Burgfestspiele steuern auf Besucherrekord zu

Bad Vilbel (jas). Ein schöneres Geschenk hätte es für Intendant Claus-Günther Kunzmann, Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr und das gesamte Festspiel-Team im Jubiläumsjahr kaum geben können: Mit über 70 000 verkauften Eintrittskarten nach der Hälfte der Spielzeit steuern die Burgfestspiele auf einen neuen Besucherrekord zu.

"Die Zuschauerzahlen stimmen uns sehr, sehr positiv. Schon zur Halbzeit haben wir die Schallmauer von 70 000 verkauften Tickets durchbrochen", freut sich Stöhr. Auch Kunzmann zeigt sich äußerst zufrieden: "Wir liegen deutlich über den Verkaufszahlen von 2010, unserem Rekordjahr, in dem wir am Ende 73 500 verkaufte Karten verbuchen konnten."

Die Entscheidung der Verantwortlichen, nicht viel Geld für eine große Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen der Burgfestspiele auszugeben, sondern lieber in Ambiente und Programm zu investieren, war die Richtige. "Wir haben einen großen Schritt in Richtung Festspielstadt gemacht", betont Stöhr. Sieben Eigeninszenierungen finden sich in diesem Jahr auf dem Spielplan. Ganz oben in der Gunst der Zuschauer steht die von Adelheid Müther auf die Bühne gebrachte Komödie "Die Feuerzangenbowle". "Die Resonanz hat meine Erwartungen noch übertroffen", sagt Kunzmann. Aufgrund der großen Nachfrage habe man sich daher entschlossen, an beiden bisher noch offenen Spielterminen - 30. August und 5. September, jeweils um 20.15 Uhr - das Erfolgsstück zu spielen.

Sehr zufrieden zeigt sich der künstlerische Leiter auch mit der Reaktion der Besucher auf das Musical "Anatevka", für das Egon Baumgarten als Regisseur verantwortlich zeichnet. Die "aufwendige Inszenierung mit dem Chor VilBelCanto und großem Ensemble" laufe "super gut". Eingeschlagen sei darüber hinaus die Schlagerrevue "Tortellini, Touristen und ein Testament", wenig sagen lasse sich bisher über die Komödie "Ganze Kerle", die seit 14 Tagen läuft.

Herumgesprochen hat sich mittlerweile wohl, dass man das Junk-Musical "Shockheaded Peter", das im Theaterkeller gezeigt wird, nicht verpassen sollte. "Der Verkauf war von Anfang an nicht schlecht, aber er zieht jetzt deutlich an", sagt Kunzmann. Darstellerin Anne Simmering sei großartig, die Inszenierung von Egon Baumgarten "dicht, knapp und spritzig", lobt der Intendant.

Vom Wagnis zur Erfolgsgeschichte ist die speziell auf Kinder abgestimmte und von der Wetterauer Zeitung unterstützte Inszenierung der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" geworden. "Alle Vorstellungen sind ausverkauft, ein toller Erfolg", freut sich Kunzmann. "Die Schulen waren sehr zufrieden, und vieles spricht dafür, dass wir die Kooperation mit der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt fortsetzen." Damit noch möglichst viele Kinder die Geschichte um Prinzessin Pamina und Prinz Tamino miterleben können, gibt es drei Zusatztermine. Gespielt wird am Mittwoch, 24. August, Montag, 29. August, sowie am Freitag, 2. September, jeweils von 15 Uhr an. Unheimlich freue man sich, dass die "Zauberflöte" so ankomme. Über das restliche Kinderprogramm aber will man sich noch einmal Gedanken machen. Der Zuspruch sei sehr unterschiedlich. Während Klassiker gut laufen, locken kurzlebige Stücke weniger Zuschauer in die Wasserburg.

Nicht so viele Theaterfans wie erhofft, zieht auch Harald Demmers Inszenierung des Schiller-Klassikers "Don Karlos" zu den Festspielen. "Der Verkauf liegt hinter den Erwartungen. Ein Quäntchen mehr hätte ich mir vorgestellt." Warum die Zuschauer ausbleiben, kann Kunzmann nur vermuten. Vielleicht sei der Titel nicht vielversprechend genug, vielleicht das Stück zu schwer. "Oder zweimal hintereinander Schiller war nicht die richtige Entscheidung." Eindeutig zu viel Schiller sei auf jeden Fall die geplante Matinee "Schillerlocken" gewesen. Sie wurde wegen zu wenig verkaufter Karten kurzerhand abgesagt.

Sonst allerdings haben Kunzmann und Dramaturgin Ruth Schroefel nur Positives zu vermelden: Die Stimmung im Ensemble sei bestens, die Matineen im Großen und Ganzen gut besucht, Ausstellung und Einführungsgespräche im Theatersaal finden Anklang, und die Gastspiele der Vilbeler Schauspiel- und Musical-Ensembles in Dreieich, Eppstein, Neuwied und Maulbronn seien durchweg erfolgreich. "In Neuwied wurden wir schon nach dem Spielplan für 2012 gefragt. Dort will man die Kooperation fortführen", sagt Kunzmann.

Positive Resonanz auf Umbau

Positiv ist die Resonanz auf die Umgestaltung der Burg. "Wir haben viel für die Aufenthaltsqualität getan", sagt Kunzmann. "Suboptimale Gegebenheiten" seien bereinigt worden, und das komme beim Publikum an. So habe man mittlerweile von fast allen Plätzen einen guten Blick auf die Bühne und sitze bequem. Da die Burg offener als früher sei, sei die Sicht auch besser. "Außerdem wird es bei gutem Wetter unter der Tribüne nicht mehr so heiß." Die Möglichkeit, sich in den Pausen neuerdings auch vor der Burg aufhalten zu können, finde Anklang. "Etwa 150 Besucher pro Vorstellung nutzen dieses Angebot. Die Atmosphäre ist entspannt und gelockert", sagt Kunzmann. Bei starkem Regen oder Wind könne auch der Burgkeller genutzt werden. Und wer friert, kann seit dieser Saison für wenig Geld eine Fleece-Decke kaufen - ebenfalls ein Angebot, das an kalten Abenden zwischen 30 und 50 Zuschauer gerne annehmen.

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