Busunternehmen Viabus pleite?

Ein ungutes Gefühl dürfte dieser Tage bei Tausenden Fahrgästen im Rhein-Main-Gebiet mitreisen. Denn ob ihr Linienbus wirklich kommt, ist auf einigen Linien fraglich - nämlich dann, wenn dort gewöhnlich ein Fahrzeug der Firma Viabus mit Sitz in Speyer rollt.

Ein ungutes Gefühl dürfte dieser Tage bei Tausenden Fahrgästen im Rhein-Main-Gebiet mitreisen. Denn ob ihr Linienbus wirklich kommt, ist auf einigen Linien fraglich - nämlich dann, wenn dort gewöhnlich ein Fahrzeug der Firma Viabus mit Sitz in Speyer rollt.

Die Muttergesellschaft von Viabus, die englische Firma Metropolitan European Transport (MET), hat Insolvenz angemeldet. Ebenso hat die deutsche Tochter MET Deutschland ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Viabus ist eine weitere Tochter der englischen MET.

Inwiefern die Zahlungsunfähigkeit der Mutter auch Auswirkungen auf den Betrieb bei Viabus hat, ist bisher unklar. Der Verkehr auf den Viabus-Linien in Rhein-Main scheint weiterzulaufen. Die Busse rollen in der gesamten Region. Die Bad Vilbeler Stadtbusse werden von Viabus bedient. Im Main-Kinzigkreis sind die Busse des Unternehmens auf den Linien 562, 563 und 566 in Hanau, Bruchköbel, Nidderau, Altenstadt und Großkrotzenburg sowie im Schulverkehr unterwegs.

"Derzeit gibt es keine Auswirkungen auf das Fahrtenangebot", sagt Vanessa Rehermann, Sprecherin des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Bei den Stadtwerken Bad Vilbel, Betreiber des Vilbus-Stadtverkehrs, herrscht ebenfalls Erleichterung: "Die Busse fahren", sagt Kaufmännischer Leiter Rüdiger Milke.

Anrufe laufen ins Leere

Auf Nachfragen dieser Zeitung hat MET bisher nicht reagiert. Der MET-Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Rolf Weidmann aus Essen, wollte nicht Stellung nehmen und verwies auf einen Sprecher. Dieser wiederum reagierte bislang nicht auf eine Anfrage dieser Zeitung. Bei Viabus in Speyer laufen Telefonanrufe ins Leere. Auch die Internetpräsenz ist vom Netz genommen worden.

Den RMV hat Viabus "über die Situation der MET informiert", erklärt die Verbundsprecherin. Die Insolvenz beziehe sich auf die englische Muttergesellschaft und "ein anderes Tochterunternehmen in Deutschland", nicht aber auf die Speyerer Firma. "Viabus beabsichtigt, den Betrieb weiterzuführen", sagt Vanessa Rehermann. In Bad Vilbel machen sich die Stadtwerke dennoch Gedanken für den Fall, dass auch Viabus ins Schlingern gerät. Man hofft darauf, dass der Betrieb vorübergehend weitergeführt werden könnte, während die Arbeitsagentur den Mitarbeitern Insolvenzgeld zahlt.

Dumping-Angebote

Die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit auch bei Viabus scheint latent: Die Firma lebte laut Unternehmenszahlen des Mutterkonzerns von millionenschweren Finanzspritzen der MET. Diese Zeitung hatte dies Anfang 2018 öffentlich gemacht. Daraufhin folgte ein Sturm der Entrüstung.

Lokale Busunternehmer, die bei Ausschreibungen gegen Viabus verloren hatten, warfen der Firma Dumping-Angebote vor. Busunternehmer Heuser aus Langenselbold erklärte, vor dem Aus zu stehen. Die Landespolitik schaltete sich ein. Die Unternehmer strengten ein Überprüfen der Linienvergabe in Nidderau und Gelnhausen/Langenselbold (Main-Kinzig-Kreis) an.

Noch bevor das Regierungspräsidium entscheiden konnte, zog sich Viabus zurück. Seit Februar sind nun unter anderem Heuser und die Busfirma Stroh aus Altenstadt auf den Linien unterwegs. Zuvor hatte sich Viabus auch im Raum Bremen nach Kritik aus einem Bieterverfahren zurückgezogen. Seit Jahren beschweren sich Viabus-Fahrgäste über Unpünktlichkeit, schlechten Service und mangelnde Sprachkenntnisse der Fahrer. Jene berichteten von defekten Bussen.

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