Jeder einzeln - und doch gemeinsam: Zwar trifft sich der Chor "BelVoce" zum Proben auf einem Sportplatz, das gemeinsame Corona-Lied bleibt aber virtuell.	SCREENSHOT: NIKLAS MAG
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Jeder einzeln - und doch gemeinsam: Zwar trifft sich der Chor »BelVoce« zum Proben auf einem Sportplatz, das gemeinsame Corona-Lied bleibt aber virtuell. SCREENSHOT: NIKLAS MAG

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BelVoce singt »Cantate Virtuale«

  • vonNiklas Mag
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»Cantate contra Corona. Den längeren Atem haben wir«, so heißt es im Refrain aus der »Cantate Virtuale«. Das selbst komponierte Stück des Chores BelVoce hat allerdings einen eher traurigen Hintergrund, denn gerade Sänger haben es in diesen Zeiten nicht einfach. Umso schöner ist es, welch kreatives Werk aus der Situation hervorgegangen ist.

Carolin Ernst-Teichert muss gar nicht lange überlegen, wann die reguläre letzte Chorprobe stattgefunden hat. »Das war am 9. März«, sagt sie. Immer montags traf sich der Chor »BelVoce« vor der Pandemie, der im Herbst 2019 aus früheren Mitgliedern des Musikschulchors »Vil-belCanto« gegründet worden ist.

Die Vorsitzende führt aus: »Das war schon heftig danach. Wir haben uns zu Videokonferenzen zusammengefunden, einfach um mal wieder etwas quatschen zu können.« Gemeinsames Singen habe nicht ganz perfekt funktioniert. »Jeder hat sich zum Proben selbst stummgeschaltet und mitgesungen. Aber wirklicher Chorgesang ist das dann eben nicht«, weiß Ernst-Teichert.

Chorleiter Bach schrieb den Satz

Singen sei einmal das harmloseste Hobby überhaupt gewesen, jetzt ist es gefährlich. »Aber ganz ohne das Singen geht es eben auch nicht. Deshalb kam in diesen Videokonferenzen die Idee auf, das Lied zu schreiben.« In kleineren Gruppen habe man sich nach der Entscheidung über den Text Gedanken gemacht. Chorleiter Benedikt Bach komponierte derweil den vierstimmgen Satz. »Außerdem hat Benedikt uns die vier Stimmen aufgenommen, so dass jeder bei sich zu Hause üben konnte«, ergänzt sie.

Mittlerweile ist das fertige Video online. In dem Video sind die Sänger und Sängerinnen des Chores in Kästen zu sehen und teilen sich so den Bildschirm. Die Musiker haben sich selbst bei ihrer Tonaufnahme gefilmt. Während des Videos wechseln diese Kästchen immer wieder und wechseln die Chormitglieder durch. »Das haben wir alle mit unseren Smartphones gemacht. Das ist schließlich die Technik, die jeder zu Hause hat«, erinnert sich Carolin Ernst-Teichert. Benedikt Bach habe den Piano- und Violinen-Part beigesteuert. »Wir haben uns dann selbst am Schnitt versucht, aber da musste technisch viel Kleinteiliges erledigt werden.« Letztendlich müssen schließlich alle Bild- und Tonaufnahmen absolut synchron sein, um die erkennbare Cantate Virtuale zu ergeben. »Da sind wir sehr froh über die technische Unterstützung durch Andreas Nowak, der den Ton perfektioniert hat.«

Im Text des Stücks drücken die Bad Vilbeler Sänger ihren Unmut über die aktuelle Situation aus: »Im Lockdown schweigen die Stimmen, wir werden auf Abstand dressiert die Harmonien verklingen Der Alltag ist maskiert«, blicken jedoch auch nach vorne: »Im Lockdown trotzdem singen, ein Choral, virtuell und digital die Ängste überstimmen voll Hoffnung allemal!«

Carolin Ernst-Teichert findet: »Das zeigt, wie viel Freude und Zusammenhalt in unserem Verein herrscht.« Und ein klein wenig normaler Choralltag ist ebenfalls wieder möglich. Denn den Sommer nutzte BelVoce, um auf dem Dortelweiler Sportplatz endlich wieder gemeinsam zu singen. Mit einem tragbaren Piano und drei Metern Abstand pro Person versteht sich.

Auf der Suche nach Probenraum

Doch sucht BelVoce nun nach einem geeigneten Probenraum für die kommenden Monate mit schlechterem Wetter. »Wir sind etwa 40 Aktive im Verein und benötigen einen Raum mit dem entsprechenden Platz für Abstände«, sagt Carolin Ernst-Teichert. Ihr Chor plant optimistisch sogar neue Konzerte.

Im Herbst 2021 soll hoffentlich das erste nach der Corona-Pandemie stattfinden, und zwar in großem Rahmen mit Orchester-Kooperation. Und wer weiß, möglicherweise findet die »Cantate Virtuale« dann ihren Weg auf die Live-Bühne und erinnert nur noch an die Pandemie, »auf deren baldiges Ende wir als Chor sehr hoffen«, schließt Carolin Ernst-Teichert.

»Die Welt hält den Atem an. Die Chöre sind ›on mute‹. Corona gibt die Töne an Wer weiß - wie lange geht das gut?«. So beginnt die Cantate Virtuale, die sowohl auf dem Youtube-Kanal des Vereins »BelVoce« als auch auf der Webseite des Vereins unter www.belvoce.de zu hören ist. Für dieses Jahr sind natürlich alle Auftritte und Konzerte wegen der Pandemie abgesagt. nma

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