt: »Was dort entstehen kann, war schon immer im B-Plan geregelt und zwar nur solche Gewerbebetriebe, die das Wohnen im Sinne des Paragraf 6 der Baunutzungsverordnung (Mischgebiet) nicht wesentlich stören.« Im aktuellen B-Plan-Entwurf seien Gewerbebetriebe aller Art und öffentliche Betriebe, sowie Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude zulässig. Die Emissionskontingente würden in einer Größenordnung ausgewiesen, dass die schalltechnischen Richtwerte eines Wohngebietes unterschreite. »Das ist eine wesentliche Änderung zugunsten der Anwohner.« Um diese und viele weitere Fragen zu klären, hat sich Erster Stadtrat und Baudezernent Sebastian Wysocki bereits für ein Gespräch mit den Anwohnern angekündigt. Karin Klöss sagt: »Hoffentlich ist es dann noch nicht zu spät.« (wpa)

Stadtverordnete tagen

Bad Vilbels Stadtverordnete stimmen am heutigen Dienstag über die Änderung des Bebauungsplans ab. Los geht die Sitzung im Dortelweiler Kultur- und Sportforum um 18 Uhr. Außerdem wird Herbert Anders zum »Ehrenstadtverordnetenvorsteher« ernannt. Eine Übersicht über die Tagesordnung gibt es unter rim.ekom21.de/bad-vilbel/ termine.

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