Künstlerduo: Die Freiraum-Installation von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries besteht aus fünf Elementen. 	FOTOS: CF
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Künstlerduo: Die Freiraum-Installation von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries besteht aus fünf Elementen. FOTOS: CF

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Buchskulpturen zu Hölderlin-Gedicht

  • vonChristine Fauerbach
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Vier Künstler zeigen sieben neue Kunstwerke in der Massenheimer Auenkunst. Fünf davon sind Teil einer großformatigen Freiraum-Installation von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries.

D reidimensionale Kunst im öffentlichen Raum fasziniert seit 2007 Spaziergänger und Kunstfreunde im Park der Massenheimer Erlenbachaue. Bespielt wird die Massenheimer Auenkunst von Künstlern mit teils wechselnden Skulpturen, Plastiken und Objekten aus unterschiedlichen Materialien. Von Anfang an ist die Massenheimer Auenkunst eine Ausstellung in Bewegung. Immer wieder verlassen Kunstwerke nach einem bestimmten Zeitraum ihren Standort am Erlenbach, um Platz für neue zu machen.

Neu in der Auenkunst zu entdecken gibt es derzeit sieben Kunstwerke. Es sind die Cortenstahl-Skulptur »Sitzende« von Bildhauer Mehmet Güler, die Sandsteinskulptur »Flensburg Studie« von Bildhauer Clemens M. Strugalla sowie die großformatige fünfteilige Freiraum-Installation von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries. Geschaffen haben die beiden Oberurseler Künstler ihre in einzigartiger Weise Literatur und Kunst verbindende, aus fünf Buchskulpturen bestehende Installation im Auftrag des Hochtaunuskreises anlässlich des Hölderlin-Jahres 2020.

Gefertigt aus Stahlrahmen

Der Geburtstag des Dichters Friedrich Hölderlin jährte sich zum 250. Mal. Gefertigt haben die Künstler ihre Freiraum-Installationen aus in der Größe unterschiedlichen Stahlrahmen, die jeweils an zwei aufgeschlagene Bücher erinnern. Die Cover sind QR-Codes nachempfunden. Die Objekte eins bis drei haben einen schwarzen Anstrich, die Objekte vier und fünf einen weißen. In der Erlenbachaue stehen die fünf abstrakten Plastiken nicht beieinander, sondern sind über die komplette Ausstellungsfläche verteilt.

»Der Gestaltung der Skulpturen liegt zeilenweise das Hölderlin-Gedicht »Wenn über dem Weinberg es flammt« zugrunde. Wir haben die Sprache Hölderlins in QR-Codes transformiert, sie bilden die formale Grundlage für die Gestaltung der Buchdeckel. Die QR-Codes sind für die Betrachter auf kleinen Schildern am Wiesenrand abgebildet und mit dem Smartphone abrufbar. Sie bilden eine direkte Verbindung zum Text des Gedichts, dass Hölderlin im Jahr 1802 geschrieben hat«, erläutert Anja Harms. Die Texte haben die Künstler weiter ins fragmentarische getrieben. Sie bilden die Basis ihrer gemeinsamen künstlerischen Ausdrucksweise. Teilweise sind die hölzernen Teile der Tafeln beweglich, schwingen in der Rahmenform. »Durchbrüche in den Formen eröffnen dem Betrachter eine Perspektive auf die Auen-Landschaft. So fassen die abstrakten Buchdeckel das Panorama für die Betrachter ein«, sagt Eberhard Müller-Fries.

Mit Bezug zu Fragmenten

Die Durchbrüche beziehen sich nicht allein auf die QR-Code-Ästhetik, sondern im übertragenen Sinn auch auf die ums Ganze ringende, »bruchstückhafte« Lyrik Hölderlins. Die fünfteilige Installation bezieht sich auf die Fragmente »Wenn über dem Weinberg es flammt« (Objekt 1), »Und schwarz wie Kohlen/Aussiehet um die Zeit« (Objekt 2), »Des Herbstes der Weinberg, weil/Die Röhren des Lebens/feuriger atmen« (Objekt 3), »In den Schatten des Weinstocks. Aber« (Objekt 4) und »Schön ist’s, die Seele/Zu entfalten und das kurze Leben« (Objekt 5).

Ausgangspunkt des künstlerischen Schaffens von Anja Harms, die von der Buchkunst, und Eberhard Müller-Fries, der von der Bildhauerei kommt, ist die Literatur, deren Sprach- und Klangbilder sie in eine moderne Formensprache übertragen. Die Buchskulpturen in der Erlenbachaue können von allen Seiten betrachtet und umwandert werden. Je nach Standort ändert sich der Blickwinkel, eröffnet eine neue Perspektive auf die Auenlandschaft.

Die seit 2011 zusammenarbeitenden Künstler lieben das Spiel mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken. Der Blick auf die fünf Skulpturen der Freiraum-Installation offenbart die handwerkliche Meisterschaft des Künstlerduos.

Die vom ehemaligen Ortsvorsteher Jörg Schatz in Zusammenarbeit mit der Galerie Vilbelart initiierte Massenheimer Auenkunst wird vom Fachbereich Kultur der Stadt Bad Vilbel betreut und kurativ von Astrid Gräfin von Luxburg begleitet. Geplant hat die Kuratorin eine Führung in der Massenheimer Auenkunst »Eine Bildhauer-Ausstellung in den Auen des Erlenbachs« am Samstag, 24.April, von 11 Uhr bis 12.30 Uhr in Kooperation mit der Stadt Bad Vilbel. Treffpunkt ist die Bushaltestelle gegenüber der Feuerwehr in der Mühlstraße 10, Bad Vilbel-Massenheim. Kosten pro Person: 12 Euro. Informationen zum Kultur-Erlebnis-Programm gibt es unter Kultur & Veranstaltung Services, Astrid Gräfin von Luxburg, Telefon 0176/51 22 31 63, per Mail an info@kultur-erlebnis.de und auf www.kultur-erlebnis.de. cf

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