Kaum zu sehen, dennoch vorhanden: Auf der rechten Seite ist die Fahrbahn abgesackt. Die Straße muss in diesem Bereich im nächsten Jahr komplett saniert werden.
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Kaum zu sehen, dennoch vorhanden: Auf der rechten Seite ist die Fahrbahn abgesackt. Die Straße muss in diesem Bereich im nächsten Jahr komplett saniert werden.

Bodenwellen auf B3

B3 muss im großen Stil saniert werden - Sogar Totalsperrung wird diskutiert

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Erneut aufgetretene Bodenwellen zwischen Bad Vilbel und dem Preungesheimer Dreieck haben die Behörden aktiv werden lassen. Ein Gutachten hat ergeben, dass die B3 massiv beschädigt ist.

Bad Vilbel - Tagtäglich fahren viele Tausend Pendlerinnen und Pendler aus der Wetterau nach Frankfurt. Auf der B3 müssen sie in der Gemarkung Bad Vilbel nun zweimal ihr Tempo drosseln. Zunächst kommt hinter der Auffahrt Bad Vilbel eine 600 Meter lange Fahrbahnverschwenkung und die linke Spur ist eingeengt. Das bedeutet: Tempo 80. Haben sie diese Baustelle, die zur Errichtung einer zusätzlichen Abbiegespur für die Lastwagen zur Bahn-Baustelle errichtet wurde, hinter sich, müssen sie die Geschwindigkeit erneut drosseln. Wer nach weiteren rund 700 Metern die rechte Spur benutzt, merkt bald, warum. Die Fahrbahn ist dort sehr wellig.

Vielen dürfte das bekannt vorkommen, schließlich ist es keine zwei Jahre her, als es nahe dieser Stelle schon mal eine Bodenwelle gab. Seinerzeit hatte eine Baufirma im Auftrag eines Telekommunikationsunternehmens unter der Fahrbahn hindurch ein Kabel durchgepresst. Das hatte Folgen: Die B3 sank an einer Stelle ab. Es hat über ein Jahr gedauert, bis Arbeiter anrückten, um die Schäden zu reparieren.

B3-Bodenwelle bei Bad Vilbel: Im Sommer wieder aufgetaucht

So weit, so gut. Es dauerte nur bis zum Sommer dieses Jahres, bis es auf der B3 wieder wellig wurde. Diesmal sind es gefühlt gleich drei Wellen, über die die Autofahrer holpern. Übrigens unweit der schon einmal geflickten Stelle.

Die zuständige Straßenbehörde Hessen Mobil ließ daraufhin wieder Schilder aufstellen, Tempo 80 und »Achtung! Unebene Fahrbahn«. Wer jetzt aber denkt, das seien erneute Spätfolgen der Kabel-Durchpressung, der irrt.

Das hessische Verkehrsministerium hat es als Antwort einer Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Jörg-Uwe Hahn quasi amtlich bestätigt: »Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist aufgrund einer Vielzahl von Bodenwellen angeordnet worden. Sie ist nicht auf den im Zuge der Durchpressung einer Telekommunikationslinie entstandenen Schaden aus dem Jahr 2018 zurückzuführen.«

B3-Bodenwelle bei Bad Vilbel: Untergrund hat nachgegeben

Verwiesen wird in der Antwort auf ein Streckengutachten, dessen Ergebnis zum Zeitpunkt der Beantwortung der Hahn-Anfrage noch nicht vorgelegen hat. Mittlerweile ist das aber der Fall. Denn Hessen Mobil hatte einen Gutachter eingeschaltet, um der Ursache ganz genau auf den Grund zu gehen.

»Das sind keine einfachen Schlaglöcher, sondern die Schäden gehen viel tiefer«, sagt Hessen-Mobil-Sprecherin Cornelia Höhl gegenüber dieser Zeitung. Der Fachmann hat offenbar auch Probebohrungen vorgenommen und war dabei auf massive Schäden im Unterbau der Straße gestoßen. Das bedeutet: »Die Straße muss umfangreich saniert werden«, kündigt die Sprecherin an.

Erfahrungsgemäß müssen dabei sowohl die Deck-, als auch die Tragschicht abgetragen und völlig neu aufgebracht werden. Auch das Ministerium spricht von einer »grundlegenden Instandsetzung des Streckenbereichs«.

B3-Bodenwelle bei Bad Vilbel: Arbeiten voraussichtlich im Frühjahr

Aktuell hätten die Kollegen in der Fachabteilung mit den Straßenverkehrshörden vor Ort Kontakt aufgenommen. »Wir müssen dort in ein Nadelöhr eingreifen«, spielt die Sprecherin auf die starke Verkehrsbelastung dieses Streckenabschnitts mit mehreren Tausend Fahrzeugen täglich an. Die Fachleute denken nun gut darüber nach, vor allem darüber, wann die Sanierung erfolgt, ob es eine Totalsperrung der Spuren Richtung Frankfurt mit entsprechenden Umleitungen geben oder ob der Verkehr jeweils einspurig an der Baustelle vorbeigeführt werden muss.

Auf jeden Fall können sich alle Autofahrer darauf einrichten, dass es - voraussichtlich im nächsten Frühjahr - an der Stelle zu umfangreicheren Arbeiten kommen dürfte. Aus dem Verkehrsministerium heißt es, aufgrund des Gutachtens könne die Sanierung geplant, ausgeschrieben und schließlich umgesetzt werden. Bezahlen muss die Bauarbeiten übrigens der Bund.

Wer für die Beseitigung des Schadens von vor zwei Jahren aufkommen muss, steht noch nicht fest. In der Antwort an Hahn heißt es, »der Vorgang zur Regulierung des Schadens infolge der Durchpressung ist noch nicht abgeschlossen.«

Die erste Bodenwelle hat die Autofahrer auf der B3 verärgert. Der Ärger steigerte sich vor zwei Jahren dadurch, dass die Verkehrspolizei dort die Geschwindigkeit kontrollierte und dabei offenbar mächtig Geld eingesammelt hat. Der FDP-Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn hatte dazu eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Die berichtete, dass es fünf Geschwindigkeitskontrollen zwischen Dezember 2018 und April 2019 gegeben hatte. Dabei wurden Bußgelder in Höhe von rund 230 000 Euro und knapp 6000 Euro an Verwarnungsgeldern verhängt. Hahn hatte die Tempokontrollen seinerzeit kritisiert. »Ich kann meine Kritik nur wiederholen. Die B 3-Bodenwelle ärgerte zu Recht Tausende Pendler. Der Gefahrenpunkt hätte viel schneller beseitigt werden müssen«, sagt Hahn. Die Vermutung, dass die schwarz-grüne Landesregierung versucht habe, über die Geschwindigkeitsmessungen den Haushalt zu füllen, könne die Antwort des Ministeriums nicht ausräumen. Es sei versucht worden, »mündige Autofahrer mit Radarfallen zu erziehen, anstatt das Grundproblem, die Bodenwelle, schnellstmöglich und mit Nachdruck zu beheben«.

In seiner neuerlichen Anfrage hat der Bad Vilbeler Liberale Hahn wiederum nach Radarkontrollen an dieser Stelle gefragt. Dazu machte das Verkehrsministerium nur allgemeine Angaben, in welchen Fällen derartige Kontrollen stattfinden. Konkretes zur B3 geht aus der Antwort nicht hervor. (pe)

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