1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Bad Vilbel

Bürgerinitiative Heilsberg löst sich auf

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Fünf Schecks für (v. l.): Liljana Bauer und Heike Heese (Kita Verklärung Christi), Jutta Piskator (»Villa Wichtelstein«), Mirjam Liese (»Vogelnest«), Matthias Schnitzler (Altenzentrum), Petja Samulowitz und Karin Gierke (Förderverein E.-Reuter-Schule). Sitzend: Jörg Dreiling, Udo Ostarek und Petra Schärpf von der BI Heilsberg.
Fünf Schecks für (v. l.): Liljana Bauer und Heike Heese (Kita Verklärung Christi), Jutta Piskator (»Villa Wichtelstein«), Mirjam Liese (»Vogelnest«), Matthias Schnitzler (Altenzentrum), Petja Samulowitz und Karin Gierke (Förderverein E.-Reuter-Schule). Sitzend: Jörg Dreiling, Udo Ostarek und Petra Schärpf von der BI Heilsberg. © Red

Bad Vilbel (ach/pm). Fast genau 20 Jahre nach ihrer Gründung löst sich die Bürgerinitiative Heilsberg (BI) als Verein auf. Das Restguthaben geht in Form von Spendenschecks an fünf Betreuungseinrichtungen in dem Stadtteil.

»Eine so lange Zeitspanne ist eigentlich ungewöhnlich für eine Bürgerinitiative, deren übliche Lebensdauer stets viel kürzer ausfällt und regelmäßig an die Halbwertszeit politisch umstrittener Projekte und deren Umsetzung geknüpft ist«, meint der seit 2008 amtierende BI-Chef Udo Ostarek. Die Initiative hatte sich ursprünglich im Zuge einer baulichen Verdichtungsmaßnahme gegründet, die seinerzeit erhebliche Unruhe im hinteren Wohnbereich des Heilsbergs ausgelöst hatte. Seitdem hatte sich das im Laufe der Jahre »beackerte« Themenspektrum der BI ständig verbreitert.

»Im Fokus standen jedoch stets die praktischen Aspekte der Wohn- und Lebensqualität auf der ›Vilbeler Höhe» und deren Relevanz für die Allgemeinheit. Viele Defizite wurden adressiert, Verbesserungen konsequent eingefordert und manche – oft erst nach mehrmaligem hartnäckigem Nachfassen – am Ende auch umgesetzt«, sagt die langjährige BI-Mitstreiterin Petra Schärpf.

»Ortsbeirat wichtigstes Projekt«

Wichtigstes Projekt war nach Einschätzung Ostareks gleich im Anschluss an die BI-Gründung die Schaffung eines eigenen Ortsbeirats für den Heilsberg, »was seinerzeit mit mehreren Tausend Bürgerstimmen gegen den anfänglichen Widerstand des CDU-geführten Magistrats auch gelang«. Die Rendite dieses Anfangserfolges habe aber gut 16 Jahre auf sich warten lassen, da bis Mitte 2011 der Ortsvorsteher von der Vilbeler Mehrheitsfraktion gestellt wurde und »nicht wirklich eigenständige Heilsberger Positionen oder entscheidende Impulse für eine nachhaltige Verbesserung der Situation im Ortsteil erkennbar« gewesen seien, ist Ostarek der Meinung. So seien denn auch die immer dringlicheren Probleme nicht angegangen, sondern über die Jahre weiter verschleppt worden, urteilt der BI-Chef. Am deutlichsten zeige sich dies am Missverhältnis von Nachverdichtung und Verkehrsinfrastruktur. Vor diesem Hintergrund sei das derzeit diskutierte »Verkehrskonzept« ein Potemkinsches Dorf, denn ein Konzept mache man eigentlich, bevor etwas Neues entstehe, kritisiert Ostarek. Hier habe man aber »25 Jahre verschlafen und entscheidende Weichenstellungen versäumt«.

Im Zuge dieser Entwicklung habe auch die BI, die sich immer mehr in die Rolle des »Kümmerers vor Ort« habe einfinden müssen, gewissen Verschleißerscheinungen nicht entziehen können, meint BI-Mitglied Jörg Dreiling.. Es sei immer schwieriger geworden, jüngere Nachrücker zu finden, die bereit gewesen wären, Zeit und Engagement für die konstruktive Auseinandersetzung mit Magistrat und weiteren Ansprechpartnern einzusetzen.

»Neuer Wind«

Manche Zeitgenossen seien schnell zur Stelle gewesen, »wenn es galt, die BI für ihre persönlichen Interessen einzuspannen oder gar zu instrumentalisieren«, kritisiert Ostarek. Einer kontinuierlichen Arbeit über den »eigenen Vorgarten hinaus« hätten sie jedoch nichts abgewinnen können.

Die BI zeiht nun auf Initiative ihres Vorstands einen Schlussstrich. Sie könne das »guten Gewissens tun«, da seit der letzten Kommunalwahl – wenn auch mit gewisser Verzögerung – ein neuer Wind aus dem Ortsbeirat wehe und aufgrund der teilweise neuen Akteure inzwischen sogar eigenständige Heilsberger Positionen gemeinsam von allen Fraktionen vertreten würden, schreiben Ostarek, Schärpf und Dreiling. Die BI unterstütze den vorgesehenen Bau eines Jugendhauses – lange habe man dafür gekämpft – genauso wie den Vorschlag des CDU-Ortsbeirats Jens Völker für ein neues Bürgerhaus auf der sogenannten »Zigeunerwiese« und Vermarktung des Georg-Muth-Haus-Geländes nach Abriss des maroden Gebäudes. Letzteres wäre ein Zeichen, dass es auch auf dem Heilsberg und nicht nur bei Leuchtturmprojekten vorangehen könne.

Die mit der Auflösung der BI zu beantwortende Frage nach der Verwendung des Vereins-Restvermögens haben die Mitglieder einstimmig gefasst: Das Restguthaben von etwa 2100 Euro wurde kürzlich an fünf Heilsberger Betreuungseinrichtungen überreicht. Sie freuen sich über Schecks in Höhe von jeweils 425 Euro, mit denen kleinere Anschaffungen in einer Zeit ausbleibender oder rückläufiger öffentlicher Zuschüsse möglich würden. Der für die Einrichtungen überraschende kleine Geldsegen wurde von der BI an einem symbolträchtigen Ort ausgehändigt – dem Heilsberger Kreuz an der Heilig-Geist-Kirche.

Auch interessant

Kommentare