Der neue geschäftsführende CDU-Kreisvorstand mit (v. l.) Regina Karehnke, Tobias Utter, Lucia Puttrich, Oliver von Massow, Barbara Büttner, Christian Loh und Mario Beck.
+
Der neue geschäftsführende CDU-Kreisvorstand mit (v. l.) Regina Karehnke, Tobias Utter, Lucia Puttrich, Oliver von Massow, Barbara Büttner, Christian Loh und Mario Beck.

CDU-Parteitag: Nur 80 Prozent stimmen für Lucia Puttrich

Wetteraukreis (jwn). Die Wetterauer CDU setzt auf Bewährtes und bestätigte auf dem Kreisparteitag am Freitagabend im Kurhaus Bad Vilbel ihre Kreisvorsitzende Lucia Puttrich für weitere zwei Jahre im Amt.

Allerdings erzielte die inzwischen ins hessische Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten übergewechselte Politikerin mit 80,75 Prozent – 151 Ja- bei 36 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen – ein deutlich schlechteres Ergebnis als bei ihrer Wiederwahl vor zwei Jahren in Rosbach. Da hatte sie noch 92 Prozent der Delegierten hinter sich gewusst.

Zu ihren Stellvertretern wurden Mario Beck (Karben, 100 Prozent), Tobias Utter (Bad Vilbel, 94,1 Prozent), Oliver von Massow (Bad Nauheim, 93 Prozent) und Regina Karehnke (Rosbach, 76,6 Prozent) gewählt.

Für Puttrich dürfte der Stimmenverlust keine große Überraschung gewesen sein, denn in ihrem Rechenschaftsbericht zu Beginn des Parteitags war sie ausführlich auf ihre Kritiker eingegangen – ohne sie bei Namen zu nennen. Sie bemängelte die Art und Weise der Kritik und rief die Mitglieder pauschal auf, zukünftig mehr Achtung voreinander haben zu sollen. Eine Mannschaft könne nur dann siegreich sein, wenn sie nach außen hin geschlossen auftrete und mögliche Kritik deshalb nur parteiintern diskutiere.

Jüngere für Partei begeistern

Puttrich spielte damit auf ihren umtriebigen Partei"freund" und Ex-Bundestagsabgeordneten Klaus Minkel an. Der hatte sie im Herbst heftig öffentlich angegriffen, weil sie die Präsentation des CDU-Kandidaten für das Landratsamt, Thorsten Herrmann, so lange hinausgezögert hatte. Dadurch habe Herrmann, als im Wetteraukreis weitgehend Unbekannter, kaum noch eine echte Siegchance gehabte. Minkel hatte Puttrich mit recht bissigen Worten aufgefordert, doch gefälligst selbst für das Landratsamt zu kandidieren.

"Der Umgang miteinander und die Achtung und der Respekt voreinander sind gerade jetzt so wichtig, weil es gilt, die Partei neu aufzustellen und zu versuchen, den Mitgliederschwund, wie ihn im Übrigen die anderen Parteien auch haben, wieder aufzufangen", meinte Puttrich unter Applaus der 194 Delegierten. Aufgestellt werden müsse die Partei deshalb neu, so die Kreisvorsitzende in ihrem Rechenschaftbericht, weil die jüngere Generation andere Antworten auf Fragen erwarte als die Älteren. Beispielsweise hätten die jüngeren Mitglieder überhaupt kein Verständnis für das heimliche Abhören von Telefonaten durch die Amerikaner.

Die Älteren hingegen wiegelten ab und verwiesen auf die Freundschaft mit den Amerikanern und deren Hilfe bei Wiederaufbau Deutschlands. "Hier wird klar: Neue Frage bedürfen neuer Antworten. Nur so können wir auch die nächste Generation für uns begeistern und zur Mitarbeit einladen", zeigte Puttrich die neue Herausforderung gerade im Hinblick auf die kommende Kommunalwahl 2016 auf.

Puttrich griff in ihrer Rede auch Landrat Joachim Arnold an. Der habe das Landratsamt zur Parteizentrale des Wetterauer SPD-Unterbezirks umgewandelt. "Die Aufgabe eines Landrats ist es, zum Wohl der Bürger und der Kommunen zu handeln. Arnold hingegen stellt die Parteiinteressen grundsätzlich vorn an, greift bei jeder Gelegenheit die Bundes- und Landesregierung an, statt dafür dankbar zu sein, dass dem Kreis mit 116 Millionen Euro fast ein Drittel der Schulden abgenommen wurden." Im Hinblick auf das in ihren Augen beachtliche Wahlergebnis für den CDU-Kandidaten Hermann dankte sie diesem für seinen engagierten Einsatz und zeigte sich sicher, dass die Union nicht nur auf Bundes- und Landesebene Wahlen gewinnen könne, sondern demnächst auch wieder in den Kommunen und auf Kreisebene.

Nachfolger für Potinius gefunden

In den Vorstand wurden Barbara Büttner aus Karben als Schriftführerin und Christian Loh aus Ranstadt als Schatzmeister gewählt. Beide sind neu in diesen Positionen. Loh ist der Nachfolger von Wolfgang Potinius, der Ende Januar einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Beisitzer sind: Dirk Antkowiak (Friedberg), Patrick Appel (Büdingen), Kerstin Eisenreich (Bad Nauheim), Michael Hahn (Niddatal), Manfred Jordis (Bad Nauheim), Beatrice Schenk (Bad Vilbel), Martina Schild (Echzell), Christel Schmidt (Florstadt), Dirk Thilo Vogel (Ortenberg) und Jan Wecker (Ober-Mörlen).

Minkel fordert Puttrich zum Rücktritt auf Seitenhieb zur Unzeit: Minkel schlägt Puttrich vor Dicke Luft in der CDU: Minkel greift Puttrich an

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare