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Der neue Vorsitzende Klaudius Kroh (rechts), sein Stellvertreter Frank Dörrbecker (links) und Pressebeauftrager Peter Schneider wollen beim Schützenverein das Chaos der vergangenen Wochen hinter sich lassen.

Neuer Vorstand, mehr Transparenz?

»Das darf es so nicht mehr geben« - Neuer Vorstand des Schützenvereins im Interview

Beim Bad Vilbeler Schützenverein war in den vergangenen Wochen einiges los. Der neue Vorsitzende Klaudius Kroh, sein Stellvertreter Frank Dörrbecker und Pressebeauftragter Peter Schneider sprechen im Interview über den Vorwurf der Spaltung im Verein, neue Disziplinen und welche Ziele sie sich gesetzt haben.

Nach einer chaotischen ersten Jahreshauptversammlung ist der Vorstand nicht entlastet worden. Es folgte eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Wie ist diese abgelaufen?

Klaudius Kroh: Sehr sachlich und sehr konstruktiv. Der Vorstand ist zur Hälfte ausgewechselt worden. Einzelne Vorstandsmitglieder haben gleich zu Beginn der Sitzung das Wort ergriffen und bestimmte Dinge klären können. So haben wir viel Transparenz aufgebaut.

Peter Schneider: Die Mitglieder haben viele qualitative Fragen gestellt. Niemand hat nach der turbulenten Sitzung davor provoziert. Dadurch, dass der Vorstand direkt nach der Ehrung der älteren Mitglieder ein Statement abgegeben hat, waren alle 82 Anwesenden aufgeklärt.

Es sagt aber viel aus, dass zu Beginn direkt Statements abgegeben werden müssen, um eine Sitzung abhalten zu können oder?

Kroh: Das stimmt. Das war allerdings auch mehr als notwendig. Wir als Vorstand haben Fehler gemacht. Vieles wurde nicht offen kommuniziert. Das darf es so nicht mehr geben.

Also wurde der alte Vorstand entlastet?

Kroh: Nein, er wurde nicht entlastet. Das beruht auf einem laufenden Kassen-Prüfungsverfahren. Das nimmt mehr Zeit in Anspruch als erwartet.

Schneider: Ein Wunsch der Mitglieder war, dass es über den finanziellen Status des Vereins mehr Klarheit gibt. Deshalb wurde an der ersten Sitzung ein Team bestimmt. Das hat zu Beginn der zweiten Sitzung gesagt, dass es mit der Buchprüfung noch nicht fertig ist. Deshalb konnte noch keine Entlastung beantragt werden.

Im Zuge der ersten »chaotischen« Jahreshauptversammlung haben einige Mitglieder die Spaltung des Traditionsvereins moniert. Was sagen Sie dazu?

Kroh: Das ist zu erklären. Es gibt unterschiedliche Schützenverbände. Der größte ist der Deutsche Schützenbund (DSB). Aus diesem Urverband ist unter anderem auch der Bund Deutscher Schützen (BDS) hervorgegangen. Dieser ist in manchen Disziplinen moderner. Das bringt mehr Dynamik rein und ist besonders für jüngere Schützen interessant.

Wie viele junge Mitglieder hat der Verein denn?

Kroh: Zur Zeit sind es 21 in der Jugend und davon 13 aktive Schützen bei den Junioren Diese vertreten den Verein in verschiedensten Bereichen. Bogen, Luftgewehr und Kleinkaliber.

Schneider: Die Tendenz der Mitgliederzahlen ist steigend. Seit der außerordentlichen Hauptversammlung (aHV) haben wir sieben neue Mitglieder aufnehmen können.

Mitglieder hatten angedeutet, dass es beim »falschen Ausgang« der außerordentlichen Sitzung zu einer Austrittswelle kommen könnte. Diese ist also ausgeblieben?

Kroh: Absolut. Es hat niemand seit der aHV den Verein verlassen und wir sehen, dass der Unmut und Chaos durch vielfältige Fehlinformationen bei den Mitgliedern entstanden sind.

Was haben Sie dagegen unternommen?

Kroh: Wir veranstalteten dafür extra eine Informationsveranstaltung. Die war gut besucht. Dort sind die Unterschiede deutlich gemacht worden. In anderen Ländern wie den USA, sind vielleicht andere Sachen möglich, aber bei uns im Verein wird es niemals »geballert« und Schussabgaben aus der Bewegung oder über Hindernisse wird es nicht geben.

Also wird keine Disziplin gestrichen?

Kroh: Ganz im Gegenteil. Wir möchten mit den BDS-Disziplinen das Portfolio erweitern. Dabei geht es uns darum, den Schießsport zu fördern und die Gemeinschaft zusammen zu bringen.

Schneider: Früher waren viele Jäger im Verein. Jetzt haben wir mit Frank Dörrbecker und mir gleich zwei im Vorstand. Wir wollen als Vorstand auch den Jägern wieder anbieten mehr zu uns kommen. Somit bringen wir ein Stück Tradition und Vielfalt in den Verein.

Sie haben eben selbst von der Gemeinschaft gesprochen. Verschiedene Altersgruppen, verschiedene Verbände. Wie steht es um den Zusammenhalt?

Kroh: Die Gemeinschaft hat sehr gelitten, besonders in der Zeit von Corona. Die dadurch erzwungene Distanz und die strengen Kontaktregeln lassen die Geselligkeit kaum entstehen. Die Theke ist geschlossen. Die Leute müssen sich vorher anmelden und an die Aufenthaltszeiten halten. Sie können weniger schießen als vorher und Beisammensein ist kaum realisierbar. Samstags gab es früher immer Kaffee und Kuchen. Jetzt nicht mehr. Wenn die Regeln entspannter werden, hoffen wir die Kommunikation. die sich vielleicht innerhalb der Gruppen verselbstständigt hat, durch regelmäßige Treffen wieder auf ein Level bringen zu können

Manche Mitglieder äußerten den Vorwurf, dass es mit den Corona-Regeln und auch dem Alkoholausschank nicht immer so genau genommen wurde im vergangenen Jahr...

Kroh: Bei den Corona-Regeln sind wir sehr streng. Es herrscht schon lange das 3G-Prinzip. Wir nehmen die Vorwürfe aber ernst. Sollte jemand sich weigern, wird er sofort verwiesen. Das mit dem Alkohol weise ich entschieden zurück.

Woher kommt der Vorwurf?

Schneider: Das ist eine gute Frage. Hier schießt keiner, der Alkohol intus hat.

Kroh: Für Schützen gilt nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch auf dem Schießstand die 0,0 Promille Grenze. Als Vorstand sind wir Schießstandbetreiber, und müssen auf viele Regeln achten und setzen sie durch. Alkoholeinfluss wird als Grund für eine fehlende Zuverlässigkeit von den Behörden gesehen. Waffenbesitzkarte und Waffen werden kompromisslos eingezogen. Wir führen viele Gespräche mit jetzigen und neuen Mitgliedern.

Spielt dabei auch das Parteibuch eine Rolle?

Schneider: Ganz klar nein. Wir sind parteipolitisch und konfessionell schon immer neutral. Sollte es Auffälligkeiten geben, kann das allerdings bin zum Ausschuss aus dem Verein führen. Sobald eine Person versucht, andere zu beeinflussen, wird die Neutralität, der wir uns verschrieben haben, nicht mehr gewahrt.

Das heißt, Sie haben sich vorallem zum Ziel gesetzt die Transparenz nach innen und außen erhöhen?

Schneider: Genau. Es gibt Maßnahmen, die wir ergreifen. Unsere Webseite muss überarbeitet werden. Wir sind aktiv am überlegen, was wir machen können, um alle besser abzuholen. Möglich wäre eine Mitgliederzeitung oder ein regelmäßiger Newsletter. Wir haben da einige Ideen.

Kroh: Wir haben viele Sachen in der Planung. Zum Beispiel unser Königsschießen am 30. Oktober. Auch mit strengeren Corona-Regeln kriegen wir das hin. Wir sind uns sicher, dass dies der erste Schritt ist, die Gemeinschaft wieder aufleben zu lassen.

Den Schützenverein Bad Vilbel gibt es bereits seit 1898. Er zählt derzeit 212 Mitglieder. Es werden verschiedene Disziplinen angeboten von Bogen über Luftgewehr zu Kleinkaliber bis Großkaliber. Weitere Infos gibt es unter: www.schuetzenverein-bad-vilbel.de wpa

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