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Gemeinsam statt einsam ist das Motto im Café Kleeblatt, in dem an Demenz Erkrankte betreut werden. Gäste und Betreuer sitzen nach der coronabedingten Pause jetzt wieder am großen Tisch.

Café Kleeblatt.

Demenzkranke singen, spielen, hören Geschichten

  • VonRedaktion
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Gemeinsam statt einsam verbringen Menschen mit Demenz ihre Zeit im Bad Vilbeler Café Kleeblatt. Sie singen, erzählen Geschichten, lesen Gedichte. Nach der Corona-Pause gibt es einen Neustart.

Großer Gott wir loben dich«, so schallt es aus dem Café Kleeblatt. Angestimmt haben den bekannten Choral von Ignaz Franz aus dem Jahr 1771 drei Gäste, drei ehrenamtliche Betreuer und Caritas-Pflegefachkraft Lucia André. Begleitet werden sie auf dem Klavier von Andrea Riegel. Gesungen wird das ökumenische Kirchenlied auf Wunsch eines Gastes in der »katholischen Version«. »Ich habe früher im Kirchenchor gesungen«, begründet der Gast seinen Wunsch.

Ein weiterer Gast wünscht sich danach das bekannte deutsche Volkslied »Ein Jäger aus Kurpfalz«. Auch dessen Strophen kennen die Gäste und stimmen es an. »Wir müssen derzeit alle Lieder aus dem Gedächtnis singen. Wir haben einen Schrank voller Liedertexte, die wir in der Pandemie aber nicht verteilen dürfen«, sagt Lucia André.

Auf jeden Gast im Café Kleeblatt kommt eine ehrenamtlichere Betreuerin oder ein Betreuer. Diese wurden auf ihre Aufgabe gut vorbereitet. Geleitet wird das Treffen von einer Pflegefachkraft der Caritas-Sozialstation oder Diakonie.

Für die Gäste ist es nie langweilig

Im Café Kleeblatt ist es für die Gäste nie langweilig. »Ich komme gern hierher. Am besten gefällt es mir hier, wenn ich ein neues Lied lerne oder ein bekanntes wieder singen kann«, sagt ein Gast. Zum abwechslungsreichen Programm gehören Singen, Geschichten lesen, Gedichten lauschen, Erinnerungen austauschen, einfache Rätsel lösen, gemeinsam basteln oder sich mit Gesellschaftsspielen die Zeit zu vertreiben. Wolfgang Gessner, seit 15 Jahren ehrenamtlicher Betreuer, sagt: »Toll ist es, wenn Gäste ihre Fähigkeiten in die Gruppe einbringen können. Einer unserer früheren Gäste war ein ausgezeichneter Schachspieler. Er war für mich lange Zeit ein toller Spielpartner.«

Ab und zu kommt eine Tiertherapeutin zu Besuch ins Café Kleeblatt oder die Malerin und Grafikdesignerin Ute Ringwald. Regelmäßig verstärkt Physiotherapeutin Beate Müller das Team. Sie macht mit den Senioren Gymnastik, begleitet sie beim Walken und auf Spaziergängen.

Vor diesem Pressebesuch hat die Tochter eines Teilnehmers dem Team geschrieben: »Gerne können Sie Fotos machen und über die Treffen berichten. Mein Vater kommt immer sehr gern zu Ihnen.« Der Vater hört das und sagt: »Meine Tochter fragt immer, was ich hier mache.«

Mit den gemeinsamen Aktivitäten in der Gruppe werden die sozialen und geistigen Fähigkeiten der betreuten Gäste angeregt. Sie leben auf, haben Spaß miteinander und bringen sich mit ihren Fähigkeiten in die Gruppenaktivitäten ein. »Zurzeit können wir kein Mittagessen anbieten. Jeder bringt selbst einen Imbiss mit«, informiert die hauptamtliche Betreuerin Martina Ott-Lüttig.

Zehn Gäste können sich derzeit im Café Kleeblatt treffen. Zurzeit sind in den Betreuungsgruppen wieder Plätze frei.

Jeder bringt einen Imbiss mit

Eine weitere Einschränkung durch die Pandemie ist, »dass wir nur Gäste aufnehmen können, die in der Lage sind, im Bus eine Maske zu tragen«. Alle, die nicht von ihren Angehörigen zum Café Kleeblatt gebracht werden können, werden durch ehrenamtliche Fahrer mit dem Kleinbus der AWO Massenheim abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Die aktuellen CoronaRegeln werden beachtet. Weitere Fahrer für den ehrenamtlichen Transport der Gäste im AWO-Kleinbus sind willkommen.

Gründerin des Café Kleeblatt war Lucia André. Sie schrieb das Konzept für ein niederschwelliges Angebot für Menschen mit Demenz nach einer Schulung in Rheinland-Pfalz und Hospitation in einer Betreuungsgruppe für Demenzkranke. Pfarrer Konrad Schulz suchte dann 2004 Partner für eine Trägergemeinschaft. »Gestartet sind wir im Januar 2005 mit acht Gästen. Nach einen Jahr hatten wir zwei Gruppen und nach zwei Jahren drei Gruppen«, informiert André. Sie lobt den großen Einsatz und das strategische Denken von Dr. Hans Ulrich Callies.

Willkommen sind neben Fahrern auch Betreuer. »Viele ältere Betreuer haben aus Altersgründen aufgehört. Wir freuen uns über Ehrenamtliche, die sich trauen, mit älteren Menschen umzugehen. Alle, die es machen, stellen schnell fest, dass es eine große Bereicherung ist. Das Gros unserer Gäste ist untereinander zugewandt und solidarisch.«

Viele Menschen leiden an altersbedingten Demenzerkrankungen. Demenz ist eine Hirnschädigung, die mit Gedächtnis- und Denkstörungen sowie Desorientierung und Veränderung der Persönlichkeit einhergeht. Mit dem Café Kleeblatt sollen Angehörige, die Demenzkranke zu Hause versorgen, entlastet werden.

Die Demenzkranken singen gerne, können die Liedtexte oft noch auswendig. Am Klavier begleitet sie Andrea Riegel.

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