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Dieter Stork will mit seinem Bündnis "Friedlicher Hessentag" gegen die Präsenz der Bundeswehr auch beim Hessentag in Bad Vilbel protestieren. Volksfeste sollen nicht für Werbezwecke des Heeres missbraucht werden. Foto: Jürgen W. Niehoff

Hessentag 2020

Bündnis gegen Militärpräsenz auf dem Hessentag formiert sich in Bad Vilbel

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Die Bundeswehr ist seit Jahren beim Hessentag präsent. Dagegen hat sich ein hessisches Bündnis gebildet. Diese haben sich unter der Forderung "Friedlicher Hessentag" zusammengeschlossen.

Die Bundeswehr wird auch auf dem diesjährigen Hessentag, der dieses Mal in Bad Vilbel vom 5. bis zum 14. Juni stattfindet, wieder mit einer großen Mannschaft vertreten sein, um Werbung für sich zu machen. Nach Ansicht des Bündnisses "Friedlicher Hessentag" missbrauche die Bundeswehr derartige Veranstaltungen zu Werbezwecken.

Das Bündnis, das aus einzelnen Gruppierungen wie beispielsweise die Deutsche Friedensgesellschaft, die Naturfreunde, Attac oder aber die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie kirchliche Organisationen besteht, hat sich erst 2017 anlässlich des Hessentags in Rüsselsheim zusammengefunden. Die Auftritte der Bundeswehr zielten aus Sicht des Bündnisses vor allem auf Kinder und Jugendliche, indem sie beispielsweise ihre Panzer als Abenteuerspielplatz arrangierten und selbst Kleinkinder auf diese klettern ließen.

Protest ohne Gewalt

Dadurch missbrauche sie kindliche Neugier und Technikbegeisterung, um auf diesem Wege Berührungsängste vor militärischer Gewalt abzubauen, erklärt die Initiative. Vertreter der beteiligten Gruppierungen hatten sich am vergangenen Samstag in den Räumen der AWO-Zweigstelle in Bad Vilbel getroffen, um ihre Protestaktionen für den bevorstehenden Hessentag zu organisieren. Bei diesem Treffen ging es aber nicht nur um organisatorische Fragen, sondern auch um die zukünftige inhaltliche Ausrichtung des Bündnisses. Dieter Stork, einer der Organisatoren des Bündnisses, zog am Abend vor Pressevertretern ein erstes Resumée. Zur Diskussion standen dabei unter anderem auch die beiden Standpunkte entweder grundsätzliche Ablehnung des Militärs und damit auch der Bundeswehr oder aber lediglich Aktionen gegen die starke Präsenz der Bundeswehr auf Volksfesten. Am Ende habe sich dann aber doch die gemäßigtere Variante, nämlich nur gegen die übermäßige Präsenz der Soldaten auf dem Volksfest protestieren zu wollen, durchgesetzt.

Nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte bei diesem Treffen allerdings organisatorische Fragen, wie die Anmietung von Veranstaltungsräumen oder die Festlegung des Demonstrationszugs am 13. Juli, dem Tag der Bundeswehr auf dem Hessentag. Drei Veranstaltungen plante das Bündnis im Vorfeld. Doch es gibt keine Räume, weder städtische, noch in Gaststätten. Selbst die AWO Bad Vilbel hat die Reservierungswünsche des Bündnisses inzwischen wieder storniert. Vorrang hätten zunächst einmal die Vereine vor Ort, so die überall gleichlautende Antwort.

Weg der Demo noch ungewiss

Auch der Weg ihrer Demo über das Hessentagsgelände sei noch völlig ungewiss. "Dabei wollen wir friedlich protestieren. Auf keinen Fall Gewalt", versicherte Dr. Gernot Lennert, Landesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft und Mitorganisator. Auch die Zusage, ob und an welcher Stelle das Bündnis während des gesamten Hessentages seinen Stand auf dem Gelände errichten kann. Zu ihrer Demo am 13. Juli erwarten die beiden Organisatoren wegen der Nähe zu Frankfurt zwischen 400 und 500 Teilnehmer. "Dieses Jahr hatten wir in Bad Hersfeld nur 200. Aber das lag daran, dass Bad Hersfeld in einem so dünn besiedelten Gebiet in Nordhessen liegt", erklärte Stork die schwankende Zahl der Teilnehmer.

Auf die Frage nach ersten Erfolgen des Bündnisses mussten Stork und Lennert nur kurz überlegen. "Na ganz verbieten können wir den Auftritt der Bundeswehr bei solchen Veranstaltungen nicht. Da spielt die Politik nicht mit. Aber immerhin haben wir erreicht, dass in Rüsselsheim die Bundeswehr bei der Eröffnung des Hessentages nicht begrüßt wurde."

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