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Burgfestspiele Bad Vilbel: Besonderes Jubiläum - Rosemarie Wohlbauer seit 60 Jahren auf der Bühne

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Von: Kim Luisa Engel

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Vor, nicht hinter den Kulissen: Rosemarie Wohlbauer steht seit 60 Jahren auf der Bühne. Bei den Burgfestspielen gibt sie in »Mord im Orientexpress« die Natalya Dragomiroff. © Kim Luisa Engel

Rosemarie Wohlbauer steht seit 60 Jahren auf der Bühne. Ihr Jubiläum wird sie auch bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel feiern. Sie ist Teil des Ensembles von »Mord im Orientexpress«.

Elisabeth, Orsina, Antigone, Medea - Rosemarie Wohlbauer hat sie alle gespielt. Die 85-Jährige kann auf ein sehr umfangreiches und vor allem vielgestaltiges Repertoire ihrer Rollen zurückblicken. Ihr Debüt hat sie 1962 am Theater Bonn als Julia Imperiali in Schillers »Die Verschwörung des Fiesco zu Genua« gegeben. Das war direkt nach ihrer Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. In diesem Jahr - sechs Jahrzehnte später - feiert sie bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen ihr Bühnenjubiläum als Prinzessin Natalya Dragomiroff in Agatha Christies Krimikomödie »Mord im Orientexpress«.

»Ich wollte schon immer auf die Bühne«, sagt Wohlbauer über ihre Anfänge. Durch ihren Vater, einem Kapellmeister, hat sie bereits früh Bühnenluft schnuppern dürfen. Schließlich sei der Wunsch, Schauspielerin zu werden, durch »großartiges Theater« in Hamburg, mit dem sie aufgewachsen ist, gefestigt worden.

Burgfestspiele Bad Vilbel: Rosemarie Wohlbauer ist Schauspielerin, Sängerin und Synchronsprecherin

»Es gibt aber Highlights«, sagt die 85-Jährige über ihre vielen Theaterstationen. Eines sei sicherlich die Lateinamerika-Tournee, die sie 1965 und 1966 mit den Deutschen Kammerspielen Buenos Aires gemacht habe. Dort spielte sie unter anderem in Lessings »Minna von Barnhelm«. Ungezählte Rollen sollten folgen. Darunter sieben in einer Adaption von Faust II, die der Porzia in Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig« und die der Elisabeth in Schillers »Maria Stuart« - beides am Stadttheater Bern.

Seit dem Ende ihres Vertrags in Bern 1977 ist Wohlbauer freischaffend unterwegs und gastiert an verschiedenen Bühnen. Zudem arbeitet die Hamburgerin mit österreichischem Pass als Synchron- und Hörspielsprecherin. In »Die drei ??? und die Zeitreisende« spricht sie die Hauptrolle, die - wie könnte es anders sein - Schauspielerin ist. In verschiedenen Fernsehproduktionen hat Wohlbauer ihre Vielseitigkeit gezeigt.

Burgfestspiele Bad Vilbel: Rosemarie Wohlbauer »sehr glücklich« mit Rolle

Auch in musikalischen Produktionen hat die Schauspielerin mit dem dunklen Timbre mitgewirkt, zum Beispiel der »Dreigroschenoper« oder »Kiss me Kate«. 2012/13 spielte sie die Maria im Musical »Ich war noch niemals in New York« in Zürich, 2016/17 dann auf Tournee durch Deutschland und Österreich. Bei der Premiere hat sie Udo Jürgens kennengelernt, auf dessen Liedern das Musical beruht. »Ein interessanter Mann und großartiger Künstler.«

Zu den weiteren Projekten Wohlbauers zählt der literarisch-musikalische Abend mit dem Titel »Sprich leise, wenn du Liebe sagst«, der sich mit der Liebe und dem Briefwechsel zwischen Kurt Weill und Lotte Lenya auseinandersetzt. Die letzte Aufführung davon sei kurz vor dem ersten Lockdown über die Bühne gegangen. Nun folgt mit ihrem Engagement bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen das erste nach dem pandemiebedingten Einschnitt. Mit ihrer Rolle der Prinzessin Natalya Dragomiroff sowie der Probenarbeit mit Regisseurin Adelheid Müther und dem gesamten Ensemble sei sie sehr glücklich.

Burgfestspiele Bad Vilbel: Rosemarie Wohlbauer ist »Schauspielerin keine Schausprecherin«

Die Frage, warum die Prinzessin böse sei, erklärt Wohlbauer so: »Sie ist eben ein Kind des russischen Adels von vor der Revolution.« Es liege somit in ihrer Natur, Bolschewisten als Ungeziefer zu bezeichnen. Vom Text her sei die Rolle nicht sehr groß, dennoch gebe es sehr viel zu spielen: »Ich bin Schauspielerin, keine Schausprecherin«, sagt die 85-Jährige.

In den 60 Jahren hat sich auf und abseits der Bühnen einiges verändert, sagt Wohlbauer. Man erkenne manche Stücke oft gar nicht wieder. »Viele lassen sich verrückte Sachen einfallen. Sie denken: ›Wir haben das so oft gesehen und müssen es jetzt anders machen‹.« Mit Klassikern wie Goethe, Schiller oder Kleist mache man heute, was man wolle. Sei die Interpretation schlüssig, gehe Wohlbauer mit. »Wenn nicht, bin ich böse«, sagt sie und lacht. »Ich bin eben von der alten Schule.«

Burgfestspiele Bad Vilbel: Rosemarie Wohlbauer hat den »schönsten Beruf der Welt«

Eine Lieblingsrolle hat Wohlbauer übrigens nicht. »Das ist nahezu unmöglich in 60 Jahren.« Es gibt jedoch einige, die sie sehr gerne gespielt hat. Die der Temple Drake in Faulkners »Requiem für eine Nonne« am Schlosstheater Celle zum Beispiel. »Das war eine wunderbare Rolle.«

Käme Rosemarie Wohlbauer noch einmal auf die Welt, würde sie wieder Schauspielerin werden. Man habe sehr viele Freiheiten, bekomme ein toleranteres Bild der Welt und könne viel ausprobieren. »Zum Beispiel habe ich schon oft gemordet auf der Bühne«, sagt sie und lacht. Sie habe sich auch nach 60 Jahren den Spaß an der Schauspielerei behalten. »Solange ich mir den Text merken kann und nicht von der Bühne falle, mache ich das«, sagt die 85-Jährige. »Es ist der schönste Beruf der Welt.«

Info: Zweites Mal bei den Burgfestspielen

Es ist das zweite Mal, dass Rosemarie Wohlbauer bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen auf der Bühne steht. 2010 gab sie in »My Fair Lady« die Mrs. Higgins. Zudem trat sie in der gleichen Spielzeit bei der Schlagerrevue »Je schöner der Schlager« in der Burg auf. Als die Anfrage für »Mord im Orientexpress« kam, habe Wohlbauer sich gefreut und gleich den Roman gekauft. »Ich bin sehr gerne wieder hier in Bad Vilbel.« Besonders gut gefalle es ihr an der Nidda, an der sie gerne spazieren gehe.

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