Von Darmwinden und Shakespeare

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Als sich Burgfestspiel-Intendant Claus-Günther Kunzmann und Schauspieler Norbert Kentrup vor Jahrzehnten zum ersten Mal trafen, waren sie sich nicht besonders sympathisch. Warum genau, erzählt Kunzmann seinem Publikum am Dienstag in der Stadtbibliothek Bad Vilbel nicht. Stattdessen übergibt er das Wort gleich an den Kunstschaffenden, mit dem ihn heute eine Freundschaft verbindet.

Als sich Burgfestspiel-Intendant Claus-Günther Kunzmann und Schauspieler Norbert Kentrup vor Jahrzehnten zum ersten Mal trafen, waren sie sich nicht besonders sympathisch. Warum genau, erzählt Kunzmann seinem Publikum am Dienstag in der Stadtbibliothek Bad Vilbel nicht. Stattdessen übergibt er das Wort gleich an den Kunstschaffenden, mit dem ihn heute eine Freundschaft verbindet.

Eingeladen war Kentrup im Rahmen der Burgfestspiele. Genauer: Im Vorfeld des Stücks "Shakespeare in Love", das im Sommer in der Quellenstadt zu sehen sein wird, sollte Kentrup aus seiner Karriere erzählen. Sozusagen als Einstimmung auf die Komödie über das Leben des jungen Lyrikers.

Kentrup verbindet nämlich einiges mit den Werken des englischen Autors und Dichters. "Der süße Geschmack von Freiheit" lautet der Titel des Buches des gebürtigen Düsseldorfers. In diesem beschreibt er unterhaltsam und zackig verschiedene Anekdoten seiner Schauspielerkarriere und die wichtigsten Stationen in seinem Leben.

Witzig und eloquent

Doch erheitert der 69-Jährige das Publikum zuerst mit einer seiner Lieblingsgeschichten. Mit einem Ensemble sei er einmal in einer ländlichen Region unterwegs gewesen, und – natürlich – Shakespeare sollte aufgeführt werden. Doch genoss die Gruppe vor dem Auftritt die örtlichen Spezialitäten, was sich als Fehler herausstellte, denn die Aufführung habe danach einem Kampf gegen die Darmwinde geglichen, die die Darsteller verzweifelt zurückzuhalten versuchten. Urkomisch und sprachlich elegant stellt Kentrup diese Begebenheit dar, widmet sich dann aber dem Hauptthema seines Buchs: die Suche nach der Freiheit im Theater.

Gespielt habe er einst unter dem Regisseur Kurt Hübner. Der Theatermacher habe einen autoritären Stil gepflegt und trotz seiner genialen Ideen einige sonderbare Angewohnheiten gehabt. "Er sendete während der Vorstellung Blinksignale mit einer Taschenlampe, um seine Schauspieler zur Präzision anzuregen", beschreibt der Schauspieler. Den Hamlet habe Hübner sogar mal mit einer Axt in der Hand hinter der Bühne gejagt.

Mit all seiner Bühnenpräsenz liest Kentrup aus seinem Buch, immer mit einem Augenzwinkern bei seinen Beschreibungen verschiedenster Personen und Orte. Auch etwas Sehnsucht nach vergangenen Zeiten klingt mit. "Wie weit geht Gleichstellung zwischen Leitung, Direktion, Schauspielern?", stellt er als Frage. Nach einem im Chaos geendeten Versuch, ein solch demokratisch organisiertes Theater in Frankfurt aufzubauen, sah Kentrup in der Schauspielerei keine Zukunft mehr für sich. "In unendlich vielen nächtlichen Gesprächen gelang es meiner Frau Dagmar mir das auszureden", erinnert der Künstler sich.

In Globe-Nachbau gespielt

Mit der Eröffnung der Bremer Shakespeare Company gelang es ihm schließlich doch, seinen Traum vom gemeinschaftlich geführten Theater zu realisieren. Es wurde in den Proben viel experimentiert, berichtet er, die Premieren wurden vom Publikum gefeiert. Seine zu dieser Zeit entstandene tiefe Freundschaft mit Sam Wanamaker, der in London das Globe Theater aus Shakespeares Zeiten wieder errichtet hatte, ermöglichte es der Bremer Theatergruppe, die erste Globe-Vorstellung seit 351 Jahren spielen zu dürfen. Als bisher einziger deutscher Schauspieler gab Kentrup dort für eine Saison den Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig".

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