Die Musikerinnen und Musiker der Stadtkapelle Bad Vilbel proben für ihre "Klangwelten".	FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH
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Die Musikerinnen und Musiker der Stadtkapelle Bad Vilbel proben für ihre »Klangwelten«. FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH

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Besonderer Gast bei der Konzertprobe

  • vonChristine Fauerbach
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Bad Vilbel (cf). Volle Konzentration bei den 50 Musikern des Hauptorchesters der Stadtkapelle Bad Vilbel. Auf dem Probenplan im Vereinsheim am FFH-Platz stehen anspruchsvolle wie abwechslungsreiche Stücke, bekannte, weniger bekannte und völlig unbekannte Kompositionen für die beiden Jahreskonzerte. Ausgesucht hat sie Dirigent René Wilhelm passend zum Konzertmotto »Klangwelten«.

Die Bandbreite des Repertoires reicht von Klassikern wie der Nabucco-Ouvertüre von Verdi, über die Ballettmusik »Russian Sailor Dance« von Reinhold Gliere, das Stück »Anisette Santiago en Fete« von Serge Lancen und den spanischen Paso Doble »Suspiros de España« von Antonio Alvarez, moderne Stücke wie »Rest« von Frank Ticheli und »Ich atme Gefühl« von Dirk Mattes bis zu einem Potpourri von Earth, Wind & Fire.

»Durchatmen« als Thema des Zyklus

Wilhelm will mit der Auswahl so unterschiedlicher Kompositionen zeigen, dass »man mit einem Blasorchester mehr als nur traditionelle Blasmusik spielen kann«. Verbunden ist dies für die Musiker mit einer großen stilistischen Vielfalt und Herausforderung. Jedes Stück hat eine andere Klangwelt. »Verdi ist schnell und technisch anspruchsvoll. Bei Frank Tichelis meditativem, ruhigem Stück auf Grundlage der Vertonung des Gedichtes von Sarah Teasdale kommt es auf das aufeinander Hören der Instrumente, die Intonation, an. Bei Dirk Mattes’ bisher nicht öffentlich aufgeführtem Stück kommt es auf das Zusammenspiel bei der Interpretation der zeitgenössischen Musik an.

Damit das alles klappt, gab es bei der Probe eine Vereinspremiere. Die Musiker begrüßten erstmals mit dem gebürtigen Hanauer Dirk Mattes, der in Aschaffenburg zu Hause ist, einen Komponisten bei ihrer Probe, um mit ihm gemeinsam das Stück zu erarbeiten.

Zugleich bot sich den Musikern die Gelegenheit, dem Komponisten Fragen zu seinem Werdegang, zum Stück, seiner Inspiration und Gedanken beim Komponieren zu stellen. Wilhelm berichtete, dass er bereits beim ersten Hören von »Ich atme Gefühl - In Gedenken an Arnold Schönberg« begeistert war.

Mattes studierte Musik mit Schwerpunkt Komposition in Würzburg, spielt Trompete, Klavier und Horn, »inzwischen aber meist ›Bleistift‹ und ›Mouse‹«, wie der 34-Jährige verrät. Er ist Dozent, Komponist und Dirigent mehrerer Musikvereine sowie Handballer.

Mattes setzte sich bereits als Student mit dem österreichischen Komponisten Schönberg und dessen Harmonielehre in Verbindung mit dem Zusammenhang zwischen Emotion und Atmung auseinander. »Bei der Durcharbeitung der Harmonielehre fing ich immer wieder an zu komponieren.« Das Ergebnis mündete in den 2016 veröffentlichten Zyklus aus fünf Sätzen, den er für ein Jugendblasorchester komponierte. Mattes wurde inspiriert durch die Textzeile »Ich fühle Luft von anderem Planeten« aus Stefan Georges Gedicht »Entrückung«, das Arnold Schönberg in seinem zweiten Streichquartett in fis-Moll verwendete.

»Diese Textzeile inspirierte mich zu meiner Komposition ›Ich atme Gefühl‹. Schönbergs Themenkopf bildete die Keimzelle für meinen fünf Sätze umfassenden Zyklus.«

Der Komponist beschreibt den Musikern anschaulich die Ausgangssituation seiner Komposition, das Durchatmen. Dies könnte auf einer grünen Wiese liegend sein. Der Liegende stellt sich die Frage, wie diese Wiese nun auf einem anderen Planeten aussieht. Der Komponist behauptet blau, womit die Überschrift »Auf einer blauen Wiese« des ersten Satzes gefunden war.

Im zweiten Satz symbolisiert »Die Sanduhr« vergehende Zeit. »Nur mehr Erinnerung« ist der Titel des Chorals des dritten Satzes. Der ihn zum »Spaziergang auf den Sternen« eines kleinen Geschöpfes im vierten Satz inspirierte. Der Schlusssatz »Im Zeitraffer« zeigt, wie »alle Sätze an einem vorbeifliegen, wenn die Atmung, die zugleich das Ende und der Anfang von allem ist, aussetzt, und das Sterben beginnt. Stadtkapellenvorsitzender Alexander Fry und die Musiker freuen sich mit Wilhelm auf eine spannende Reise durch diese Klangwelten.

Die Stadtkapelle Bad Vilbel lädt izu ihren beiden Jahreskonzerten unter dem Motto »Klangwelten« ins Kultur- und Sportforum nach Dortelweil ein. Konzerttermine sind Samstag, 21. März, ab 19.30 Uhr mit After-Show-Party) sowie Sonntag, 22. März, ab 17 Uhr. Eintrittspreise: im Vorverkauf: 12 Euro (Kinder bis 12 Jahre ermäßigt), Abendkasse 14 Euro. Eintrittskarten sind ab sofort im Friseursalon Mohr, bei den Musikern sowie auf stadtkapelle-bad-vilbel.de. cf

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