Einsam auf dem Schulhof ist die Leiterin der Klein-Karbener Selzerbachschule, Petra Matthes-Ahäuser. Am Wochenende hat sie viele Elternbriefe verschickt, die Kinder sollen nun zu Hause lernen.
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Einsam auf dem Schulhof ist die Leiterin der Klein-Karbener Selzerbachschule, Petra Matthes-Ahäuser. Am Wochenende hat sie viele Elternbriefe verschickt, die Kinder sollen nun zu Hause lernen.

Karben und Bad Vilbeler Einrichtungen vor Herausforderungen

Coronavirus: Gespenstische Stille in den Schulen

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Wie überall ist es in den Schulen in Bad Vilbel und Karben ruhig. Wir haben uns einmal umgehört, wer überhaupt noch in den Schulen ist, wie die Schulen das umsetzen und ob die Prüfungen stattfinden.

Bad Vilbel/Karben - Für die Leiterin der Karbener Selzerbachschule, Petra Matthes-Ahäuser war das vergangene Wochenende kein normales. Denn nachdem die Landesregierung am Freitagnachmittag die Schließung aller Schulen verordnet hatte, hieß es für die Schulleiterin: Die Eltern informieren. »Ich habe einen Elternbrief verfasst und auf die Möglichkeit der Notbetreuung hingewiesen. Außerdem habe ich die Eltern noch angerufen«, sagt Matthes-Ahäuser. Am Montag dann seien alle nochmal in die Schule gekommen und es seien die nächsten Tage und Wochen besprochen worden. »Am Montag haben die Kinder dann ihr Material geholt.« Denn lernen sollen die Klein-Karbener Grundschüler auch in dieser Zeit. »Die Mehrzahl der Kinder war sehr traurig«, berichtet die Schulleiterin. Es herrsche allenthalben große Verunsicherung. Am Dienstag, dem ersten Tag der Notbetreuung, waren nach ihren Angaben zwei Kinder und eine Lehrerin in der Schule, nächste Woche würden es drei Kinder sein. Außer ihr und der Sekretärin sei noch jeweils eine Lehrkraft in der Schule.

Coronavirus: Kontakt zu den Kindern halten

Matthes-Ahäuser betont, sie wolle sich regelmäßig bei den Kindern melden. »Damit wollen wir den emotionalen Kontakt halten und den Kindern sagen: Wir freuen uns, wenn Ihr wiederkommt.« Denn allen ist klar: Ferien sind das nicht. Deshalb sei die Stille in der Schule »schrecklich«.

Einen »sehr ruhigen« ersten Tag nach den Schulschließungen hat Carsten Treber, Schulleiter des Georg-Büchner-Gymnasiums (GBG), erlebt. »Nach dem Wochenende waren noch einige Kinder und Lehrer in der Schule, um Materialien abzuholen, aber jetzt ist es ganz ruhig.« Nur noch er, seine Stellvertreterin, das Sekretariat und der Hausmeister seien vor Ort. »Für die Notbetreuung, über die wir am Wochenende umfassend informiert haben, hat sich niemand gemeldet. Ich gehe davon aus, dass die Eltern sich am Wochenende anders organisiert haben.«

Treber beschreibt eine »gespenstige Stille« im Schulgebäude. »Die meisten Kollegen arbeiten von Zuhause, stehen über Mailverteiler mit ihren Schülern in Kontakt. Einige nutzen auch Lernportale, die ihre Zugänge jetzt kostenlos zur Verfügung stellen.«

Und wie sieht es mit dem Abitur aus? »Also momentan gehen wir davon aus, dass alles stattfinden wird, aber das kann sich ja stündlich ändern.« Deshalb stehe man im regelmäßigen Austausch mit dem Kultusministerium. »Da geht es ja dann auch um die Gruppengrößen oder Nachholtermine«, sagt er. Des Weiteren habe man alle Veranstaltungen bis Schuljahresende abgesagt.

Coronavirus: Kinder sollen auch zu Hause lernen

Bei der Stadtschule sieht die Situation ähnlich aus. »Wir haben ein Kind in der Notfallbetreuung«, sagt Schulleiterin Sabine Zecha. »Am Wochenende waren viele Kinder da, und haben Unterlagen abgeholt. Die Lehrer waren fleißig, haben viele Materialien vorbereitet und ausgedruckt - wir wollen ja auch nicht, dass die Kleinen zu viel unkontrollierte Zeit am PC verbringen.« Es sei eine Herausforderung zu schauen, wie man die Kinder sinnvoll beschäftigen könne. »Die Lehrer stehen untereinander in Kontakt und kommunizieren über Portale auch mit den Schülern«, sagt Zecha. Einige Lehrer sind dennoch vor Ort. »Sie bereiten einzeln in den Klassenräumen Materialien vor.« Besonders positiv sei die Vernetzung der Schulleitungen in Bad Vilbel untereinander. »Wir stehen in einem guten Austausch.«

Die Direktorin der Karbener Gesamtschule, Ursula Hebel-Zipper, sagt: »Wir haben auf absoluten Notbetrieb umgestellt.« Am Montag sei die Schule noch geöffnet gewesen, da hätten viele Schüler ihre Materialien geholt. »Allerdings habe ich mich gewundert, dass bei vielen die Nachricht von der Schulschließung gar nicht angekommen war.« Dabei habe man übers Wochenende die Nachricht auch über den Schulelternbeirat verbreitet. In zwei wegen der großen Abstände getrennten Dienstversammlung habe sie die Kolleginnen und Kollegen von der neuen Situation unterrichtet. Zunächst habe man von den Eltern sechs Anmeldungen für die sogenannte Notbetreuung gehabt. »Aber nach eingehender Prüfung ist davon niemand übrig geblieben«, informiert Hebel-Zipper Grund: Einer der beiden Elternteile gehörte nicht den wichtigen Gruppen an, die auf der Liste der besonderen Berufsgruppen der Landesregierung stehen. Es müssten aber beide Elternteile dazu gehören.

Coronavirus: Viel Unsicherheit bei Schulgemeinde

Die Schulleiterin sagt weiter, in der Schulgemeinde herrsche viel Verunsicherung, »gelegentlich auch Panik, wenn nur jemand hustet«.

Man habe auch sämtliche schulinternen Veranstaltungen sowie die öffentlichen Veranstaltungen bis zum Schuljahresende abgesagt. »Das ist«, betont Hebel-.Zipper, »extrem deprimierend. Denn die Schüler und auch die Lehrer haben viel Arbeit reingegeckt.«

Wie die Direktorin der Kurt-Schumacher-Schule weiter sagt, finde das Abitur ab dem morgigen Donnerstag statt. 80 Schülerinnen und Schüler würden wie immer zuerst die Englisch-Klausuren schreiben.

»Stand jetzt«, betont sie. Denn in den vergangenen Tagen habe sich vieles rasant geändert. Die Prüfungen fänden nicht wie sonst in der Aula statt, sondern in mehreren Klassenräumen. Dazu benötige man mehr Aufsichtspersonal, das länger im Einsatz sein werde. Falls eine Ausgangssperre verhängt werde, würden die Abiturprüfungen aber verschoben.

Im Moment sei nur sehr wenig normal. »Das einzige kleine bisschen Normalität sind die Abi-Plakate, die die Schüler gestern aufgehängt haben«, sagt die Direktorin weiter. Weniger normal sei, dass es in diesem Jahr weder eine Abiturfeier noch eine Abi-Gala geben werde.

»Das tut mir für die Schüler unendlich leid.« 

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